James Comeys Worte scheinen sorgsam abgewogen. Aber sie entfalten Sprengkraft, noch ehe er selbst am Donnerstag vor den Geheimdienstausschuss des Senats tritt. Das meiste dürfte US-Präsident Donald Trump nicht gefallen.
Fast wie vor einem Wahltag hatte das politische Washington auf den Donnerstag gewartet: Der von Donald Trump entlassene FBI-Chef James Comey muss vor dem Geheimdienstausschuss des Senats Rede und Antwort stehen. Doch der Paukenschlag kommt schon früher. Am Mittwoch veröffentlicht der Ausschuss die schriftlich vorliegende Auftakterklärung Comeys. Schon sie hat es in sich. Der 56-Jährige bestätigt darin bereits mehrere Kernvorwürfe gegen Trump.
Was sagt Comey in seinem Statement?
Der frühere FBI-Chef bestätigt, was US-Medien vor Wochen schon zugespielt worden war: Trump habe ihn gebeten, die Ermittlungen gegen seinen früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn fallen zu lassen. Das wird von Kritikern als unzulässige Einflussnahme gewertet und als möglicher Ausgangspunkt für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump gesehen.
Comey erklärt auch, dass Trump von ihm eine Loyalitätsbekundung verlangt habe. Auch das gilt als zumindest unüblich im Verhältnis zwischen einem Präsidenten und dem Chef der politisch unabhängigen Bundespolizei. Comey sei zutiefst beunruhigt gewesen. Der Ex-FBI-Chef macht aber auch klar, dass gegen Trump selbst nicht ermittelt wurde und er ihm das auch gesagt habe.
Hat Comeys Aussage das Potenzial, Trump zu Fall zu bringen?
Das bleibt eine spannende Frage. Die Erklärung vom Mittwoch bringt den Präsidenten durchaus weiter in Bedrängnis. Fest steht aber auch: Um ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump einzuleiten, braucht es eine einfache Mehrheit im Repräsentantenhaus. Und das wird von den Republikanern dominiert. Somit müssten Dutzende von Trumps Parteifreunden gegen ihn stimmen. Ob die von Comey aufgetischten Vorwürfe so gravierend und auch unumstösslich sind, um die Konservativen umfallen zu lassen, muss sich erst noch zeigen.
Allerdings: Die Mehrheit im Abgeordnetenhaus könnte nach der Wahl 2018 kippen. Dann könnten die Demokraten Trump ins Impeachment zerren. Ein solches Verfahren selbst kann dann Jahre dauern.
Falls es nicht für ein Impeachment-Verfahren reicht, kann Comey Trump anderweitig schaden?
Ja. Die Russland-Affäre hat inzwischen Wurzeln geschlagen in Washington und auch erste Opfer gekostet. Comey könnte durchaus noch weitere Dinge wissen - und publik machen - die für Stützpfeiler aus Trumps engstem Umfeld brenzlig werden könnten, etwa Schwiegersohn Jared Kushner. Beispielsweise gibt es Hinweise auf Verbindungen Kushners zur Alfa-Group, einem von russischen Oligarchen geführten Konzern mit grosser Nähe zum Kreml.
Grundsätzlich haben die Aussagen von Comey und auch weiteren führenden Geheimdienstlern wie Dan Coats das Potenzial, die ohnehin grosse Zahl offener Fragen in der Affäre zu erhöhen - und das Thema damit noch länger und prominenter in den Schlagzeilen zu halten - Trump kann das nicht wollen. Comey gegenüber soll er von einer «Wolke» gesprochen haben, die über seiner Arbeit als Präsident hänge.
Worum geht es bei der Russland-Ermittlung?
Das FBI untersucht mögliche Verbindungen zwischen Mitgliedern aus Trumps Wahlkampfteam und Vertretern der russischen Regierung vor dem Amtsantritt. Für US-Amerikaner, die nicht offiziell ein Amt bekleiden, unterliegt der Kontakt mit ausländischen Offiziellen strikten Regelungen. Trump weist jegliche persönliche Verbindungen zu Russland zurück. US-Geheimdienste beschuldigen den Kreml, sich mit Cyberangriffen in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Hillary Clinton zu schaden und Trump zu helfen.
Hacker hatten E-Mails der Demokraten gestohlen, die die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte. Die entscheidende Frage ist, ob die Kontakte von Trump-Mitarbeitern nach Russland so weit reichten, dass sie vorab von den Angriffen auf die Demokraten wussten oder sie sogar orchestriert haben. Beweise gibt es dafür aber bislang nicht. Das Justizministerium hat in dem Fall einen Sonderermittler eingesetzt, den ehemaligen FBI-Chef und Comey-Vorgänger Robert Mueller.
Wer steht im Fokus der Affäre?
Mehrere Männer, die während des Wahlkampfes in unterschiedlichem Masse als Berater für Trump wirkten. Michael Flynn, Carter Page und Roger Stone. Immer wieder genannt wird auch Paul Manafort, der einstige Wahlkampfchef des Republikaners. Auch für die Treffen von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak und einem russischen Banker interessieren die Ermittler sich nach Medienberichten.
Flynn wurde wegen seiner Kontakte zu Kisljak vom FBI befragt. Er stürzte über ein Telefonat mit dem Botschafter, weil er zum Inhalt log. Im Fall von Page hegte die Behörde nach Angaben der «Washington Post» im vergangenen Sommer die Befürchtung, er sei ein russischer Agent. Die Ermittler beantragten deshalb seine Überwachung.
Stone prahlte im Wahlkampf damit, mit Wikileaks in Kontakt zu stehen. Vor kurzem erklärte er, er habe sich im August mit dem Hacker «Guccifer 2.0.» Nachrichten geschrieben - hinter dem US-Geheimdienste russische Dienste sehen.
Warum wurde Comey von Trump überhaupt entlassen?
Das ist nicht ganz klar. Der Präsident und das Weisse Haus haben mehrere, sich zum Teil widersprechende Gründe genannt. In ersten Erklärungen wurde dem FBI-Chef vor allem Fehlverhalten in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton angelastet. Trump und viele Republikaner regt noch heute auf, dass Comey damals empfohlen hatte, Clinton nicht anzuklagen. Damit habe er seine Kompetenzen überschritten.
Trump sagte auch, er sei bei der Entlassung dem Rat von Justizminister Jeff Sessions und dessen Vize Rod Rosenstein gefolgt. Dann erklärte er, er habe Comey seit längerem feuern wollen. Später sagte er in einem Interview, er habe bei dem Rauswurf auch «diese Russland-Sache» im Kopf gehabt. Die Opposition ist sich fast sicher: Comey sei Trump als FBI-Chef zu gefährlich geworden, deswegen habe er gehen müssen.
100 Tage Trump - das sind die Gewinner und Verlierer:
100 Tage Donald Trump - das sind die Gewinner und Verlierer:Gewinner: CEOs
Als Unternehmer selbst ist Donald Trump bemüht darum, wochentliche Meetings mit CEOs zu halten. Er hört sich die Ideen an und die CEOs erhalten die Möglichkeit zum Austausch mit dem zurzeit mächtigsten Mann der Staaten. RMS Energieunternehmen:
Donald Trump hat zwei umstrittene Ölpipelines bewilligt, die zuvor von Obama aufgrund von Umweltgefahren gestoppt wurden. Weiter hat er die Offshore-Ölförderung erleichtert und mehr Fracking angekündigt. RMS Investoren:
Die Steuersenkungen, die Deregulierung der Finanzbranche und das massive Investitionsprogramm hat den Märkten Auftrieb gegeben. Während der S&P 500 um 15 Prozent zulegte, stieg der Russell 2000 sogar um 22 Prozent. RMS 1000 Carrier Corporate Mitarbeiter
Schon während des Wahlkampfes verwies Donald Trump immer wieder auf den Klimaanlagenhersteller - sie wollten 1400 Stellen ins Nachbarland Mexiko abschieben. Trump - der selbsternannte Retter bedrohter Arbeitsplätze - konnte immerhin 1000 Arbeitsplätze im Land halten. RMS Ivanka Trump:
Auch sie kann sich freuen: Noch während des Wahlkampfes stiegen die Verkaufszahlen für ihre Mode- und Schmuckkollektionen ganze 61 Prozent. Zudem bewilligte China Trumps Tochter die Markenrechte für gleich drei ihrer Produktlinien - nachdem der chinesische Präsidenten Xi Jinping zu Besuch war. RMS Pentagon:
Während der US-Präsident drastische Einsparungen bei der Entwicklungshilfe sowie beim Umweltschutz plant, kann sich das Pentagon freuen: Um ganze 54 Milliarden Dollar sollen die Verteidigungsausgaben steigen. RMS Wall Street Banken:
Durch die Unterzeichnung eines Dekrets, welches das Reformpaket «Dodd-Frank Act» auf den Prüfstand stellt, könnten Gewinne der Wall Street Banken ansteigen. RMS Verlierer: Einwanderer
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Er lässt nicht locker: Trump ist zwar beim ersten Versuch, Obamacare abzuschaffen, kläglich gescheitert. Doch die Drohung reicht vielen Nutzern bereits: Fast eine halbe Million Versicherte hat Obamacare dieses Jahr verloren. RMS Bürokraten:Die staatliche Regierung beschäftigt insgesamt 2,8 Millionen Personen - für Donald Trump viel zu viele. Er will die Zahl senken. Zudem will er unnötige Bürokratie abbauen: In Zukunft darf eine Vorschrift nur erlassen werden, wenn zwei bestehende abgeschafft werden.
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