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Das Smartphone macht diese Geräte zunichte

Es kann fotografieren, rechnen, wecken und vieles mehr: Das Smartphone von heute ist ein multifunktionales Gerät - und der Tod für viele Geräte, die früher einmal nützlich waren.

Julia Fritsche

WeckerMehrere Weckzeiten aufs Mal, unterschiedliche Aufstehzeiten je nach Wochentag, fetzige Weckmelodien und eine Analyse des Schlafprozesses - im Gegensatz zu einem Smartphone ist ein herkömmlicher Wecker damit überfordert.
KameraBereits 2015 stellte das Fotounternehmen Ifolor in einer Auswertung fest, dass fast ein Drittel der Fotos von Handys geknipst wurden – am meisten mit Apple-Geräten. Der Trend hat sich wohl auch in der Zwischenzeit fortgesetzt.
TaschenlampeKlein und handlich macht sich das Smartphone auch als Taschenlampenersatz hervorragend. Der Vorteil: immer und überall griffbereit.
KalenderIst heute der 28. oder 29.? Ein Blick auf das Smartphone genügt. Das smarte Geräte erinnert an wichtige Termine und Geburtstage.
WasserwaageDas Prüfgerät kommt in den meisten Haushalten nur selten in Einsatz. Mit dem Smartphone als Ersatz bleibt in der Werkzeugkiste mehr Platz für Hammer und Co..Olli Henze/CC/Flickr
NavigationsgerätDiese Geräte haben selbst den Papierkarten das Leben schwer gemacht, nun droht ihnen der Tod durch die Smartphones. Diese haben die gleichen Funktionen auf Lager, man spart aber ein extra Gerät.
AussenthermometerStatt sich bei Wind und Wetter auf den Balkon hinauswagen, hält das Smartphone das aktuelle Wetter und die Aussichten allzeit bereit und man muss dafür nicht einmal das Bett verlassen. An Wetterstationen dürften nur noch Liebhaber ein Interesse haben.
FestnetztelefonAb 2018 wird telefonieren bei Swisscom nur noch digital möglich sein. Wer am Uralt-Telefon festhält, muss einen kostenpflichtigen Adapter anschaffen. Dass Festnetztelefonie auf dem absteigenden Ast ist, bestätigt der Telekomriese gegenüber dem Basler Portal barfi.ch: «Während die Festnetznummer bei Geschäftskunden nach wie vor ein wichtiges Qualitätsmerkmal darstellt, sehen wir bei Privatkunden einen rückläufigen Trend.»
TelefonkabineÖffentliche Telefons werden immer weniger und seltener genutzt. So berichtete die Swisscom in einer Reportage von der einsamsten Telefonkabine der Schweiz. Diese steht im bündnerischen Braggio und wird nur zweimal pro Jahr benutzt.Keystone
TaschenspiegelchenSchnell Wimpern nachtuschen und Lippen nachziehen, geht auch ohne den kleinen Spiegel.
RolodexDie Vorrichtung für Karteikarten wirkt heute antiquiert und auch Adress- oder Telefonbücher dürften vom Aussterben bedroht sein. Wer die Telefonnummern seiner Familie und Freunden noch auswendig kennt, dürfte ebenfalls bereits zur Minderheit gehören - dank der Speicherkapazität von Smartphones.Lisa Yarost/CC/Flickr
TaschenrechnerMit dem Smartphone hat man den Rechner immer und überall mit dabei. Während der herkömmliche Taschenrechner in einer Schublade verstaubt oder allenfalls noch für den Mathematikunterricht lebt.Bilder: Pixabay/Pexels
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RMS

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Das neueste Smartphone von Samsung liegt in den Geschäften und auch von Apple wird im Herbst wieder ein neues Gerät erwartet: Smartphones sind ein Verkaufsrenner. Gleichzeitig sind sie der Tod einer ganzen Reihe weiterer Produkte. Von Telefonkabinen, über Taschenlampen und Weckern bis zum Taschenrechner – was früher einmal ganz nützlich war, braucht es dank den multifunktionalen Geräten von Apple und Co. nicht mehr.

Natürlich haben die meisten von uns wohl noch einen Taschenrechner in irgendeiner Schublade liegen, eine Kamera für besondere Anlässe oder auch eine Taschenlampe für den seltenen Ausflug auf den Campingplatz. Tatsächlich in Gebrauch sind diese Klassiker aber wohl nur im Ausnahmefall.

Veränderter Telefongebrauch

Das skrupellose Smartphone hat es sogar auf seine nahen Bekannten Telefonkabine und Festnetztelefon abgesehen. Während die Swisscom 1998 noch 12'500 Telefonkabinen von der PTT übernommen hatte, ist die Zahl der öffentlichen Telefone in der Schweiz inzwischen auf etwa 4000 gesunken. Ein guter Teil davon gehört zur Grundversorgung – ihr Überleben ist zumindest für die nächste Zeit noch gesichert.

Eine technische Umstellung steht Ende Jahr für die Swisscom-Kunden an. Ab 2018 schaltet der Telekomkonzern das klassische Festnetz ab. Wessen Telefon heute direkt in der Telefonsteckdose steckt, muss also handeln. Nostalgiker können an ihrem Wählscheibentelefon festhalten, wenn sie bereits sind, dafür einen kostenpflichtigen Adapter anzuschaffen. Rund ein Viertel der Swisscom-Kunden telefoniert heute noch nicht digital. Möglicherweise sorgt die bevorstehende Umstellung dafür, dass noch viel mehr Menschen ganz auf ihr Festnetz verzichten werden.

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Obsolete Kameras

Wie viele Wasserwaagen, Aussenthermometer und Taschenspiegel das Smartphone auf dem Gewissen hat, lässt sich nicht beziffern. Eine deutliche Sprache sprechen aber die sinkenden Absätze im Kameramarkt. Laut den Zahlen von GfK nahmen die Verkäufe seit dem Jahr 2010 stetig ab. Das grösste Minus verzeichnete die Branche 2013 mit rund 18 Prozent. Auch für dieses Jahr erwarten die Marktforscher einen Rückgang. Die Verkäufe sollen nochmals um 10,8 Prozent zurückgehen und einen Umsatz von 252 Millionen Franken generieren. Damit hat sich der Markt seit 2007 mehr als halbiert.

Ein weiteres Indiz für die Zunahme der Smartphone-Fotografie kommt vom Fotounternehmen Ifolor.  In einer Auswertung von 2015 stellte dieser fest, dass fast ein Drittel der Fotos von Handys geknipst wurden – am meisten mit Apple-Geräten.

20 Jahre Smartphone - sehen Sie in der Bildergalerie wie alles begann:
20 Jahre Smartphone - wie alles begann:Das Zeitalter des Smartphones begann im Jahr 1996.  Auf der CeBIT in Hannover kündigte der finnische Mobilfunkkonzern Nokia den «Nokia 9000 Communicator» als «Büro im Westentaschenformat» an, der dann am 15. August 1996 in die Läden kam. Als eine der wichtigsten Funktionen wurde damals angepriesen, dass der aufklappbare «Communicator» auch Faxe senden und empfangen konnte. Flickr/textlad/CC
Manche Experten sehen im «Simon Personal Communicator» das erste Smartphone der Welt, der bereits ab August 1994 von IBM in den USA verkauft wurde. Doch im Gegensatz zum «Communicator» von Nokia konnte man mit dem klobigen «Simon» von IBM nicht im Web surfen, was für die meisten Technik-Historiker den Begriff «Smartphone» mitdefiniert. font size="-2">Wikimedia Commons/CC
1999 brachten die Finnen dann mit dem «Nokia 7110» das erste WAP-Handy auf den Markt, mit dem man für mobile Verbindungen formatierte Web-Seiten aufrufen konnte.
Apple-Chef Steve Jobs gab schliesslich dem Smartphone-Markt den entscheidenden Impuls. In einer inzwischen legendären Präsentation zum Auftakt der Messe MacWorld am 9. Januar 2007 versprach er dem Publikum gleich drei Geräte: einen Musikplayer mit Touch-Bedienung, ein revolutionäres Telefon und einen grundlegend neu konzipierten Internet-Kommunikator. Es handelte sich um das erste iPhone, das «iPhone 2G», das den Markt grundlegend umkrempeln sollte. font size="-2">Youtube
Das erste Android-Smartphone kam im Oktober 2008 mit dem HTC Dream dauf den Markt. Apple-Chef Jobs tobte, weil die Android-Oberfläche dem iPhone so sehr ähnelte. Es gelang Apple allerdings nicht, das Google-System vor Gericht auf breiter Front stoppen zu lassen. font size="-2">Wikimedia Commons/CC
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RMS

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