Abo
Bürogebäude

Das Problem bei Apples 5-Milliarden-Dollar-Palast

Die neue Zentrale von Apple im Silicon Valley lässt architektonisch kaum Wünsche offen. Doch für die Stadt Cupertino könnte das sogenannte Raumschiff zum Problem werden, sagen Kritiker.

Gabriel Knupfer

Der Apple Park (früher Apple Campus 2) im Mai 2017. Die ersten Mitarbeiter haben das riesige Gebäude bereits bezogen, doch es wird weiter fleissig gebaut.Youtube/Matthew Roberts
Der Umzug der 12'000 Mitarbeiter dauert sechs Monate. Die wichtigsten Bauarbeiten sollen im Sommer abgeschlossen werden. Apple
Das Herzstück des Campus wird das «Theatre». Es wurde vom Stararchitekten Norman Foster entworfen und verfügt über ein UFO-ähnliches Dach. Foto: Apple/Mashable
Das Dach hat einen Umfang von 42,7 Metern und wiegt über 72 Tonnen.Foto: Apple/Mashable
Laut Apple ist es das grösste freistehende Karbon-Dach der Welt. Foto: Apple/Mashable
Das Dach ist aus 44 Einzelelementen zusammengesetzt. Foto: Apple/Mashable
Beim «Theatre»-Auditorium arbeiten Firmen aus 19 verschiedenen Ländern mit.Foto: Apple/Mashable
Hier wird Apple zukünftig seine neuen Produkte vorstellen. Foto: Youtube
Das Hauptgebäude Ende 2016. Hier montieren Arbeiter Solarpanels. Foto: Youtube
Der neue Campus soll zu 100 Prozent mit Energie aus erneuerbaren Quellen wie Solarenergie und Biokraftstoff betrieben werden. Dafür gibt es reichlich Platz, ... Foto: Youtube
... das Hauptgebäude hat einen Umfang von 1,6 Kilometern.Foto: Apple
Mit seinem neuen Campus realisiert Apple eine Vision des verstorbenen Firmengründers Steve Jobs, wie bereits die Entwürfe von 2014 darstellten: «Hi Norman, ich brauche deine Hilfe». Mit diesen Worten rief Jobs 2009 Norman Foster an. Drei Wochen später... Illustration: Foster + Partners
... sei er nach Cupertino gereist. Dort habe ihm Jobs erklärt, was er vom neuen Haupsitz erwartet. Es entstand ein Entwurf einer gigantischen...Illustration: Foster + Partners
... neuen Kommandozentrale, die von viel Grün umgeben ist. Im Volksmund wird... Illustration: Foster + Partners
... sie wegen ihrer Form «Raumschiff» genannt. Andere nennen sie Donut. Wichtig war... Illustration: Foster + Partners
... Jobs, dass die Architektur eine offene Kommunikation...Illustration: Foster + Partners
... fördert. Das moderne Design erinnert...Illustration: Foster + Partners
... an das der Apple-Produkte. Schlicht, unaufgeregt...Illustration: Foster + Partners
... und doch zeitlos schön. Die Natur ist überall...Illustration: Foster + Partners
... präsent. Selbst die Parkgarage wird...Illustration: Foster + Partners
... grün gestaltet.
Illustration: Foster + Partners
1 / 21
RMS

Werbung

Spitzenarchitektur, viel Grün und ein hierarchieloses Gebäude – der neue Apple Park (ehemals Apple Campus 2) in Cupertino wurde lange Zeit mit Lob überhäuft. Doch nicht alle Architekten und Stadtplaner finden das kreisförmige Gebäude von Stararchitekt Norman Foster grossartig. Ein vielbeachteter Artikel im Technologie-Magazin «Wired» kritisiert den Bau heftig – und zeigt die problematischen Aspekte des 5-Milliarden-Dollar-Palastes auf.

Das Projekt sei ein «in Glas verpackter Anachronismus», schreibt Adam Rogers. Architektonisch und städtebaulich passe das Raumschiff, wie das Gebäude wegen seiner Form genannt wird, nicht in die heutige Zeit. Die Hauptkritik des Artikels: Sowohl die Stadt Cupertino als auch das gesamte Silicon Valley würden vom Bau nicht profitieren, sondern hätten eher Nachteile zu befürchten.

Mehr Verkehr

Die typischen Probleme von amerikanischen Vorstädten – namentlich viel Verkehr und wenig Wohnraum – werden durch den Apple Park nicht angegangen, sagt auch Urbanismus-Expertin und Journalistin Allison Arieff. «Angesichts der fast unbegrenzten Mittel hätte Apple alles Mögliche machen können.» Doch ausgerechnet diese wichtigen Fragen hätten bei der Planung keine Rolle gespielt.

Ein Beispiel: Der Neubau liegt über fünf Kilometer von der nächsten Bahnstation entfernt. Im neuen Gebäude werden 12'000 Menschen arbeiten, Apple stellt für sie 9000 Parkplätze bereit. Für das ohnehin schon verkehrsgeplagte Silicon Valley wird dies eine zusätzliche Belastung, denn Apple selbst schätzt, dass nur etwa 10 Prozent der Mitarbeiter in Cupertino leben werden.

Partner-Inhalte

Private Beförderungssysteme

90 Prozent der Mitarbeitenden im Raumschiff werden demnach pendeln. Die meisten von ihnen leben in den nahen Grossstädten San José und San Francisco. Zwar stellt Apple Shuttlebusse zur Verfügung. Doch der motorisierte Individualverkehr bleibt das am häufigsten genutzte Fortbewegungsmittel der Pendler.

Apple will nach eigenen Angaben mit den Bussen die Zahl der Fahrten zur Arbeit mit nur dem Fahrer als Passagier auf 66 Prozent senken. Die Busse sind indes umstritten, weil Techfirmen wie Apple oder auch Google lieber ihre privaten Beförderungssysteme ausbauen, als den vernachlässigten öffentlichen Verkehr im Silicon Valley zu unterstützen. Heute nutzen nur 1,5 Prozent der Apple-Mitarbeiter in Cupertino den öffentlichen Verkehr für den Arbeitsweg.

Horrende Immobilienpreise

Ein weiteres Problem ist die Wohnsituation in der San Francisco Bay Area: Während die Techgiganten jedes Jahr zehntausende neue Jobs schaffen, kommen die Gemeinden nicht mit dem Wohnungsbau nach. Die Folge sind horrende Immobilienpreise. Seit 2010 sind die Mieten in San Francisco um rund 50 Prozent gestiegen, die Häuserpreise haben sich seit 2009 ungefähr verdoppelt.

Google und Facebook haben wegen dem Wohnungsmangel in der Bay Area selbst die Initiative ergriffen und stellen vorgefertigte Appartements für die Mitarbeiter auf – als Zwischenlösung. Langfristig raten manche Experten bereits dazu, auf den Firmengeländen der Techunternehmen für die Mitarbeiter Hochhäuser zu errichten.

Werbung

«Weisser Elefant»

Die 71-Hektar-Anlage von Apple passt in dieser Hinsicht nicht ins Bild, wie Rogers auf «Wired» bemerkt. Apple betreibt mit dem Raumschiff das Gegenteil von Verdichtung. Zudem sei das Gebäude ein «weisser Elefant», sagt Berkley-Architektin Louise Mozingo. Der 5-Milliarden-Dollar-Bürobau sei unglaublich spezifisch auf Apple zugeschnitten. «Niemand wird jemals in Steve Jobs altes Gebäude einziehen.»

Zwar liegt ein theoretischer Niedergang von Apple natürlich in weiter Ferne. Doch keine Firma bleibt ewig an der Spitze. Und gerade im Silicon Valley – wo sich Unternehmen aus der Garage zu Weltkonzernen entwickelt haben – ist man mit austauschbaren Gebäuden gut gefahren, wie Mozingo in ihrem Buch «Pastoral Capitalism: A History of Suburban Corporate Landscapes» zeigt.

Steve Jobs «Pyramide»

Grosse Teile des heutigen Apple-Campus wurden früher von Hewlett Packard genutzt. Google hat sich auf dem ehemaligen Land von Silicon Graphics breitgemacht. Dies sei der «Kreislauf des Lebens», so Rogers. Doch mit einem Prestigebau wie dem Apple Park werde dieser Kreislauf unterbrochen.

Architektonisch lässt Apples Raumschiff kaum Wünsche offen. Mit der Vermischung von Hochtechnologie und Natur zu einer künstlichen Landschaft weist Apple in dieser Hinsicht den Weg in die Zukunft. Städtebaulich dagegen ist der Apple Park für Rogers eine «Pyramide» – ein Monument für Steve Jobs und seine Weltsicht, welches besser ins letzte Jahrhundert als in die Zukunft passt.

Werbung

Die grössten Irrtümer rund ums Büro sehen Sie in der Bildergalerie:
Beim Thema Arbeitsplatz und Büro halten sich viele Irrtürmer und Missverständnisse hartnäckig. Welche das sind und warum sie nicht stimmen*: *Quelle: «Die 20 hartnäckigsten Missverständnisse und Irrtümer zu Büroarbeitswelten» von Lukas Windlinger, Jennifer Konkol, Marcel Janser, Fabienne Schanné, Stefanie Lange, Ying Ying Cui, Zürcher Hochschule für Angewandte WissenschaftenBilder: Pixabay/Keystone
1. Grossraumbüros sind schlecht und gesundheitsgefährdendAus Sicht der Wissenschaft gibt es keine soliden Befunde, dass Grossraumbüros für die Gesundheit schlechter sind als andere Büroformen, denn es gibt gute und schlechte Büros. Gute Grossraumbüros zeichnen sich etwa durch ein breites Angebot an gemeinsam genutzten Flächen aus, die für Rückzug, Meetings etc. genutzt werden können. Entscheidend ist also nicht die Bürogrösse, sondern der Umgang mit Störungen, Privatsphäre etc.
2. Mitarbeiter in die Planung einzubeziehen ist teuer, dauert lang und resultiert in einem WunschkonzertMitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung zu äussern, trägt wesentlich zur Offenheit für die Veränderung bei. Dies ist auch mit geringem Aufwand möglich, indem man etwa ihr Feedback einholt oder sie bei den Möbeln mitbestimmen lässt. Erfahrungen zeigen dabei, dass ihre Vorschläge meist sehr vernünftig sind. Wichtig nur ist, dass keine falschen Erwartungen geweckt werden.
3. Mitarbeiter, die sich beklagen sind MimosenMitarbeiter, die Beschwerden melden, die sich mit Geräten nicht messen lassen, sind keine Mimosen. Vielmehr sind die Messkonzepte unreif. Denn nicht jede Beschwerde lässt sich objektiv erfassen: Wie Mitarbeiter ihre Umgebung wahrnehmen, ist für deren Komfort und Leistung relevanter, als die meisten mit Geräten erfassten Kennwerte. Zudem ist die Wichtigkeit eines Faktors für den Komfort und die Leistung individuell unterschiedlich.
4. Gute Möbel machen ein gutes BüroBei der Möbilierung von Büroräumen sind ergonomische Empfehlungen zwar notwendig, aber nicht hinreichend für eine hohe Qualität. Vielmehr ist die Gestaltung und Qualität der unmittelbaren Umgebung wichtig und hat einen Einfluss auf die Gesamtbewertung der Arbeitsumgebung. Die Möbilierung ist jedoch nur ein Aspekt unter vielen, die aufeinander abgestimmt werden müssen.
Die unbezahlte Arbeit war 2017 408 Milliarden Franken wert.
Sitzungszimmer
7. Je mehr Automation, desto geringer der Energieverbrauch und desto besser die InnenraumbedingungenIn der Praxis ist Gebäudeautomation sowohl für den Komfort als auch den Energieverbrauch häufig kontraproduktiv. Schlecht platzierte Sensoren können eine Ursache sein. Zudem ist für Mitarbeiter die Kontrolle über die eigene Arbeitsplatzumgebung sehr wichtig. Denn je höher das Ausmass der Kontrolle ist, umso eher kann der Arbeitsplatz den individuellen Bedürfnissen angepasst werden.
8. Pflanzen im Büro sind teuer und bringen nichtsPflanzen in Büros werden oft aus Kostengründen abgelehnt. Dabei belegen wissenschaftliche Befunde, dass Pflanzen eine positive Wirkung auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Arbeitsleistung der Mitarbeiter haben.
9. Die Generation Y ist ganz anders und will ganz anders arbeitenDurch prägende kollektive Ereignisse für bestimmte Geburtsperioden werden wir in Generationen unterteilt. Diese Einteilung ist schwierig, da sozio-ökonomische, politische und kulturelle Prozesse eher evolutionär als sprunghaft verlaufen. Studien zeigen dabei, dass Generationsunterschiede sehr klein sind. Es gibt kaum wissenschaftliche Evidenz zum Zusammenhang zwischen Generationen und Wahrnehmung und Bewertung von Büros.
10. Ins Büro kommt man um zu arbeiten, nicht um Pausen zu machen oder um zu schlafenSchon lange ist bekannt, dass Pausen für die Aufrechterhaltung der Leistung elementar sind. Dabei sind häufige Kurzpausen günstiger als wenige längere Pausen. Zudem zeigen Forschungsbefunde, dass Powernapping im Büro positive Wirkungen auf Erholung und Arbeitsleistung hat. Die ideale Dauer von Schlafpausen liegt bei 10 bis 30 Minuten und erfordert eine entsprechende Umgebung.
1 / 11
RMS
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

Werbung