Wie Schweizer Musiker heute gutes Geld verdienen:Nur eine kleine Minderheit der Musikschaffenden profitiert auch wirtschaftlich. Experten schätzen, dass in der Branche knapp ein Dutzend Künstler gut von der Musik leben können. Mit dem Rückgang der CD-Verkäufe verkam den meisten die wichtigste Einnahmequelle zu einem Rinnsal. RMS Im Rekordjahr 2000 wurden in der Schweiz 19,6 Millionen CDs verkauft. 2015 waren es noch 3,6 Millionen. An jeder verkauften CD verdienen die Musiker, sofern sie die Stücke selber komponiert haben, rund 10 Prozent des Verkaufspreises, also zwischen 2,50 und 3 Franken. Bei den Downloads ist der Verdienst leicht tiefer. RMS Doch wer heute Musik hören will, der streamt. Die Musikverwertungsgesellschaft Suisa geht für Schweizer Komponisten von einem ungefähren Durchschnittsumsatz von 0,0018 Franken pro gestreamten Song aus. Je nach Deal zwischen Label und Komponist schaut mehr oder weniger heraus. RMS Zu den besten Zeiten konnten sich die Bands nach der Albumaufnahme zurücklehnen und die Kasse klingeln lassen. Heute geht nach dem Studio die Arbeit erst richtig los. Früher waren Konzerte eine Art Zugabe, heute spielen die Musiker das ganze Jahr durch. Wer dann auf der eigenen Tour nicht in vollen Clubs und Sälen spielt, zahlt oftmals drauf. Mittelgrosse Acts zahlen ihren Livemusikern um die 400 Franken pro Auftritt. RMS Die Musikproduktionsfirma HitMill, hinter der die drei Partner Georg Schlunegger, Roman Camenzind und Fred Herrmann stehen, nehmen neu auch Künstler unter Vertrag. Camenzind: «Ein Album aufzunehmen, zu gestalten und zu promoten, kostet um die 100'000 Franken. Weil die Labels dieses Risiko immer seltener eingehen, übernehmen wir nun das Gesamtpaket.» RMS Eine schöne Nebeneinkunft sind die Tantiemen. Radios, Konzertveranstalter, Clubbetreiber, Download-Plattformen und Streaming-Portale müssen sie den Verwertungsgesellschaften, allen voran der Suisa, abgeben. Die behält 12 Prozent und zahlt den Rest den Komponisten aus. Es heisst, dass der Sänger Charles Aznavour («La Bohème») Schweizer Tantiemen-König ist. Der 92-jährige Franzose, der seit einiger Zeit in Genf lebt, bezieht jedes Jahr über 500'000 Franken an Urheberrechtsentschädigungen. RMS «Captain Of Her Heart», der Welthit von der Zürcher Band Double, gilt aus Tantiemen-Sicht als einträglichster Schweizer Song aller Zeiten. Er schaffte es 1985 in die US-Top-20 und wird noch heute weltweit am Radio gespielt. Co-Verfasser Kurt Maloo, der heute in Hamburg lebt, erhält jedes Quartal einen fünfstelligen Betrag. RMS Der Glarner Produzent Fridolin Walcher, alias Freedo, hat die letzten zwei Jahre mit Hits für die schwedische Sängerin Zara Larsson («Lush Life») und den deutschen Rapper Cro («Traum»; Bild) viel Geld verdient. Die Suisa zahlte ihm für «Traum» gut 200'000 Franken aus. RMS Über die letzten Jahre betrachtet, hat kein Schweizer Künstler mehr Geld verdient als DJ Antoine. In Vierrad-Währung umgerechnet, liege pro Suisa-Abrechnung «zwischen einem Kleinauto und einem Sportwagen» drin. RMS Besonders lukrativ und die wachstumsstärkste Einnahmequelle sind Auftritte an Firmenanlässen. Die Gagen sind bis zu doppelt so hoch wie für Konzerte. Bei DJ Antoine ist jeder vierte Auftritt ein Corporate Gig, er zählt auch Privatanlässe von Neureichen dazu. Seine Gage liegt zwischen 25'000 und 50'000 Franken. RMS Marc Sway erhält laut seinem Manager Hugo Mauchle für einen Firmenauftritt rund 25'000 Franken. «Das Geld teilt er aber mit der sechsköpfigen Band, der Technik, dem Mischer und dem Booking.» RMS Daneben zählen Anna Rossinelli, Seven und Bastian Baker (Bild) zu den beliebtesten Corporate-Acts. Laut Konzertagentur Gadget reicht das Spektrum von 5000 bis 70'000 Franken – je nach Bekanntheit, Formation und Anlass.Bilder: Keystone/ZVG RMS