Das sind die Verbündeten und Gegner von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker:Die Verbündeten:In der Machtmechanik der
EU wird das Europaparlament immer wichtiger. Längst
ist aus dem früher schwach legitimierten Abnickergremium eine entscheidende Instanz geworden. RMS Juncker verfügt in diesem Parlament über eine grosse, tragende Mehrheit (422 zu 250 Stimmen)
und mit Parlamentspräsident Martin Schulz über einen verlässlichen Freund im Tagesgeschäft. Als Hauptkonkurrenten der Europawahl 2014 begegneten sich die beiden ausserordentlich fair und anständig. RMS Ein langjähriger Freund ist der sozialdemokratische luxemburgische Aussenminister Jean
Asselborn, mit dem Juncker längere Zeit in einer Koalition regierte. Die beiden necken sich und halten – auf lëtzebuergesche Art – zusammen. RMS Die Deutschen bremst er hin und wieder aus. Aber anders, als manche Pressekommentare vermuten lassen, ist das Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel freundschaftlich geprägt. Getty Images Mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble ist Juncker in stabiler Kollegialität verbunden – denn Schäuble bleibt ein leidenschaftlicher Europäer.Doch der immerzu umarmende Juncker kann auch anders, vor allem wenn er auf Nationalisten trifft … RMS Die Gegner:So musste der ungarische Premier Viktor Orban, ein erklärter Feind der liberalen Demokratie, vor den Kameras der Weltpresse erleben, wie Juncker ihn mit einem flapsigen Klaps auf die Wange begrüsste: «Hier kommt der Diktator.» Das war seine Form der kleinen Demütigung. RMS Vor Medienleuten kann er seinen Unmut mit einem Wort deutlich machen und dann schweigend abtreten. «Er vergisst nie», sagte einmal ein Mitarbeiter aus seinem Stab. Auf seiner Merkliste stehen die Angriffe der britischen «Sun» und der Schweizer «Weltwoche», die ihn 2014 während des Wahlkampfes mit Falschbehauptungen in die Nazi-Ecke stellten. «Junckers Vater kämpfte für Hitler im Zweiten Weltkrieg», behauptete die «Sun» und verdrehte damit die Geschichte des zwangsrekrutierten Wehrmachtsopfers. RMS «Weltwoche»-Chef Roger Köppel bildete Juncker auf dem Cover in einer Reihe mit Mussolini und Hitler ab und verstieg sich zur absurden These, die EU sei ein spätes Resultat von Hitlers Grossmachtstreben: «Die EU der Waffen-SS.» In dem Heft wurde Juncker als Teil einer Jesuiten-Viererbande dargestellt. «Er war fassungslos», erzählt ein Mitarbeiter, als Juncker die Hetze aus der Mottenkiste ewiggestriger Verschwörungstheoretiker sah. RMS Hetzkampagnen gegen ihn wurden auch schon von Nationalisten wie Marine Le Pen … RMS … und Nigel Farage angezettelt. Dennoch pflegt Juncker seine Gegnerschaft nicht mit Absolutheitsanspruch. RMS So beendete er 2011 ein hartes Streitgespräch mit dem SVP-Strategen Christoph Blocher in freundlicher Atmosphäre.
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