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Das Essen zum Wein

รœber dem bestsortierten Weinkeller des Tessins gibt es auch ein Restaurant: Da servieren Ruth und Rocco Montereale die Speisen, die mit den edlen Tropfen die beste Mariage eingehen.

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ยซWein ist mein Lebenยป, gesteht Rocco Montereale, und man glaubt dem gestandenen Restaurateur den pathetischen Satz sofort. Denn bevor der Gast das Ristorante Conca Bella in Vacallo oberhalb von Chiasso betritt, paradiert er im Untergeschoss am Weinkeller vorbei. Nicht an irgendeinem Weinkeller, sondern am schรถnsten und bestsortierten des Tessins und an einem der interessantesten der Schweiz.
Seit einem gelungenen Umbau lagern da die รถnologischen Schรคtze klimatisiert hinter einer grosszรผgigen Glasvitrine. Wer die Flaschen in Augenschein nehmen will, genehmigt sich im kรผhlen Raum einen Aperitif und wandelt von den Italienern zu den Spaniern, bestaunt die grossen Bordeaux und Burgunder, macht einen Abstecher zu den besten Tessinern und รผberlegt sich, wer denn all diese Trouvaillen, in verschiedenen Jahrgรคngen archiviert und in den unterschiedlichsten Flaschenformaten, trinken soll. Er รผberschlรคgt sein Budget und seine Trinkfestigkeit, bedenkt, dass angesichts der moderaten Kalkulation mehr als eine Flasche drinliegt und entschliesst sich zum Schluss vielleicht gar fรผr ein Zimmer fรผr die Nacht, damit der Weingenuss nicht in eine gefรคhrliche Promillefahrt mรผndet.
So sehr Rocco Montereale seine Gewรคchse liebt, so sehr weiss er aber auch, dass der Wein ohne ein passendes Essen wie verwaist wirkt. Und dass lรคngst nicht alle Speisen sich mit allen Weinen gut vertragen. Neugierig beteiligt er sich deshalb mit anderen hochkarรคtigen Berufskollegen an einem periodischen Degustations-Workshop, wo unter der Schirmherrschaft und Federfรผhrung des Waadtlรคnder Winzer-Doyens Louis-Philippe Bovard und des Sternekochs Andrรฉ Jรคger gleichsam wissenschaftlich-akribisch die Kombinierbarkeit von Weinen mit bestimmten Basisprodukten, mit Speisen beziehungsweise ihrer unterschiedlichen Zubereitung getestet wird.

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Die letzte derartige Suche nach gelungenen รถnogastronomischen Mariages fand im ยซConca Bellaยป statt. Rocco Montereale servierte in der Enoteca zu ausgesuchten Weinen Hรคppchen seines Kochs Ambrogio Stefanetti und liess die versammelte Runde รผber die Geglรผcktheit der Verbindung diskutieren. Stefanetti kocht mit drei Angestellten ein Geschoss hรถher in einer Kรผche, die Montereale in den 17 Jahren seines Tessiner Engagements systematisch verbesserte, vergrรถsserte und modernisierte.
Montereale ist ein Patron der alten Schule, diskret, zurรผckhaltend, verbindlich. Seine prรคgenden Jahre erlebte der gebรผrtige Italiener aus der Basilicata als Maรฎtre-dโ€™Hรดtel im Luzerner ยซPalaceยป. Dort lernte er seine Berner Frau Ruth kennen und รผbersiedelte spรคter ins Sottoceneri, nachdem die beiden in der Innerschweiz vergeblich nach einem geeigneten Lokal gesucht hatten. In Vacallo bietet er nun den klassisch italienischen Service. Die Kellner sind schwarz livriert, das Intรฉrieur besitzt die konservative Eleganz einer ritualisierten Italianitร . Montereale lรคsst seinem Chefkoch freie Hand, korrigiert hรถchstens einmal einen Ausrutscher. Er tut gut daran, denn Ambrogio Stefanetti beherrscht sein Metier. Das Handwerk eignete er sich in Martin Dalsassโ€™ Santabbondio an. Stefanetti kocht eine exemplarisch mediterrane, italienische Kรผche, unaufdringlich, unbeschwert und belรคsst den nicht รผberkandidelten Gerichten ihren natรผrlichen Geschmack. Fisch- wie Fleischgรคnge sind gleichermassen รผberzeugend, und die Pasta-Variationen โ€“ die festen, schmackhaften Gnocchi aus speziellen umbrischen Kartoffeln, die Fettucine, die Risotti โ€“ lohnen den Umweg รผber den unscheinbaren Hauptplatz von Vacallo. Sofern dafรผr Rocco Montereales Weinkarte nicht schon lรคngst Grund genug ist.

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Albergo-Ristorante Conca Bella
Rocco Montereale
Ambrogio Stefanetti
6833 Vacallo, Tel. 091/697 50 40
Fax 091/683 74 29
16 ยซGault Millauยป-Punkte
sonntags und montags geschlossen
17 Hotelzimmer.

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