Ende des letzten Jahres konnten die eidgenΓΆssischen Statistiker Uhrenexporte von 21,4 Milliarden Franken vermelden. Davon entfielen allein auf Armbanduhren 20,2 Milliarden Franken. GegenΓΌber dem bereits exzellenten Jahr 2011 liess sich trotz temporΓ€rer SchwΓ€chephasen (September und November) ein Plus von 10,9 Prozent oder 2,1 Milliarden Franken notieren (Armbanduhren plus 11,5 Prozent). Allerdings: Die StΓΌckzahlen reduzierten sich um 2,2 Prozent oder 640000 Exemplare auf 29,1 Millionen Uhren. Daraus errechnet sich ein Ex-Factory-Durchschnittspreis von 693 Franken pro Uhr gegenΓΌber 606 Franken im Vorjahr.
Im oft nicht einfachen wirtschaftlichen Umfeld und konfrontiert mit der Situation, dass es bei den Uhrenfirmen wie bei deren Zulieferern an Fachpersonal mangelt, ist es der hinter Pharma/Chemie und Maschinen drittwichtigsten Schweizer Exportindustrie insgesamt 2012 gut ergangen. Β«Die Ausgangslage fΓΌr kΓΌnftiges Wachstum ist robust und lΓ€sst den Blick in die Zukunft optimistisch ausfallenΒ», schreibt das Komitee der 400 wichtigsten Schweizer Aussteller der Β«BaselWorldΒ» (25. April bis 2. Mai 2013). Um gleich allerdings ein Aber anzuhΓ€ngen: Der HΓΆhenflug wie 2011 sei dauerhaft nicht durchzuhalten, im zweiten Halbjahr 2012 habe sich denn auch die Entwicklung verlangsamt. Das sei keineswegs negativ, will auch der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH wissen. Da und dort kΓΆnnen LieferrΓΌckstΓ€nde von Monaten oder mehr als einem Jahr abgebaut werden.
Die im Vorjahresvergleich nach unten korrigierten Exportzahlen der ersten beiden Monate dieses Jahres bei den Fertiguhren erstaunen deshalb nicht. Nach einem guten Januar (plus 12,3 Prozent) sorgte der Februar fΓΌr eine ZΓ€sur (minus 2,0 Prozent). Nach dem ersten Sechstel des Jahres liegen die Exporte der Fertiguhren und der Werke damit mit 3,086 Milliarden Franken Β«nur nochΒ» 3,6 Prozent ΓΌber dem vergleichbaren Vorjahr (Uhren plus 4,6 Prozent, Werke minus 17,0 Prozent). Der gemeldete RΓΌckgang betrifft hauptsΓ€chlich Uhren bis zu 200 Franken Exportpreis.
Zu beachten, aber vorlΓ€ufig keineswegs zu dramatisieren, ist der Nachfrageeinbruch in Hongkong, dem wichtigsten Abnehmer, mit einem Vorjahresminus von 9,8 Prozent auf 610 Millionen Franken und von China mit 23 Prozent auf 207 Millionen Franken im Januar und Februar. Schuld tragen nicht zuletzt die verΓ€nderten politischen Gegebenheiten (neue Administration, Werbeverbot fΓΌr Luxusprodukte) im Reich der Mitte. Anderseits sind es genau Chinesen β nΓ€mlich ihre Touristinnen und Touristen β, die ihrer Reiselust frΓΆnend in der Β«Alten WeltΒ» fΓΌr steigende UhrenkΓ€ufe sorgen, etwa in Deutschland (plus 31 Prozent), in Italien (plus 20,3 Prozent) oder in Grossbritannien (plus 41,8 Prozent). Weil in der Schweiz hierfΓΌr die Detailhandelszahlen nicht erhoben werden, muss angenommen werden, dass auch in Luzern, Interlaken und Genf nach wie vor Β«geshopptΒ» wird, die Spitzenzahlen des Jahres 2011 aber nicht mehr erreicht werden.
Das bringt Nick Hayek nicht aus der Fassung. Der Swatch-Konzernchef prophezeit der Uhrenindustrie fΓΌr das laufende Jahr 5 bis 10 Prozent Wachstum. Seine Swatch Group soll selbstverstΓ€ndlich besser abschneiden. 2012 setzte sie 8,143 Milliarden Franken um. Bei einem Betriebsgewinn von 1,984 Milliarden Franken β 25,4 Prozent des Umsatzes β konnten sich die Bieler das neueste Gruppenmitglied Harry Winston deshalb sozusagen aus der Portokasse leisten.