Er ist bereits der mächtigste Politiker Serbiens: Über seine Partei SNS kontrolliert Aleksandar Vucic fast den ganzen Staat, er überwacht die Geheimdienste und beherrscht die Medienlandschaft nach Belieben. Sieben Monate nach Beginn seiner zweiten Amtszeit als Regierungschef ist der 47-Jährige nun zum Präsidenten des Balkanlandes gewählt worden - mit absoluter Mehrheit.
Seine Karriere konnte Vucic mit Unterstützung wichtiger ausländischer Politiker hinlegen. Russlands Putin favorisiert ihn offen, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel lud ihn in der heissen Phase des Wahlkampfs zum Abendessen nach Berlin. Beiden dankte Vucic nach seinem Wahlsieg.
Klarer Sieg
Vucic erhielt nach Auszählung fast aller Stimmen 55,1 Prozent und muss damit nicht mehr in die Stichwahl. Auf ein Ergebnis im zweistelligen Bereich kommt ausser ihm nur der Oppositionskandidat Sasa Jankovic. Er erreicht 16,72 Prozent.
Alle anderen Bewerber bleiben im einstelligen Bereich. An der Abstimmung beteiligten sich allerdings nur rund 54 Prozent der 6,7 Millionen Wahlberechtigten.
Vucic feiert seinen Erfolg: «Hauptsache ein klarer Sieg, und dass der Vorsprung nicht knapp ist», sagt er. Der Zweitplatzierte Jankovic erklärt: «Unter fairen Bedingungen, bei einem fairen Wahlkampf, bei fairem Zugang zu den Medien und fairer Finanzierung hätte ich auch als erster gratuliert.»
Das Mass aller politischen Dinge
Die Wahl wurde mit nur einem Monat Vorlauf angesetzt, die Oppositionskandidaten mussten in dem Zeitraum erst die für eine Kandidatur notwendigen 10'000 Unterschriften sammeln. Die staatliche Wahlkommission wird mit 12 von 17 Mitgliedern von Vucics Regierung beherrscht.
Weder Feind noch Freund bestreiten also, dass Vucic das Mass aller politischen Dinge in Serbien ist. Die Wähler trauten dem 47-Jährigen jedenfalls trotz vieler gebrochener Versprechen und der drastischen Kürzung von Renten und Gehältern im Öffentlichen Dienst zu, Serbien aus der tiefen wirtschaftlichen und sozialen Krise zu führen.
Eine beliebte These lautet, nur ein starker Führer könne Serbien modernisieren. Folgerichtig betrachtet Vucic auch Russlands Präsidenten Wladimir Putin oder Ungarns Regierungschef Viktor Orban als Vorbilder.
Jetzt ist der Berufspolitiker, der sich in einem Vierteljahrhundert als Spitzenpolitiker von einem extremen Nationalisten und Extremisten zu einem glühenden Europäer gewandelt haben will, auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Mehr geht einfach nicht.
Wohin steuert Vucic das Land?
Was Vucic mit seinem neuen Posten anfangen wird, ist weniger klar. Beobachter gehen davon aus, dass der 47-Jährige einen ihm ergebenen Strohmann als nominellen Regierungschef einsetzen wird. Dieses Modell, bei dem die tatsächliche politische Macht trotz aller Verfassungsvorschriften ins Amt des Staatspräsidenten wandert, hatte schon sein Vorvorgänger Boris Tadic vorexerziert.
Viele der Versprechungen Vucics jedenfalls lassen noch auf sich warten. Die von ihm versprochenen höheren Löhne von umgerechnet 535 Franken im Monat sind noch in weiter Ferne.
Undemokratische Schachzüge werden durchgelassen
Fehlanzeige herrscht bisher auch bei dem immer wieder angekündigten Kampf gegen die grassierende Korruption - die Bestechung von Politikern und Beamten, der Kauf von Diplomen und Doktortiteln bis zu gross angelegtem Betrug bei öffentlichen Ausschreibungen und bei der Kreditvergabe. Nicht ein führender Politiker oder Banker musste bisher für seine Missetaten geradestehen.
Die zerstrittene und in die Bedeutungslosigkeit gefallene Opposition bemängelt seit Jahren, dass Brüssel und Washington Vucic innenpolitisch alle undemokratischen Schachzüge durchgehen lassen. Als «Gegengeschäft» müsse Vucic im Streit mit dem vor neun Jahren von Serbien abgefallenen und heute selbstständigen Kosovo Zugeständnisse machen.
Doch die Erfüllung dieses Teils der angeblich stillen Abmachung lässt weiter auf sich warten. Trotz jahrelanger Vermittlungsbemühungen der EU sind die Positionen Serbiens und des Kosovos weiter unvereinbar und unüberbrückbar geblieben.
Welche Uhren Merkel, Trump, Putin und Co. tragen, sehen Sie in der Bildergalerie:
Das sind die Uhren der mächtigen Politiker: US-Präsident Donald Trump bekam zur Amtseinführung eine Uhr der Schweizer Marke Vulcain. Die Tradition gilt seit Harry Truman für alle US-Präsidenten. Ob er die Vulcain Cricket auch tragen wird, ist aber noch offen. Der Milliardär besitzt zahlreiche weitere Luxusuhren. RMS Der damalige US-Präsident Barack Obama geht – was die Uhr betrifft – fremd. Er wurde schon mit vielen Modellen gesehen. In den letzten Jahren trug Obama meistens eine Smartwatch von Fitbit für rund 250 Dollar. RMS Noch bescheidener ist die mächtigste Frau der Welt. Angela Merkel trägt eine Uhr der deutschen Lifestyle-Marke Boccia. Die Boccia Titanium gibt es für 89 Euro zu kaufen. RMS Kein Prasser ist auch der griechische Premier Alexis Tsipras. Seine Gc Watch hat ein Schweizer Uhrwerk und gleicht äusserlich einer Omega, ist aber für einige hundert Franken zu haben. RMS Auch der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat ein Flair für Schweizer Uhren. Hier handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Tissot. Dafür spricht zumindest das frühere Beuteschema des Präsidenten. RMS Wladimir Putin soll einen Uhrensammlung im Wert von mehreren hunderttausend Franken besitzen. Die Stücke stammen von Patek Philippe, Breguet oder wie hier auf dem Bild von Blancpain. Dafür musste sich der Präsident mit einem offiziellen Jahreslohn von rund 150'000 Franken schon kritische Fragen anhören. RMS Auch der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte gibt sich gern als Mann des Volkes. Seine Uhrensammlung spricht indes eine andere Sprache. Zu seiner Sammlung gehören die Luxusuhr links, wahrscheinlich von Jaeger-LeCoultre, sowie die Pilotenuhr von IWC (r.). RMS Israels Benjamin Netanjahu hat einen klare Linie – auch was die Armbanduhr betrifft. Die zwei Luminor-Modelle von Panerai sehen beide sehr ähnlich aus. RMS Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist in der Heimat unter anderem wegen seiner Verschwendungssucht unter Beschuss. Die Ulysse Nardin hilft sicher nicht den Ruf loszuwerden. RMS Eher politisch motiviert ist die Wahl von Japans Premier Shinzo Abe. Er trägt immer Modelle der japanischen Firma Seiko. RMS Die Jahre in der Schweiz haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geprägt. Kein Wunder trägt er eine Schweizer Uhr. Überraschend ist indes die Wahl der billigen Movado, die er auf vielen Fotos trägt. Die Movado Moderna kostet nur rund 400 Franken. RMS Die Identifizierung der Politikeruhren ist nicht immer leicht. Die Armbanduhr von Chinas Präsident Xi Jinping ist beispielsweise nur auf sehr wenigen Fotos zu sehen und deshalb kaum zu bestimmen. Ausserdem besteht immer die Möglichkeit, dass es sich um Fälschungen oder billige Lookalikes handelt, solange die Politiker nicht selbst offenlegen, welche Uhr sie tragen. (Disclaimer: Diese Bildergalerie entstand Ende 2016, aktualisiert: 5. Februar 2018.) RMS Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, ist im Besitz einer teuren Uhr: Er trägt eine Longines Dolce Vita. RMS