Das tut dem Bankenplatz Zürich weh! Nach mehr als 100 Jahren kehrt die Bank Vontobel der Stadt mit ihrem Hauptsitz den Rücken. Die 1924 in der Limmatstadt gegründete Bank zieht bis 2030 nach Baar ZG.
Auf einem neuen Campus sollen künftig rund 1500 Mitarbeitende arbeiten. Heute sind diese auf sieben Standorte in Zürich verteilt. Vontobel will sie in Baar unter einem Dach zusammenführen.
Am neuen Standort sind die Steuern deutlich tiefer als in Zürich. Baar gilt als steuergünstigste Gemeinde der Schweiz. Andere grosse Firmen wie das Finanzhaus Partners Group und der Rohstoffkonzern Glencore haben dort ihren Hauptsitz. Dass eine der traditionsreichsten Banken in den Kanton Zug zieht, ist eine zünftige Schlappe für den Wirtschaftsstandort Zürich. Und die ruft jetzt auch die Politik auf den Plan.
Verliert Zürich weiter an Boden?
Sarah Fuchs (38), Martin Huber (48) und Mario Senn (42) – sie sitzen allesamt für die FDP im Zürcher Kantonsrat – wollen vom Regierungsrat wissen, ob Zürich im Steuer- und Standortwettbewerb mit Zug weiter an Boden verliert. Besonders brisant sind aus Sicht der FDP die Steuereinnahmen. Laut der Anfrage an den Regierungsrat, die Blick vorliegt, weist Vontobel für 2025 Steuerzahlungen von über 80 Millionen Franken aus. Diese Einnahmen fehlen nun künftig.
Den Wegzug von Vontobel nimmt die FDP deshalb zum Anlass, die Attraktivität Zürichs als Wirtschaftsstandort kritisch zu hinterfragen. Die Wirtschaftspartei will jetzt Zahlen sehen. «Welche finanziellen Auswirkungen hat die Verlagerung des Hauptsitzes für den Kanton Zürich?», wollen die drei Politiker vom Regierungsrat wissen. Dieser soll unter anderem berechnen, wie gross der Steuerunterschied für Vontobel zwischen Zürich und Baar ist – insbesondere bei Gewinn- und Kapitalsteuern.
Stadt Zürich bleibt gelassen
Die drei FDP-Kantonsräte verlangen zudem Auskunft dazu, wie viele Arbeitsplätze und welche Lohnsumme betroffen sind. Und wie viele Steuereinnahmen von Firmen und Beschäftigten verloren gehen könnten. Und ganz konkret: «Wie gross ist der steuerliche Unterschied zwischen einem Hauptsitz in Zürich und einem Hauptsitz in Baar für ein Unternehmen wie Vontobel?»
Die FDP will des Weiteren wissen, ob hohe Bürokosten, Steuern, Regulierung, Fachkräftemangel oder die Schwierigkeiten bei grossen Bauprojekten den Ausschlag für Baar gegeben haben. Und ob der Kanton die Firmen überhaupt systematisch nach ihren Gründen fragt, wenn sie Zürich verlassen.
Bei der Stadt nimmt man den Wegzug in einer ersten Stellungnahme gelassen. Es sei schade, dass die Bank Vontobel für ihren neuen Campus kein passendes Grundstück in Zürich gefunden habe, sagte Claudia Naegeli, Mediensprecherin des Finanzdepartements der Stadt Zürich, am Montag auf Anfrage von Keystone-SDA. Doch der Entscheid der Bank, das Kundengeschäft am Bleicherweg zu lassen und 300 Mitarbeitende weiterhin dort zu beschäftigen, zeige, «wie wichtig das Zentrum und eine hervorragend ausgebaute Infrastruktur ist». Eine Abwanderungstendenz finanzstarker Unternehmen sieht die Stadt Zürich nicht.