Nachfolger, das ist ein schwieriger Begriff. Denn er zeigt an, dass davor etwas Bemerkenswertes geleistet worden ist – von einem anderen. Bei der Swiss muss sich Thomas Klühr (53) jetzt in die Rolle des Nachfolgers begeben, um sich anschliessend nach und nach davon zu befreien. Klühr sei ein «super Typ», sagen Leute, die mit ihm gearbeitet haben, und ein versierter Aviatiker. Man habe keinen Zweifel daran, dass Klühr zu einem guten, respektierten Chef der Swiss avancieren werde.
Allerdings haben sich für den Nachfolger die Arbeitsgrundlagen etwas geändert. Der Neue wird zwar, wie schon
sein Vorgänger Harry Hohmeister, an den Verwaltungsrat der Swiss berichten. Zugleich wird Harry Hohmeister, der jetzt im Konzernvorstand die Lufthansa-Premiumfluglinien LH Passage, Swiss und Austrian führt, inhaltlich weiter in die Swiss hineinwirken. Anders als Hohmeister zuvor hat Klühr als Swiss-Chef aber keinen Vorstandsposten, formal also weniger Einfluss in der Zentrale.
Er wird also eine Balance finden müssen: zwischen den Zentralisierungsideen der Konzernoberen und den hiesigen Verwaltungsräten und Mitarbeitern. Ausgerechnet der Deutsche Hohmeister hat die Swissness der Swiss dank unternehmerischem Erfolg verteidigen können. Will Klühr Erfolg haben, muss ihm ein ähnlicher Spagat gelingen.
Mitstreiter und Arbeitskollegen
Thomas Klühr gilt als enger Vertrauter von Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr. Dass Spohr mit Klührs Vorgänger Harry Hohmeister keine Freundschaft, sondern eher professioneller Respekt verbindet, sollte für Klühr kein Problem sein; auch sein Draht zu Hohmeister gilt als gut. Die beiden werden sich finden oder zumindest arrangieren müssen – das neue Matrix-Organigramm verlangt von den Beteiligten Hingabe an die Kooperationsprozesse: Klührs Kommerzchef bei der Swiss, Markus Binkert, wird bestimmte Ressorts wie das Preismanagement konzernweit für Swiss, Austrian und Lufthansa führen und in dieser Funktion zudem direkt an Hohmeister berichten. Klühr muss also Richtung Hohmeister und auch Richtung Swiss-Verwaltungsrat arbeiten. Verständigen muss er sich mit Eurowings-Chef
Karl UlrichGarnadt,
der dank günstiger Kostenstruktur wieder in Basel angreifen soll, wo Swiss vor EasyJet zurückweichen musste. Weitere enge Gesprächspartner werden sein:
Kay Kratky, der nun unter Hohmeisters Aufsicht die Austrian Airlines führt, sowie Kratkys Vorgänger bei Austrian,
Jaan Albrecht, Chef der Lufthansa-Ferienflieger-Beteiligung SunExpress.
Als Asset gilt die erfolgreiche Swiss-Schwester Edelweiss unter Bernd Bauer, und der bisherige Swiss-Operating-Chef Rainer Hiltebrand, künftig konzernweit für die Ausbildung der Besatzungen verantwortlich, gilt ebenfalls als loyaler Manager und Kollege.
Die Konkurrenten
Als Chef des Lufthansa-Drehkreuzes München hat Klühr überzeugt – sein Pendant am grössten Drehkreuz Frankfurt, Karl-Rudolf Rupprecht, stieg nicht mehr auf, sondern wechselte 2011 als Ressortleiter Operations zu Lufthansa Cargo, wo er bis heute ist. Im Frühjahr 2014 stand die Nachfolge von Carsten Spohr als Chef des Passagiergeschäfts an; Klühr galt als Kandidat mit besten Chancen. Vorgezogen wurde ihm jedoch Karl Ulrich Garnadt, der inzwischen im Konzernvorstand die Fluglinie Eurowings leitet. Und Mitfavorit Peter Gerber, etwas jünger als Klühr, wurde CEO von Lufthansa Cargo – ein Posten, der als Sprungbrett gilt: Spohr und Garnadt hatten ihn zuvor inne. Klühr blieb vorerst in München. Sein Einsatz für eine dritte Startbahn am dortigen Flughafen lohnte sich nicht; bisher steht ihre Realisierung in den Sternen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte sich hinter einen ablehnenden Bürgerentscheid gestellt, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ist von seiner Zustimmung abgerückt.
Als Swiss-Chef muss Klühr gegen die Golf-Airlines antreten, vor allem gegen
Emirates-Chef
Tim Clark und
James Hogan, Boss der Abu-Dhabi-Airline Etihad. Deren Beteiligung Air Berlin, geführt von
Stefan Pichler, macht zudem Druck am Standort Zürich. Intern bekommt es Klühr mit der Kabinengewerkschaft Kapers unter Präsident
Denny Manimanakis und dem neuen Chef der Pilotengewerkschaft Aeropers,
Lukas Meyer, zu tun.
Das ist das neue Flaggschiff der Swiss, die Boeing 777-300ER:
Das neue Flaggschiff der Swiss ist gelandet. Sie dockte am Gate B38 an. Das sind die ersten Eindrücke: RMS Kurz nach der Landung duschte die Feuerwehr das Flugzeug ab – zur Taufe. RMS Der Flieger wurde von zwei F/a-18 Kampfjets begleitet. RMS Die Flugroute führte über Zermatt und das Berner Oberland – ein kleiner PR-Stunt. RMS Der Blick ins Cockpit. RMS Für Harry Hohmeister (in der Mitte) ist es ein berufliches Highlight: Persönlich reiste der scheidende Swiss-Chef zu Boeing nach Seattle, um die neue Boeing 777-300 ER abzuholen. RMS Hier signieren der Swiss-Chef und sein Geschäftspartner von Boeing das Vertragswerk. RMS So präsentierte sich der Flieger kurz vor dem Jungfernflug. RMS Mit an Bord.... RMS ..Swiss-Chef Harry Hohmeister. RMS Im US-Werk in Everett in der Nähe von Seattle werden insgesamt neun 777-300-ER-Maschinen für die Swiss gebaut. Damit wird die Swiss schrittweise ihre Langstreckenflotte erneuern. Das Kürzel ER steht denn auch für «extended range». RMS Die neuen Flieger sollen die bisher eingesetzten Airbus A340 ersetzen. Erstmals werden Swiss-Passagiere nach dem neuen Sommerflugplan damit etwa nach Los Angeles, Hongkong und Bangkok reisen können. RMS Den Typ 777 von Boeing gibt es seit rund 20 Jahren, das ER-Programm existiert seit etwa 10 Jahren. 46 Tage Arbeit stecken in einem solchen Flugzeug. RMS Allein im vergangenen Jahr haben 98 Boeing 777-300 ER das Werk verlassen. Für dieses Jahr sollen es genauso viele werden.Bilder: Tim Höfinghoff RMS