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TAG Heuer

Von der Madison Avenue hinaus aufs Meer

Es war die Uhr für Abenteuer zwischen Ebbe und Flut: Heute erlebt die Seafarer bei TAG Heuer ihr Revival.

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<p>TAG Heuer präsentiert die Carrera Seafarer an der LVMH Watch Week in Mailand. </p>

TAG Heuer präsentiert die Carrera Seafarer an der LVMH Watch Week in Mailand. 

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20’337 Franken. So viel wurden kürzlich auf der Internetplattform Chrono24 für ein Uhrenmodell namens Seafarer von 1968 aufgerufen. Und für ein Exemplar des Schwestermodells Mareographe aus dem Jahr 1952 waren mit 26’314 rund 6000 Franken mehr fällig.

Die zwei Uhren haben ein paar entscheidende Gemeinsamkeiten: Beide Stücke wurden von der Marke Heuer gebaut, der Vorgängerin von TAG Heuer. Beide sind Gezeitenuhren, sie zeigen also den Zeitpunkt von Ebbe und Flut an. Beide sind von Sammlern gesucht und erzielen mitunter – je nach Baujahr und Kaliber-Bestückung – wesentlich höhere Preise. Und vor allem: Beide Uhren haben dieser Tage einen Nachfolger erhalten, das Modell TAG Heuer Carrera Seafarer.

TAG Heuer präsentierte die Neuheit diese Woche an der LVMH Watch Week in Mailand. Sie hat einen Durchmesser von 42 Millimeter und ist damit etwas grösser als die eingangs erwähnten Stücke (38 sowie 40 Millimeter). Sie nimmt aber stilistisch sowie farblich recht treu die Kernpunkte des Urmodells auf – etwa den bei 9 Uhr platzierten Gezeitenindikator. Angetrieben wird sie vom hauseigenen Kaliber TH20-04, dessen technische Besonderheit eine Gezeiten-Scheibe ist, die in exakt 29,53125 Tagen eine ganze Umdrehung vollzieht. Und wer jetzt bei dieser Zahl ein kleines Déjà-vu hat, liegt natürlich goldrichtig: Durchschnittlich 29,53125 Tage dauert die sogenannte synodische Periode des Mondes, also die Zeit zwischen zwei gleichen Mondphasen. Und der Erdtrabant ist, wie man weiss, ja der Auslöser unserer Tiden. Nebenbei: Uhren mit Mondphasenanzeigen beruhen auf einer ähnlichen Scheibe, die in 29,5 Tagen (oder auch genauer) eine Umdrehung absolviert.

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Mindestens so interessant wie die Technik ist der Stammbaum der Uhr, der auf das Jahr 1949 zurückgeht. Damals gab es in den USA ein Traditionsunternehmen namens Abercrombie & Fitch, welches noch nicht eine Adresse für modische Lifestyle-Klamotten war, sondern ein Geschäft für das, was man heute Outdoor-Artikel nennt – dies für eine wohlbetuchte Klientel, darunter Ernest Hemingway, Theodore Roosevelt und Clark Gable. Angeboten wurden im 1892 gegründeten «Greatest Sporting Goods Store in the World», so die Eigenwerbung, unter anderem Gewehre, Angelruten, Zelte, aber auch reisetaugliche Schweizer Uhren.

Walter Haynes, der damalige Chef des feinen Geschäftes an der Madison Avenue in New York, hatte in Bezug auf Uhren einen Wunsch, den er den Heuer-Verantwortlichen vortrug. Er bestellte eine Uhr, die sich explizit an Segler, Fischer und Yachtbesitzer richtet – eine Armbanduhr also, die nicht nur robust und wasserdicht sein müsse, sondern ihrem Träger überdies einen nautischen Mehrwert biete. Konkret schwebte ihm eine Anzeige der Gezeiten vor, denn für das An- und Ablegen, für das Navigieren in Küstennähe oder beim Sportfischen ist das Wissen um Ebbe und Flut von Bedeutung. 

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Bei der Firma Heuer war an der Entwicklung des entsprechenden Zeitmessers der spätere Patron Jack Heuer beteiligt – er suchte sich für die Berechnung der Gezeiten-Mechanik auch Rat bei einem ehemaligen Physiklehrer. 1949 kam die bei Abercrombie & Fitch kommerzialisierte Seafarer auf den Markt – nicht mit dem Heuer-Logo, sondern einem Abercrombie-&-Fitch-Schriftzug über dem Namen Seafarer. Die von Heuer verkauften Modelle hiessen stattdessen eben Mareographe.

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Nebenbei: Vor ein paar Jahren gab es in Partnerschaft mit der Internetplattform Hodinkee auch eine Seafarer. Doch Hodinkee, die zur Verkaufsplattform mutierte, einst megacooles Internet-Fanzine für Uhren, hat wohl etwas von ihrem Nimbus eingebüsst: Gebraucht sind diese Uhren auf Chrono24 bereits ab 5400 Franken zu haben.

Die neuen dürften dies dereinst wohl locker schlagen. Heute sind frisch ab Manufaktur 8300 Franken dafür fällig.

Steckbrief zur Uhr

Gehäuse: 42 mm, Edelstahl

Wasserdichtigkeit: 100 m

Gangautonomie: 80 h

Komplikationen: Gezeitenanzeige, Chronograph

Preis: 8300 Fr.

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Über die Autoren
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Pierre-André Schmitt
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