Die News sind schnell erzählt: Chronext-Gründer Philipp Man wechselt beim Online-Uhrenhändler nach zehn Jahren vom Chefsessel in den Verwaltungsrat. Das hat Man mit einem überschwänglichen Linkedin-Post bekannt gemacht.
Die Chefrolle übernimmt neu Philippe Roten, der in der Uhrenindustrie zuletzt bei Favre-Leuba Chef war. Ende 2021 hatte er die in Schwierigkeiten steckende Marke, im Besitz des indischen Mischkonzern-Riesen Tata, verlassen. Zuvor war er kurz beim dänischen Luxus-Hifi-Anbieter Bang&Olufsen tätig, nachdem er für TAG Heuer, Hublot und Swatch gearbeitet hatte.
Man gibt sich auf Linkedin überzeugt, dass Roten Chronext «auf das nächste Level und darüber hinaus» bringen wird.
Chronexts Problem: Das Unternehmen konnte relativ schnell wachsen, erkaufte sich dieses aber mit grossen Verlusten. Geld hat Chronext noch keins verdient. Hinzu kommt: Die Konkurrenz im Onlinehandel mit neuen und vor allem mit gebrauchten Uhren ist gigantisch, Chronext dabei ein eher kleiner Fisch.
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Der Neue: Philippe Roten übernimmt bei Chronext.zvg
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Anwalt und Investor Till Spillmann der neue starke Mann?
Chronext wechselt aber nicht bloss den Chef aus. Auch sonst scheint bei dem Unternehmen einiges in Bewegung zu sein. So wurde erste diese Woche eine neue Chronext Group in Zug im Handelsregister eingetragen. In ihr sitzt neben Chef Roten als Präsident mit Einzelunterschrift der in Herriberg wohnhafte Anwalt, Immobilieninvestor und Unternehmer Till Spillmann. Er war Partner bei der Zürcher Wirtschaftskanzleien Bär & Karrer und Niederer Kraft & Frey (NKF)
Derzeit ist er zusammen mit Ex-Kollegen von NKF bei der Immobilien- und Private-Equity-Firma Actium aktiv. Sie ist in diverse E-Commerce-Startups - das bekannteste dürfte die Camper-Sharing-Plattform MyCamper sein - und Gastroketten investiert. Chronext allerdings wird auf der Homepage (noch?) nicht als Investment aufgeführt. Obwohl Spillmann mit seiner Einzelunterschrift der neue starke Mann bei Chronext zu sein scheint.
Marcel Speiser ist Stv. Chefredaktor bei der Handelszeitung und arbeitet seit 1999 im Wirtschaftsjournalismus. Er gilt als Kenner der Uhrenindustrie und der Luxusgüterbranche.