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Zur Lage der Uhrennation Schweiz

«Ich glaube nicht, dass irgendein CEO dieser Industrie noch einen Blindfleck hat»

Oliver Müller, Branchenexperte und Inhaber von LuxeConsult, spricht über das vergangene Jahr und seine Erwartungen für 2026.

Iris Kuhn Spogat

<p>«Unsere Industrie wird langfristig durch wegfallendes Volumen und gleichzeitig steigende Preise geprägt werden», prognostiziert Oliver Müller.</p>

«Unsere Industrie wird langfristig durch wegfallendes Volumen und gleichzeitig steigende Preise geprägt werden», prognostiziert Oliver Müller.

Guillaume Megevand

Herr Müller, wenn Sie die Schweizer Uhrenindustrie Ende 2025 auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen müssten: Wo steht sie – jenseits der offiziellen Erfolgsrhetorik?

Bei 5. Der Markt ist auf seine natürliche Grösse geschrumpft, und es wird sich jetzt zeigen, wer das Zeug hat, bis zum nächsten Aufwind durchzuhalten. Drei Jahre nach Covid war der Markt vergleichbar mit einem Bodybuilder, der es übertrieben hat: aufgeblasen, aber ohne Substanz. 

Ihr Fazit für 2025: Übergang, Wendepunkt – oder?

Definitiv ein Wendepunkt, und wenn es auch viele noch nicht begriffen haben: Diese Industrie befindet sich in einem tiefgehenden Strukturwandel – marketingseitig und industriell. 

Welche Entwicklung wurde und wird in der Branche systematisch unterschätzt – und welche Gefahr verdrängt?

Erstens, dass sich die Preiselastizität nicht bis unendlich hinzieht – auch nicht bei heiss begehrten Luxusgütern. Inzwischen ist die Luft für Preiserhöhungen sehr dünn geworden. Die zweite Entwicklung, die systematisch verdrängt wird, ist die andauernde Volumenreduktion, die es der ganzen Industrie in Zukunft schwer machen wird, Produkte zu realistischen Einstandspreisen herzustellen. Davon ausgenommen sind das Ultra-Luxussegment mit Preisen oberhalb von 100'000 Franken und all jene Marken und Gruppen, die mehr oder weniger alles selber herstellen können.

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Iris Kuhn Spogat
Iris Kuhn-Spogat
Iris Kuhn-Spogat

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