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Ein Uhren-Award für Komplikationen

Am diesjährigen GPHG taucht keine einzige Taucheruhr auf

Bei der Verleihung des Uhren-Oscars 2025 in Genf wurde keine einzige Taucheruhr berücksichtigt. Bedauerlich – und erstaunlich.

Roger Rüegger

<p>Tudor gehört mit neun Auszeichnungen zu den erfolgreichsten Uhrenmarken am GPHG; gleich acht davon wurden seit 2013 an Taucheruhren wie die Pelagos (hier die Pelagos FXD) und die Black Bay vergeben.</p>

Tudor gehört mit neun Auszeichnungen zu den erfolgreichsten Uhrenmarken am GPHG; gleich acht davon wurden seit 2013 an Taucheruhren wie die Pelagos (hier die Pelagos FXD) und die Black Bay vergeben.

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Gestern Abend fand zum 25. Mal die Verleihung des Grand Prix d'Horlogerie de Genève (GPHG) statt. Bereits im Vorfeld der in der Branche reichweitenstärksten Award-Show war klar geworden, dass heuer von den rund zehn eingereichten Taucheruhren keine zu den Preisträgern gehören würde: kein einziges Modell dieser Bauart hatte es auf die Shortlist geschafft.

Zwar ist klar, dass am GPHG seit Beginn die handwerkliche Leistung stärker gewichtet wird als beispielsweise Rekorde bei der Wasserdichtheit. Nichtsdestotrotz verliert damit in diesem Jahr eine der kommerziell relevantesten Uhrengattungen eine wichtige internationale Bühne. Zu berücksichtigen ist dabei sicherlich auch, dass die Teilnahme am GPHG von einer gebührenpflichtigen Einreichung des Herstellers abhängt und Branchengrössen wie Omega, Rolex, Panerai oder Blancpain erst gar nicht unter den insgesamt 302 Einreichungen auftauchen. Jedoch hätten mindestens zwei darunter mehr Aufmerksamkeit seitens der aus einigen Hundert Mitgliedern zusammengesetzten Academy des GPHG verdient.

Tudor Pelagos Ultra

Tudor
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Kein Uhrenhersteller hat am GPHG bislang mehr Preise für seine Taucheruhren erhalten als Tudor. Mit der im Frühjahr lancierten Pelagos Ultra lancierte die Schwestermarke von Rolex nun ein bis 1000 Meter wasserdichtes Spitzenmodell der Pelagos, mit 43 Millimeter grossem Titangehäuse, Heliumventil und variabler Faltschliesse. Dazu gibts ein als Master Chronometer zertifiziertes In-house-Kaliber mit 65 Stunden Gangreserve zu einem Listenpreis von 5500 Franken.

Seiko Prospex Marinemaster

<p>Seiko Marinemaster</p>
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Die bis 600 Meter wasserdichte und auf 600 Stück limitierte «60th Anniversary Limited Edition» der japanischen Uhrenmarke (die erste nichteuropäische, die 2010 am GPHG eine Auszeichnung bekommen hatte), bringt ein innovatives Einschalengehäuse aus Titan, ein neues Inhouse-Kaliber mit 72 Stunden Gangreserve und ein aufwendig gestaltetes Zifferblatt mit Wellenstruktur zu einem Listenpreis von 4900 Franken ans Handgelenk.

Wie die Tudor Pelagos Ultra wurde auch die Seiko Prospex Marinemaster in der Kategorie «Iconic» eingereicht, was angesichts des nur ein paar Monate vorher liegenden Lancierungsdatums beider Modelle vielleicht etwas viel Wunschdenken seitens der Hersteller war. Ebenfalls überraschend: Breitling und Ulysse Nardin haben 2025 komplett auf eine Teilnahme verzichtet. Damit sind die neue Superocean-Kollektion wie auch die thematisch durchaus chancenreiche Diver [Air] mit ultra-skelettiertem Werk erst gar nicht vor die Mitglieder der Academy gekommen. 

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Die erste Taucheruhr, die am GPHG einen Preis holte, war übrigens die Panerai Luminor Submersible 2500M im Jahr 2004 in der Kategorie «Sports Watch»; ein Jahr davor hatte es die Capeland S XXL 1000m von Baume et Mercier immerhin als erste Taucheruhr in der Geschichte des Awards auf die Shortlist geschafft. Ebenfalls eine Shortlist-Platzierung erreichte Jaeger-LeCoultre 2008 mit der Master Compressor Diving Pro Geographic. Ein Jahr später erhielt endlich wieder eine Uhr mit Drehring eine Trophäe am GPHG, und zwar in Form der damals 550’000 Franken teuren Richard Mille RM025 in der Kategorie «Sports Watch». Tudors Rekordstrecke am GPHG begann 2013 mit der Black Bay, die in der Kategorie «Revelation» ausgezeichnet wurde, zwei Jahre später erhielt die Tudor Pelagos den Award in der Kategorie «Sports Watch». Für die Black Bay in Bronze gab es 2016 dann noch die Auszeichnung in der Kategorie «Petite Aiguille», während Eberhard mit der Scafograph 300 in der Kategorie «Sports Watch» reüssierte. 

Den vorerst letzten Preis in derselben Kategorie holte Seiko im Jahr 2018 mit der Prospex 1968 Diver’s Re-creation, im Folgejahr wurde die Kategorie in «Diver's Watch» umbenannt, mit der Seiko Prospex LX als ersten Preisträgerin. Gleich drei Taucheruhren wurden am GPHG im Jahr 2020 ausgezeichnet: die Superocean Automatic 48 von Breitling in der Kategorie «Diver's Watch», die Superocean Heritage '57 Limited Edition II in der Kategorie «Petite Aiguille», und die Black Bay Fifty-Eight von Tudor erhielt den «Challenge Award». Umgekehrt ging die Auszeichnung für die «Petite Aiguille» im Jahr 2021 an die Black Bay in Keramik, die Tambour Street Diver Skyline Blue von Louis Vuitton gewann dafür in der «Diver's Watch»-Kategorie. Tudor holte sich dann auch noch diesen Titel mit der Pelagos FXD im Jahr 2022, und bereits 2023 wurde die Kategorie wieder in «Sports Watch» umbenannt – diese Trophäe ging prompt an Tudor für die Pelagos 39. Letztes Jahr schaffte dies Ming mit der 37.09 Bluefin.

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<p>Die Ausstellung am 25. Grand Prix d'Horlogerie de Genève.</p>

Die Ausstellung am 25. Grand Prix d'Horlogerie de Genève.

ZVG
<p>Die Ausstellung am 25. Grand Prix d'Horlogerie de Genève.</p>

Die Ausstellung am 25. Grand Prix d'Horlogerie de Genève.

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Wer die 90 nominierten Uhren des diesjährigen GPHG sehen möchte: Bis am 16. November ist die mehr als empfehlenswerte Ausstellung im Musée d’Art et d’Histoire in Genf noch geöffnet. Die komplette Liste der diesjährigen Gewinner gibts unter www.gphg.org.

Über die Autoren
Roger Rüegger
Roger Rüegger
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