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«Cash wird vernichtet»

Gilles Grapinet, Chef von Europas grösstem Zahlungs­abwickler, erklärt, wie wir in ­Zukunft zahlen und ­warum er vor Apple ­und Co. keine Angst hat.

Erich Gerbl

Gilles Grapinet, Chef von Europas grösstem Zahlungsabwickler Worldline

Auf dem Vormarsch: Gilles Grapinet hält Grösse für zwingend. Er will die Poleposition im europäischen Zahlungsverkehr durch weitere Zukäufe ausbauen.

Gerry Nitsch für Bilanz

Herr Grapinet, zeigen Sie mir Ihr Portemonnaie? Wie viel Franken haben sie bar dabei?
Keinen einzigen. Ich versuche, keinerlei Bargeld bei mir zu haben. Ausnahmen mache ich nur, wenn ich im Ausland Geldautomaten ausprobiere, um zu sehen, was sie im Vergleich zu unseren Produkten können. Zu Hause habe ich eine Schublade, in der ich die ganzen ausländischen Banknoten bunkere. Da bleiben sie wohl, bis sie wertlos sind.

Wie lange wird es noch Bargeld geben?
Sicher noch einige Dekaden. Die Menschen haben Vertrauen in Bargeld. Aber ab einem bestimmten Punkt wird es weniger Probleme lösen, als es schafft. Cash wird zu einem Ärgernis für Konsumenten und Händler. Vielleicht passiert es in unserer Generation, vielleicht erst in der nächsten. Aber Medien werden darüber berichten, dass wir in einer bargeldlosen Welt leben, davon bin ich überzeugt.

Wie zahlen wir in Zukunft?
Die Zahlungsindustrie löst ein sehr altes menschliches Problem: Wie kann ich Werte zwischen zwei Parteien, die sich heute nicht einmal kennen, günstig, sicher und schnell transferieren? Eine Zahlung ist nichts anderes als der Transfer von Werten, denen man vertrauen kann. Dieses Vertrauen ist die Säule, auf der unsere gesamte Gesellschaft steht. Die Frage ist, wie man in einer komplett digitalisierten Zukunft das Vertrauensproblem gesamtheitlich löst. Heute stellen wir das Vertrauen mit ziemlich altmodischen Systemen wie PIN-Codes her. Die sind eine Art Geheimnis, das nur Sie kennen. Dazu haben wir noch Vehikel mit verschlüsselten numerischen Signaturen wie Bankkarten. In Zukunft zahlt man sehr wahrscheinlich mit seiner biometrisch abgesicherten Identität.

Über die Autoren
Erich Gerbl
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