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Immobilienexperte Urs Hausmann über künftiges Wohnen in der Stadt, Lebensqualität in der City und die gefühlte Sicherheit als Standortkriterium.
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BILANZ: Herr Hausmann, in den letzten Jahren sind die Schweizer Grossstädte wieder gewachsen. Hält der Trend an?
Urs Hausmann: Am stärksten wächst die Bevölkerung immer noch in Gemeinden im zweiten Agglomerationsring um die Gross- städte, im Zürcher Einzugsgebiet etwa in Dielsdorf, Horgen oder Bonstetten. Daneben haben aller- dings die Schweizer Grossstädte, jüngst auch Basel wieder, an Einwohnern zugelegt. Dieser Trend setzt sich fort.
Was begünstigt das City-Revival?
Es sind zwei Gründe. Erstens suchen berufstätige Menschen vermehrt die Nähe zu ihren Dienstleistungs-Arbeitsplätzen, die heute mehrheitlich in der Stadt angeboten werden. Zum Zweiten werden in Städten vermehrt Eigentumswohnungen errichtet – eine begehrte Wohn- und Anlage- form nicht zuletzt für Leute, die im Alter weniger auf Gartenarbeit und Hausunterhalt erpicht sind, sondern die Nähe von städtischen Spitex-Einrichtungen suchen.
Oft wird propagiert, dass Städte nur noch in die Höhe wachsen könnten, Wohntürme seien die einzige Möglichkeit, neue Einwohner aufzunehmen.
Das sehe ich nicht so. Wohntürme sind nicht die Lösung. Man kann
anders und günstiger verdichten als mit Hochhäusern, die im Bau teurer sind als konventionelle Häuser. Als relevantere Entwick- lung beobachte ich, dass in Städ- ten vermehrt unternutzte alte Häuser abgerissen werden. Da- nach werden auf derselben Fläche neue Häuser mit besserer Ausnut- zung errichtet.
Ändern sich städtische Lebensqualitätskriterien im Lauf der Zeit?
Davon gehe ich aus. Faktoren, die in der Vergangenheit selbstver- ständlich waren und heute nicht mehr sind, können an Relevanz gewinnen. Zum Beispiel die gefühlte Sicherheit, die tatsächli- che Kriminalitätsrate, die Sauber- keit. Standorte, die Sicherheit und Sauberkeit bieten, werden an Wertschätzung zulegen.
Eine wachsende Bevölkerungs- zahl gilt im Ranking als Erfolgs- merkmal. Machen mehr Ein- wohner nicht die Räume eng?
Unsere Arbeitshypothese lautet, dass eine steigende Bevölkerungs- zahl ein Indiz ist für einen interes- santen Standort. Oder im Umkehr- schluss: Schrumpft eine Stadt, kann das ein Zeichen für man- gelnde Attraktivität sein.
Steigert eine wachsende Anzahl Einwohner die Lebens- qualität wirklich?
Positiv interpretiert ergibt sich aus einer höheren Einwohnerzahl ein optimiertes Kontaktpotenzial, aber es macht natürlich auch die Räume enger. Das erfassen wir im Kriterium Erholung, wo die Anzahl Einwohner pro Hektare berechnet und bewertet wird.
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