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Nachhaltigkeit

Wie LafargeHolcim seine Umweltbilanz poliert

LafargeHolcim emittiert mehr als vier Mal so viel CO2 wie die ganze Schweiz. Um die Belastung zu reduzieren, setzt der Zementriese auf Recycling von IndustriemΓΌll - doch nicht aus Liebe zur Natur.

Marc Iseli Handelszeitung

Marc Iseli

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Der Zementkonzern LafargeHolcim verbrennt AbfΓ€lle aus Vietnams Textilfabriken, um seine Umweltbilanz zu polieren. Ein industrieller Textilschredder wird derzeit nach SΓΌdostasien verschifft, nachdem er erfolgreich in Γ–sterreich getestet wurde. Die Anlage soll im September den Betrieb aufnehmen.

Der Schredder ist Teil von LafargeHolcims Ressourcenstrategie. Fossile Energie wie Kohle und ErdΓΆl sollen zunehmend durch alternative EnergietrΓ€ger ersetzt werden. Β«Zu diesen alternativen Brennstoffen gehΓΆren zum Beispiel HausmΓΌll, Altreifen, aber auch viele weitere AbfΓ€lle wie eben Schuhe oder nicht mehr nutzbare pharmazeutische ErzeugnisseΒ», erklΓ€rt Pressesprecher Eike Christian Meuter. Selbst diese kΓΆnnten aufgrund der Vorbehandlung und der hohen Temperaturen im Drehofen eines Zementwerks sicher und rΓΌckstandsfrei entsorgt werden.

Thermische Energie aus Abfall

Das Prinzip dahinter heisst Β«Co-ProcessingΒ». Die Idee: IndustrieabfΓ€lle werden in thermische Energie fΓΌr die Zementproduktion umgemΓΌnzt. Das senkt den CO2-Ausstoss, fΓΆrdert alternative Energien, schont Ressourcen, bietet ein sinnvolles Abfall-Entsorgungssystem und schafft neue ArbeitsplΓ€tze in nachhaltigen Nischen.

2014 verarbeitete Holcim auf diese Weise 75 Millionen Tonnen IndustriemΓΌll und versorgte 14 Prozent der weltweiten Zementproduktion mit der nΓΆtigen Energie. Das Unternehmen ist aber noch nicht zufrieden und hat sich ambitiΓΆse Ziele gesetzt: Der Anteil alternativer Energie soll bis 2020 auf 20 Prozent steigen. Die Menge verarbeiteter AbfΓ€lle sollte bis 2030 auf bis zu eine Milliarde Tonnen ansteigen.

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Fusion beeinflusst Umweltstrategie

Das war vor der Fusion mit Lafarge. Derzeit ist noch unklar, wie der Zusammenschluss die Ressourcenstrategie durcheinanderwirbelt. Pressesprecher Meuter schreibt: Β«Die Teams entwickeln zur Zeit genaue Umweltziele und -strategien fΓΌr den gemeinsamen Konzern.Β» Gleichzeitig versichert er aber, dass auch die neue FΓΌhrung bestrebt sei, Β«die Auswirkungen auf die Umwelt soweit als mΓΆglich zu reduzierenΒ».

Das ist kein Lippenbekenntnis, sagt Simon Zeller von der Umweltstiftung Pusch. Der an der UniversitΓ€t ZΓΌrich ausgebildete Umweltwissenschaftler beobachtet die Branche seit einigen Jahren. Die beiden Zementfirmen Lafarge und Holcim, sagt Zeller, hΓ€tten in den letzten zwei Jahrzehnten bereits viel erreicht. Was die Fusion nun bringt, sei schwer abzuschΓ€tzen, ein Richtungswechsel stehe jedenfalls nicht an, so der Experte.

Umweltfreundlichkeit lohnt sich

LafargeHolcim arbeitet nicht aus Liebe zur Natur an einer neuen Umweltstrategie. Der Konzern hat handefeste, finanzielle Interessen. Energiekosten sind, erstens, konzernweit verantwortlich fΓΌr einen Zehntel der Herstellungskosten. Und obschon die Γ–lpreise derzeit ins Bodenlose stΓΌrzen, werden sie in wenigen Jahren wieder neue HΓΆchstwerte erklimmen, weil die Nachfrage steigen wird. Das bedeutet fΓΌr den Konzern Mehrkosten, sofern er keine alternativen, gΓΌnstigeren EnergietrΓ€ger findet.

Zweitens: Die Branche ist extrem umweltbelastend. Die Zementindustrie ist weltweit fΓΌr fΓΌnf bis sieben Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. LafargeHolcim emittiert konzernweit mehr als vier Mal so viel CO2 wie die ganze Schweiz. Das sind fast 200 Millionen Tonnen. Um die Umweltbilanz zu verbessern und das Reputationsrisiko mΓΆglichst klein zu halten, wird deshalb seit Jahren versucht, alternative Brennstoffe einzusetzen und den Klinkeranteil im Beton zu senken. Klinker ist der wichtigste Bestandteil von Zement. Die Produktion ist jedoch sehr energieintensiv und entsprechend besonders umweltbelastend.

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Schweizer Werke als Vorbild

Zeller begrΓΌsst die Tatkraft, mit der LafargeHolcim und andere Zementfirmen an einem Substitut fΓΌr fossile Brennstoffe suchen. Lobend erwΓ€hnt er, dass sowohl Holcim als auch Lafarge die CO2-Emissionen seit 1990 um mehr als 20 Prozent reduziert hΓ€tten, dass Lafarge zuletzt ein FΓΌnftel der Energie mittels Alternativbrennstoffe produziert habe.

Im Vergleich zur Schweiz zeigen sich aber die SchwΓ€chen des fusionierten Grosskonzerns: GemΓ€ss dem Branchenverband Cemsuisse hat die Schweizer Zementindustrie ihre CO2-Emissionen seit 1990 um 55 Prozent reduziert. Mehr als die HΓ€lfte der Energie wird aus alternativen Quellen gewonnen. Β«Das ist sehr viel besser als die globalen Zahlen der beiden KonzerneΒ», sagt Zeller. Β«Der neue Konzern sollte sich ruhig ambitionierte Umweltziele setzen und sich dabei an den Werken in der Schweiz orientieren.Β»

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