Die Bankfiliale stirbt einen langsamen Tod. Doch es gibt auch Banken, die sich dem Trend wiedersetzen - in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Was ihr Erfolgsrezept ist.
Bankschalter: In der Schweiz wurde seit 2004 jede zehnte Filiale geschlossen.Keystone RMS
Die Bankfiliale stirbt einen langsamen Tod. Angesichts rekordniedriger Zinsen, die die Erträge vieler Instiute schmälern, und dem Boom beim Online-Banking gibt es immer weniger Zweigstellen - so etwa in der Schweiz aber auch in Deutschland, wo die Anzahl allein im vergangenen Jahr um mehr als 2000 gesunken ist. Doch es gibt auch Banken, die sich dem Trend wiedersetzen.
Dazu zählen die Oberbank, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sowie die Banque CIC Suisse, die zur internationalen Bankengruppe Crédit Mutuel-CIC gehört. Sie alle eröffnen Filialen, während die Konkurrenz aus Kostengründen immer mehr Standorte schliesst.
«Ausbau lohnt sich für uns»
«In der Bewegung gegen den allgemeinen Markttrend fühlen wir uns sehr wohl», sagt Franz Gasselsberger, Generaldirektor der österreichischen Oberbank, gegenüber Bloomberg. «Der Ausbau des Filialnetzes lohnt sich für uns auch im derzeitigen Niedrigzinsumfeld. Seit 25 Jahren entwickelt sich der Jahresüberschuss parallel zur Filialanzahl.»
Im Jahr 1990 erwirtschaftete die Oberbank bei 85 Filialen einen Überschuss vor Steuern von 19,5 Millionen Euro, 2016 waren es bei 159 Filialen bereits 219,1 Millionen Euro. Jetzt plant das Unternehmen acht weitere Eröffnungen - zwei in Deutschland, zwei in Österreich, und jeweils zwei in Tschechien und Ungarn. Bis 2020 soll das Netz auf 175 Standorte anwachsen.
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«Gespräch mit dem Berater ist unersetzlich»
Auch die Deutsche Apotheker- und Ärztebank setzt auf die Filiale. Im vergangenen Jahr kamen bei dem Kreditinstitut drei neue Beratungsbüros in Mainz, München und Frankfurt hinzu, in diesem Jahr folgt Bochum. Derzeit verfügt die Bank über insgesamt 84 Standorte in Deutschland.
«Für unsere Kunden ist und bleibt die Filiale eine wichtige Anlaufstelle», sagt Andreas Onkelbach, Leiter Vertriebsmanagement Privatkunden bei dem Institut aus Düsseldorf. «Die Standardüberweisung erledigen Kunden meistens online. Wenn es aber um eine komplizierte Existenzgründung, die Altersvorsorge oder den Vermögensaufbau geht, dann ist das Gespräch mit dem Berater unersetzlich.»
Fokus auf optimale Dienstleistung
In der Schweiz ist es vor allem die Banque CIC Suisse, die mit ihren Expansionsplänen hervorsticht. Sie will bald in St. Gallen eine neue Geschäftsstelle eröffnen. Neben ihrem Hauptsitz in Basel betreibt sie auch noch Filialen in Zürich, Genf, Lausanne, Neuchâtel, Fribourg, Sion und Lugano.
«Wir verfolgen eine langfristige Strategie», sagt Thomas Müller, CEO der Bank CIC Suisse, gegenüber Bloomberg. «Unser Fokus ist auch heute eine optimale Dienstleistung für unsere Kunden zu einem attraktiven Preis, und nicht das Kostensenken. Aus diesem Grund legen wir vor allem Wert auf allerhöchste Qualität unserer Berater, die unabhängig von der Zins- oder Marktlage unsere Kunden partnerschaftlich begleiten.»
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Von 4200 auf 3100 Niederlassungen in der Schweiz
In der Schweiz wurde seit 2004 jede zehnte Bankfiliale geschlossen. Rund 3100 Niederlassungen gibt es heute – 1993 waren es noch 4200. Dann setzte die Fusionswelle bei den Gross- und Regionalbanken einen Schrumpfungsprozess in Gang, der bis heute anhält. Der Abbau dürfte weitergehen: Eine Studie des Beratungsunternehmens EY zeigt, dass 85 Prozent der befragten Bankinstitute damit rechnen, dass es 2020 in der Schweiz deutlich weniger Bankfilialen als heute geben wird.
Ein ähnliches Bild zeigt sich im nördlichen Nachbarland: Laut Deutscher Bundesbank war die Anzahl der Zweigstellen von Kreditinstituten in Deutschland im vergangenen Jahr um 2019 auf damit 32'026 gesunken. Der rückläufige Trend ist seit langem zu beobachten. Zum Vergleich: 2013 lag die Anzahl den Daten zufolge noch bei 36'196 Filialen.
29 Prozent weniger Filialen bis 2025
Bestes Beispiel für den Trend in der Branche ist die Deutsche Bank. In den Jahren 2015 und 2016 hatte das Kreditinstitut in Deutschland etwas mehr als 720 Filialen einschliesslich der Berliner Bank, aber ohne die Postbank. Ende 2017 werden es nur noch 535 Filialen sein, wie die Bank auf Nachfrage von Bloomberg bestätigte.
Das Tempo der Filialschliessungen bei deutschen Banken und Sparkassen dürfte sich in den nächsten zehn Jahren sogar noch einmal deutlich beschleunigen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der auf den Finanzmarkt spezialisierten Managementberatung Investors Marketing unter mehr als 100 Führungskräften von Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsinstituten, die im vergangenen Monat veröffentlicht wurde. Die Top-Entscheider rechnen demnach mit 29 Prozent weniger Filialen bis 2025.
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Kosteneinsparungen notwendig
Einigkeit herrscht unter den Befragten über die Gründe für den beschleunigten Rückgang. Insbesondere die Regionalbanken müssten massiv Kosten sparen, um die stark rückläufigen Zinsüberschüsse auszugleichen und gleichzeitig die digitalen Kanäle auszubauen, heisst es in der Erhebung.
Auch die Anzahl der Banken in Deutschland werde in den nächsten Jahren wohl weiter zurückgehen. Die Top-Entscheider sehen der Befragung zufolge rund 20 Prozent weniger Banken bis 2025. Nach Statistiken der Deutschen Bundesbank sank die Anzahl der Kreditinstitute 2016 auf 1888, verglichen mit 1960 ein Jahr zuvor.
Gasselsberger von der Oberbank ist sich dennoch sicher: «Unsere Filialexpansion macht Sinn». Sein Unternehmen habe kein überdimensioniertes Netz und führe Filialen nur in wirtschaftlich attraktiven Regionen, in Ballungszentren und Bezirksstädten. Zudem seien reine Abwicklungstätigkeiten in den letzten Jahren aus den Filialen genommen und zentral organisiert worden. «Deshalb sind die neuen Filialen nicht Kostentreiber, sondern Erfolgstreiber.»
(bloomberg/ccr)
Die Schliessfächer-Gebühren der Schweizer Banken im Vergleich:
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Schliessfächer-Gebühren im Vergleich:Die UBS bietet in 250 Geschäftstellen Schliessfächer. Einen 24-Stunden-Zugang gibt es nicht, dafür aber die Möglichkeit eines Schlüsseldepots (100 bis 150 Franken). Ein Schliessfach der Grösse 4,5 x 18 x 37 Zenitmeter kostet am Hauptsitz 100 Franken im Jahr. Der Literpreis der kleinsten Fächer beträgt 33.40 Franken.RMSIn fast allen ihrer Geschäftstellen bietet die Credit Suisse Schliessfächer an. Zehn Kubikdezimeter kosten hier 200 Franken im Jahr. Ein Liter bei den kleinsten Schliessfächern kostet 20 Franken. Einen 24-Stunden-Zugang gibt es nicht, dafür aber für 180 Franken ein Schlüsseldepot.RMSDie ZKB hat in 63 Filialen Schliessfächer, in 21 davon sogar mit 24-Stunden-Zugang. Dafür gibt es allerdings kein Schlüsseldepot. 150 Franken zahlen Kunden im Jahr für ein Schliessfach der Grösse 4,8 x 23,5 x 37 Zentimeter. Der Literpreis der kleinsten Fächer liegt bei 35,90 Franken.RMSEin grosser Vermieter von Schliessfächern ist Valiant. Die Bank stellt 30'300 Fächer in 67 Filialen bereit. Zehn Liter kosten hier 60 Franken im Jahr (Literpreis: 6 Franken). Einen 24-Stunden-Zugang gibt es nicht, ebenso wie die Möglichkeit eines Schlüsseldepots.RMSDie Nidwaldner KB stellt 3545 Schliessfächer in acht Filialen bereit. 70 Franken im Jahr zahlt man hier für ein 6 x 30 x 50 Zentimeter grosses Fach beziehungsweise 7,10 Franken für einen Liter bei den kleinsten Fächern. Für zusätzliche 100 Franken lässt sich hier zudem das Schlüsselproblem mit einem Schlüsseldepot in der Bank lösen. Allerdings muss man sich an die Öffnungszeiten halten, denn einen 24-Stunden-Zugang gibt es nicht.RMSEin Schliessfach der Grösse 3,5 x 23,9 x 34,3 Zentimeter kostet bei der Bank Raiffeisen 100 Franken im Jahr. Der Literpreis der kleinsten Fächer liegt bei 34,80 Franken. Doch wie gross ihr Angebot an Schliessfächern ist, dazu macht die Bank keine Angaben. Es gibt weder einen 24-Stunden-Zugang, noch ein Schlüsseldepot.RMSMit 24'400 Schliessfächern in 38 von 40 Geschäftstellen ist die St. Galler KB gross im Geschäft. Für ein 6 x 30 x 50 Zentimeter grosses Fach zahlen Kunden 70 Franken im Jahr. Je Liter zahlt man 7.10 Franken. Allerdings gibt es keinen 24-Stunden-Zugang und auch kein Schlüsseldepot.RMSDie Schwyzer KB kommt auf insgesamt 13'000 Fächer in 21 von 23 Geschäftstellen. 5 x 25 x 44 Zentimeter Schliessfach kosten hier 60 Franken im Jahr. Umgerechnet je Liter macht das 10.90 Franken. Einen 24-Stunden-Zugang gibt es in der Filiale Altendorf ab Ende November 2016; die Möglichkeit eines Schlüsseldepots gibt es jedoch nicht.RMSAuch die Bank Cop hat 9797 Fächer in 23 Geschäftstellen - inklusive der Möglichkeit eines Schlüsseldepots für 375 Franken. Allerdings müssen sich Kunden hierfür an die Öffnungszeiten halten. Ein Schliessfach von fünf Kubikdezimetern kostet 100 Franken jährlich. 20 Franken zahlen Kunden je Liter.RMSDeutlich darunter liegt mit 8 Franken je Liter der Preis bei der Migros Bank, die 7450 Fächer in 17 von 67 Geschäftsstellen anbietet. Für 80 Franken im Jahr bekommen Kunden ein zehn Kubikzentimeter grosses Fach - müssen sich aber an die Öffnungszeiten halten. Ein Schlüsseldepot gibt es auch nicht.RMSSincona Trading hat 1100 Fächer, die je Liter 37 Franken kosten. 185 Franken zahlen Kunden jährlich für ein 5 x 25 x 40 Zentimeter grosses Fach. Dem Bedürfnis nach ständigem Zugriff trägt auch die Bank Rechnung. Das hat jedoch seinen Preis: Für eine halbe Stunde «Besuchszeit» ausserhalb der Öffnungszeiten werden pauschal 220 Franken verrechnet. Ein Schlüsseldepot gibt es ebenfalls.RMSGemessen am Literpreis der kleinsten Fächer (67.30 Franken) gehört Goldhändler Degussa zu den teuersten Anbietern. Degussa rechtfertigt die Preise mit dem neuesten Sicherheitsstandard. 5,3 x 25,5 x 44 Zentimeter kosten hier 400 Franken im Jahr. Zusätzliche 100 Franken zahlen Kunden für ein Schlüsseldepot. Einen 24-Stunden-Zugang gibt es nicht.
Bilder: KeystoneRMS