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«Wichtig sind für Alibaba in der Schweiz Qualitätsprodukte»

Für Alibaba ist der Schweizer Markt interessant, sagt der Europachef. Terry von Bibra über Erklärungsbedarf in Europa, Schweizer Luxusmarken für China und die Herausforderung in der Logistik.

Karen Merkel-Gyger

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Alibaba-Logo: Der E-Commerce-Riese wirft mittlerweile einen langen Schatten. Getty Images/David Becker

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Terry von Bibra: Der US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln ist Alibabas Mann in Europa. Am Worldwebforum 2018 zeigte er, was der chinesische Riese unter E-Commerce versteht.Karen Merkel
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Terry von Bibra: Der US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln ist Alibabas Mann in Europa. Am Worldwebforum 2018 zeigte er, was der chinesische Riese unter E-Commerce versteht.Karen Merkel
Das Imperium von Alibaba
  • Gegründet von Ex-Englischlehrer Jack Ma im Jahr 1999, zählt Alibaba seit 2017 zu den zehn grössten Unternehmen der Welt. Gemessen am Börsenwert war der chinesische Riese im Dezember 443 Milliarden Dollar schwer, bei einem Jahresumsatz von 543 Milliarden Dollar.
  • Unter dem Dach der Alibaba Gruppe sind gut 25 Töchter versammelt, wichtig dabei das Online-Kaufhaus Tmall, das Ebay-Equivalent Taobao und der Mobile-Payment-Dienst Alipay. Nach Konzernangaben werden auf allen Plattformen von Alibaba rund 1,5 Milliarden Produkte angeboten, die zu 80 Prozent per Smartphone geordert werden.
  • In der Schweiz erreichte die Handelsplattform Aliexpress 2017 Platz acht der beliebtesten Online-Shops, wie eine Auswertung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergab. Die Handelsplattform für Waren aus China, die auf Englisch gehalten ist, setzte demnach 130 Millionen Franken um und überrundete unter anderem Manor, Ochsner Sport und Siroop in Sachen E-Commerce in der Schweiz.
Welche Erkenntnisse hat das bisher gebracht?
Zum Beispiel wenn eine Firma erkennt: Ich habe für den chinesischen Markt die falsche Verpackung. Das Produkt ist beliebt, aber die Verpackung passt für den Zweck dort nicht. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter. Unternehmen können auf die sogenannte «Private Brand Data Bank» zugreifen. Wenn sie bei uns einen Flagshipstore haben, geben wir ihnen Zugriff auf die Daten, welche Nutzer was wann kaufen. Auf die Daten, die ihre Firma betreffen, können nur sie zugreifen und sie zum Beispiel mit denen anderer Nutzer in China oder auch mit eigenen Erhebungen aus der Schweiz vergleichen. Zum Beispiel, was kauft eine Mutter in Peking im Vergleich zu einer in Zürich? Da öffnet sich für viele Firmen eine neue Welt. Wir können diese Daten vor allem auch aufgrund unserer Grösse liefern.

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Wie weit sind Sie in den Auftritt der Marken involviert?
Welche Art von E-Commerce sie dann anbieten wollen, ist ihre Sache. Der Ausgangspunkt ist je nach Firma unterschiedlich. Geht es um eine Firma wie Nestlé, die seit 1874 in China präsent ist? Oder geht es um ein Startup, das noch gar nicht über eine Expansion nach Chinanachgedacht hat, aber dann sieht, dass chinesische Touristen in Zürich ihr Produkt gern kaufen? Je nach Bedarf unterstützen wir beratend.
Bei welchem Produkt war das zuletzt so?
Oft zeigt sich, dass sich ein Produkt sehr gut verkauft, und wir wollen dann mehr Auswahl anbieten. Ein Beispiel gab es zuletzt im Bereich Kosmetik, wo wir gesehen hatten, dass eine sehr hochwertige Gesichtscreme für Frauen gut nachgefragt wird. Da gibt es relativ kleine, aber sehr hochwertige Marken in der Schweiz und anderen Teilen von Europa. Wir waren selbst überrascht über die Grösse der Nachfrage. Die hatte einen solchen Umfang, dass die Firmen Probleme hatten, zu liefern. Da unterstützen wir, soweit wir können, und schauen gleichzeitig, ob wir noch mit vier, fünf anderen Firmen sprechen können, um das Angebot auszubauen. Das Tolle ist, wenn mehrere kleine Firmen als First Mover im Markt sind, ist oft viel gegenseitige Unterstützung da, obwohl sie eigentlich Konkurrenten sind. Sie wollen dann alle gemeinsam erst mal überhaupt in diesen Markt und helfen sich gegenseitig mit ihren Learnings.

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Wie oft ist denn die Skalierung ein Problem? Selbst der Riese Swatch hatte ja teils mit Lieferproblemen zu kämpfen.
Das ist in der Tat eine Herausforderung. Denken Sie zum Beispiel an sehr hochwertige Uhren – die kann man nicht unendlich viel schneller oder mehr davon produzieren. Darum müssen die Firmen langfristig planen. Wir helfen hier auch bei der Prognose für die Nachfrage
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Paketeflut bei Alibaba zum Single's Day, dem grössten E-Commerce-Tag der Welt.Getty Images
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Paketeflut bei Alibaba zum Single's Day, dem grössten E-Commerce-Tag der Welt.Getty Images
Auch wenn Ihr Fokus ein anderer ist: Alibaba beziehungsweise Aliexpress ist laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Nummer acht unter den zehn beliebtesten Online-Shops in der Schweiz, mit einem Umsatz von 130 Millionen Franken. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Wir werden demütig angesichts solcher Entwicklungen. Und natürlich fühlen wir uns dann auch herausgefordert, das Angebot noch zu verbessern. Und so gehen wir da auch vor.
Das heisst, womit können wir für die Schweiz rechnen?
Zunächst einmal müssen wir schauen, welche Produkte in einem Land gefragt sind. Das müssen wir für jedes Land einzeln betrachten. Was wir im Moment sehen, ist, dass es bei der Beliebtheit von Aliexpress darauf ankommt, ob bereits eine starke Alternative etabliert ist. In Deutschland ist das zum Beispiel der Fall. Die Schweiz ist für uns natürlich jetzt interessant, weil offenbar genug Nachfrage da ist, dass es sich für uns lohnt, uns damit zu beschäftigen.

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Inwieweit sehen Sie denn eine Verantwortung, den Paket-Stau zu lindern, den der Online-Handel und bereits jetzt auch Bestellungen über Aliexpress in der Schweiz bewirken?
Unsere Firmenmission ist es, den globalen Handel zu vereinfach. Und eine der Haupthürden hier ist die Logistik. Logistik ist schwierig, komplex und teuer. Alibaba ist kein Logistikunternehmen, sondern wir arbeiten mit Hunderten und Tausenden Partnern zusammen. Das macht es schwieriger für uns zu sagen: Jetzt greifen wir ein. Wir werden in Logistik mehr investieren in der Zukunft, aber es ist nicht unsere grosse Zielsetzung. Wir wollen mit Partnern arbeiten, aber Ineffizienz vermeiden.
Inwiefern wollen Sie mehr investieren?
Konkrete Projekte sind im Moment nicht geplant. Es geht mehr darum, die Kooperation mit Partnern auszubauen.
Wo sehen Sie Alibaba in Europa in fünf Jahren?
Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren auch in Europa mehr im Endkonsumentengeschäft machen können. Das fehlt uns im Moment noch, ausser über Aliexpress sprechen wir den Endkonsumenten noch nicht an. Wichtig ist ausserdem, dass wir noch mehr mit allen verfügbaren Stakeholdern zusammenarbeiten. Mit grossen Firmen wie Migros oder Nestlémachen wir das bereits sehr gut. Auch mit Organisationen und Regierungen läuft es gut. Aber mit kleinen Unternehmen, da möchte ich, dass wir mehr skalierbare Lösungen haben. Dass ein KMU aus der Schweiz, das ein Produkt von hoher Qualität produziert, dieses leicht nach Chinaoder auch in ein anderes Land exportieren kann.

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