Der Reigen der Generalversammlungen kündigt sich jedes Jahr rituell gleich an: Sechs Wochen vor dem grossen Ereignis schicken die Unternehmen pflichtschuldig ihre Einladungen heraus, und die breite Öffentlichkeit entdeckt plötzlich exotische Namen, die sie bis dahin nicht bemerkt hat (und bis zur nächsten Einladung nicht bemerken wird): Srikant Datar (Inder bei Novartis), Fred Hu (Chinese bei UBS), Seraina Macia (Australierin bei CS). Am Mittwoch lieferte die «Zürich», durch den Inder Kishore Mahbubani bereits bestens mit Asien-Expertise bestückt, mit dem Ex-Asien-Chef von Prudential eine weitere Koryphäe nach. Barry Stowe heisst der Vielflieger.

Für die Headhunter ist die Fahndung nach internationalen Kandidaten ein höchst charmantes Geschäft, und für die Kandidaten ist die Schweiz das Paradies – nirgends in Europa lassen sich so satte VR-Honorare abholen. Die Gage kann für ein Mandat mit Ausschusstätigkeit auf fast eine Million anziehen, selbst bei kleineren Firmen liegen noch 300 000 Franken drin.

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Auf familiäre Verbindung in Europa achten

Ob die Qualität durch das Diversity-Mantra steigt – besonders begehrt ist die asiatische Frau – müssen spätere Generationen beurteilen. Mein Verdacht: Die Quoten-Exoten zählen nicht zu den ganz grossen Wortführern im Boardroom. «In guten Zeiten brauchst Du sie nicht, in schlechten kannst Du sie nicht brauchen», lautet das legendäre Verdikt des grossen Christoph Blocher zu Verwaltungsräten. Es stammt aus den neunziger Jahren. Nicht auszuschliessen, dass es heute noch gilt.

Wie sagte mir doch ein Ex-Präsident eines unserer Weltkonzerne: Bei der Rekrutierung von Asiaten für europäische Verwaltungsräte müsse man darauf achten, dass der Kandidat eine familiäre Verbindung in Europa habe. Denn dann würde er schon früher anreisen – und sei bei der Sitzung ausgeschlafen. Wer keine private Verbindung habe, fliege dagegen oft morgens ein: «Und dann schlafen die Asiaten in der VR-Sitzung ein.»

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