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«Viele suchen den Quick Win»

«Staatsbetriebe punkten»: Yves Schneuwly.

Yves Schneuwly, Universum-Schweiz-Chef, warnt die Firmen davor, jungen Talenten leere Versprechungen zu machen, um sie zu gewinnen.

Veröffentlicht 12.06.2013

Herr Schneuwly, warum haben Staatsbetriebe und Genossenschaften Aufwind bei Hochschulabsolventen?

Ein Grund ist ­sicher, dass das Thema Arbeitsplatzsicherheit bei den Studierenden seit vier Jahren an Bedeutung gewinnt. In diesem Bereich punkten ehemalige und aktuelle Staatsbetriebe.

Das alte Klischee vom Staat als ­sicherem Hafen?

Ja, das ist ein Asset und gleichzeitig ein Problem für diese Unternehmen. Denn auch bei den SBB oder beim Bund müssen junge ­Berufseinsteiger heute Gas geben und flexibel sein. Auch dort kann man den Job verlieren. Dies an den Hochschulen richtig zu kommunizieren, ist nicht einfach.

Die Wirtschaftskrise hat ethische Werte zurück in die Debatte ­gebracht. Spielt dies Unternehmen wie der Migros, Raiffeisen oder der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in die Hände?

Sicher. Nehmen wir die SNB. Sie hat durch die Eurokrise ein Gesicht bekommen. Ihre hohe Verantwortung wurde einer breiten Öffentlichkeit bewusst. Das macht sie ­attraktiv für junge Menschen.

So viele Jobs hat doch die SNB gar nicht zu vergeben.

Ja, die SNB bewegt sich da auf einem schmalen Grat. Die Studierenden kommen mit sehr hohen Erwartungen auf sie zu. Dabei ist die Zahl der Möglichkeiten beschränkt. Dennoch ist es wichtig, dass die SNB ihr Image ständig dyna­misiert und damit an die besten Talente herankommt. Das hat sie bisher erfolgreich getan.

Welcher Staatsbetrieb ist Ihrer Meinung nach «state of the art» in Sachen Hochschulmarketing?

Die SBB als ehemaliger Staats­betrieb machen es sehr gut. Sie haben das Personalmarketing massiv verbessert. Das Bild, das sie von sich zeichnen, und die Realität stimmen ziemlich exakt überein. Hier machen viele Firmen Fehler. Sie suchen den Quick Win, machen Versprechungen, die sie später nicht halten können. So etwas verzeiht die Generation Y nicht.

Was heisst das für die ­Unter­nehmen?

Es reicht nicht, Talente mit ein paar Teasern zu locken, die sich als nichtig entpuppen. Das wird bestraft mit einer hohen Fluktuation.

Ist der Trend zu Staatsbetrieben auch im Ausland zu spüren?

Ja, die Deutsche Bahn beispielsweise gilt als hip. Sie ist super­innovativ. Auch in Österreich gibt es diese Tendenz.

Die Studierenden bewegen sich heute stark in den sozialen ­Medien. Ein zunehmend bedeutender Rekrutierungskanal?

Die sozialen Medien sind eher für die Imagebildung wichtig. Die Hochschulmessen haben für die Rekrutierung nach wie vor ein stärkeres Gewicht. Wir sehen aber einen Trend hin zu kleineren Veranstaltungen, an denen sich Unternehmen und Hochschulabgänger besser kennen lernen können.

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