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Unternehmensberater haben Hochkonjunktur

Vor allem an der HSG sollen neue Unternehmensberater rekrutiert werden. (Bild: Keystone)

Wer Unternehmen berät, kann sich eine goldene Nase verdienen. Im letzten Jahr erreichten die Einnahmen der Unternehmensberater einen Rekordwert. Nun sollen 1000 neue Stellen geschaffen werden.

Veröffentlicht 07.06.2011

Bereits im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Unternehmensberater in der Schweiz um 220 auf 3520 zu, wie der Branchenverband Asco mitteilte. Die Zahl der Beratungsunternehmen blieb dabei mit rund 570 stabil.

Die grössten 20 Beraterunternehmen - darunter internationale Konzerne wie Pricewaterhouse Coopers, Ernst&Young, KPMG oder McKinsey - schöpften drei Viertel des Geschäfts ab. Asco beziffert deren Honorarumsatz in der jüngsten Branchenstudie, die an der jährlichen Mitgliederversammlung in Zürich präsentiert wurde, für das Jahr 2010 auf 984 Millionen Franken.

Die gesamte Marktvolumen erreichte 1,32 Milliarden Franken und stieg damit gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent. Der bisherige Höchstwert von 1,30 Milliarden Franken im Jahr 2008 wurde leicht übertroffen. Neben den grössten Firmen konnten auch spezialisierte Nischenanbieter zulegen, während mittlere Unternehmen Einbussen erlitten.

Euphorische Prognosen

In der Umfrage zeigten sich viele Unternehmensberater geradezu euphorisch: Im laufenden Jahr rechnet knapp die Hälfte mit einem Wachstum von über 10 Prozent, Einbussen erwarten nur 2 Prozent der Firmen. Daher sollen in grossem Umfang neue Berater angeheuert werden. Von den geplanten 1000 zusätzlichen Stellen soll knapp die Hälfte an Hochschulabgänger vergeben werden.

Besonders gesucht sind beispielsweise HSG-Absolventen mit Affinität zu Informationstechnologien oder ETH-Studenten mit betriebswirtschaftlichem Interesse, sagte Asco-Präsident Marcel Nickler vor Journalisten.

Die Rekrutierung sei aber schwierig, da Fachkräfte rar seien. Zudem schrecke der hohe Arbeitsdruck ab. Neue Arbeitsmodelle seien auch bei Beratern gefragt, nicht zuletzt um mehr Frauen einstellen zu können, sagte Nickler. Der Frauenanteil bei den Beratern habe inzwischen immerhin 26 Prozent erreicht.

Steter Wandel

Im Zentrum der Unternehmensberatung stünden weiterhin die klassischen Themen Strategien, Prozesse und Technologien. Wachstumschancen bestünden insbesondere in der Beratung von Pharmaunternehmen oder Banken, wo neue Regulierungen anstehen. Auch bei Energieeffizienz, Marketing und Verkauf sowie im Umgang mit Web 2.0 respektive Sozialen Netzwerken seien Innovationen gefragt.

Effizienzsteigerungen durch Prozessoptimierungen und Wachstumsphasen lösten sich heute nicht mehr ab, sondern liefen parallel. Allerdings nimmt auch die Konkurrenz zu: So setzen einige der in die Schweiz gezogenen Konzerne auf ihre bisherigen Berater aus dem Ausland.

Grosse Unternehmen kaufen sich zudem selber vermehrt Spezialisten ein. Schliesslich drängen aus Indien Software-Spezialisten und angesichts der Wechselkurse zunehmend Unternehmensberater aus Süddeutschland in die Schweiz.

Der Verband gibt sich für das Branchenwachstum denn auch etwas weniger zuversichtlich als die befragten Unternehmen: Asco erwartet eine Zunahme der Honorarumsätze um 4 bis 6 Prozent. Im langjährigen Vergleich ist dies immer noch viel, wuchs das Beratergeschäft seit 2000 im Schnitt doch nur um rund ein Prozent pro Jahr.

(cms/sda)

 

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