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Krisenmodus

Und wieder Babynahrung: CEO Philipp Navratil ist gefordert

Die Kontrollen von Babynahrung versagten bei Nestlé wie auch bei dessen Zulieferer. Danone, Lactalis und Hochdorf sind ebenfalls betroffen.

Erich Bürgler, Redaktor BILANZ - fotografiert im September von Paul Seewer für BILANZ

<p>Erst seit September leitet Philipp Navratil den Nahrungsmittelkonzern, und schon muss er den grössten Rückruf der Firmengeschichte meistern. In einer Videobotschaft entschuldigte er sich.</p>

Erst seit September leitet Philipp Navratil den Nahrungsmittelkonzern, und schon muss er den grössten Rückruf der Firmengeschichte meistern. In einer Videobotschaft entschuldigte er sich.

Keystone

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Ausgerechnet Babynahrung: Dieser Gedanke kam wohl nicht nur CEO Philipp Navratil, sondern auch vielen anderen bei Nestlé, als jüngst bekannt wurde, dass der Konzern Säuglingsnahrung wegen Verunreinigungen zurückrufen muss. Denn der Multi ist vorbelastet. Es ist zwar schon mehr als 50  Jahre her: Nestlé wurde damals vorgeworfen, Mütter in Entwicklungsländern durch aggressive Werbung für Babymilchpulver zum Abstillen zu bewegen, was aufgrund von verschmutztem Wasser zu massiver Säuglingssterblichkeit führte. Das hallt bis heute nach. Beim jüngsten Rückruf ist Nestlé nicht allein betroffen: Auch Danone, Lactalis und Hochdorf haben mit dem Toxin Cereulid belastete Säuglingsnahrung zurückgerufen.

Bei Nestlé ist das Ausmass jedoch besonders gross – über 60 Länder, darunter die Schweiz, sind involviert. Das Unternehmen betont, dass bislang keine Erkrankungen bestätigt wurden; einzelne Verdachtsfälle, darunter eine gerichtliche Untersuchung in Frankreich, bestehen. Gegenüber der Finanzgemeinde sagte der Konzern, die betroffenen Mengen machten weniger als 0,5 Prozent des Jahresumsatzes der Nestlé-Gruppe aus.

Marktbeobachter zeigen sich dennoch besorgt: «Säuglingsnahrung ist Vertrauenssache. Es ist zu befürchten, dass der Imageschaden von Nestlé als Branchenleader besonders gross ist», sagt Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. «Es ist ein doppeltes Versagen. Die Qualitätskontrolle funktionierte weder beim Zulieferer noch bei den Herstellern.»

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Denn der Auslöser war ein verunreinigtes Spezialöl eines externen Lieferanten. Nestlé wollte dessen Namen nicht nennen. Grund dafür dürften vertragliche Vertraulichkeitsvereinbarungen sein. Nur eine Handvoll Unternehmen weltweit stellen das Öl her. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit hat gegenüber den Tamedia-Zeitungen bestätigt, dass der kontaminierte Rohstoff von Cabio Biotech aus China stammt. Deren Aktien waren schon zuvor eingebrochen. Die Titel von Nestlé und Danone kamen ebenfalls unter Druck.

Um den Schaden zu minimieren, geht es nun darum, möglichst rasch einwandfreie Produkte in den Handel zu bringen. Nestlé-intern verlautet, dass man sich die benötigten Mengen von alternativen Lieferanten sichern konnte. Darauf hinarbeiten dürften auch die anderen betroffenen Firmen mit Hochdruck. 

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Erich Bürgler, Redaktor BILANZ - fotografiert im September von Paul Seewer für BILANZ
Erich Bürgler
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