Guten Tag,
Suzanne Thoma hat aus der behäbigen BKW ein internationales Netzwerk geformt – und sich dabei Feinde gemacht. Doch das kümmert sie nicht.

Florence Vuichard
Suzanne Thoma: Die promovierte Chemieingenieurin ist seit 2013 CEO der BKW.
Fabian Hugo / 13photoEr dominiert mit stiller Selbstverständlichkeit den Viktoriaplatz über der Berner Altstadt, der repräsentative BKW-Hauptsitz. Ein Sandsteingebäude, erbaut 1915 im Stil des in der Bundesstadt allgegenwärtigen Berner Barocks und verziert mit Fischen und Turbinen. Und mit mythologischen Wasserwesen wie etwa dem Meeresgott Poseidon, der bezeugt, dass die Ambitionen der Bernischen Kraftwerke schon immer weit über die Kantonsgrenzen hinaus gingen – auch damals schon, als die Elektrizität des ursprünglich 1898 gegründeten Unternehmens noch vornehmlich aus den Gewässern bei Hagneck und Spiez gewonnen wurde und der Ozean noch sehr weit weg war.
Heute steht die BKW mit ihren Windrädern in mehreren Ländern Europas am Meer, die Hälfte ihrer Stromproduktion stammt aus dem Ausland, nur noch gut 20 Prozent kommen aus dem Herkunftskanton. Bernisch sind etwa noch das Wasserkraftwerk Mühleberg, der Grimsel-Stausee, das Versorgungsnetz und eben der Hauptsitz.
Suzanne Thoma jedenfalls mag es nicht, wenn sie auf die Rolle der Chefin eines Berner Stromversorgers reduziert wird. Sie sieht sich als «CEO eines Energie- und Infrastrukturdienstleisters», der zwar Strom produziert und verteilt, aber auch mit ihm handelt und zu dem eine Gruppe von über 130 Ingenieur- und Gebäudetechnikfirmen gehören, die sie ab 2013, seit sie das Steuer übernommen hat, im In- und Ausland zusammengekauft hat.
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