Abo
Wahl

Thomas Aeschi: Die junge Garde der SVP

Intellektuell statt hemdsärmlig – so präsentiert sich Thomas Aeschi und mit ihm eine neue Generation von SVP-Polikern. Doch abgesehen vom Auftreten folgt der Zuger ganz der Linie der alten Garde.

aeschi-bundesratswahl.jpg
Thomas Aeschi: Erst 36 Jahre alt und vielleicht schon bald Bundesrat.  Keystone RMS

Werbung

Thomas Aeschi ist mit 36 Jahren der jüngste der SVP-Bundesratskandidaten. Der Zuger Nationalrat verkörpert die neue Generation von SVP-Politikern, die sich weltoffen, intellektuell und dynamisch gibt.
Ruth Metzler würde Aeschi zwar nicht mehr schlagen. Sie wurde 1999 mit nur knapp 35 Jahren in den Bundesrat gewählt. Mit seinen 36 Jahren wäre Aeschi aber trotzdem eines der jüngsten Regierungsmitglieder.
Mit dem Ökonomen würde ein Kandidat gewählt, der typisch ist für die neue Generation SVP-Politiker: jung, gut ausgebildet, strategisch denkend, alles andere als hemdsärmelig. Der Unternehmensberater studierte an den Hochschulen von St. Gallen (HSG) und Harvard, mit Austauschsemestern in Malaysia und Tel Aviv.

Auf schnellstem Weg in den Nationalrat

Auch politisch machte Aeschi schnell Karriere: Erst seit 2009 gehört er der SVP an. Bereits im selben Jahr wurde er Präsident der Ortspartei Baar. 2010 holte er einen Sitz im Kantonsrat, 2011 wurde er Vizepräsident der Zuger SVP, ebenfalls im Jahr 2011 Nationalrat, wo er der Kommission für Wirtschaft und Abgaben sowie der EFTA/EU-Parlamentsdelegation angehört.
Seit März dieses Jahres ist Aeschi zudem Präsident der Zuger SVP, die wegen der Sex-Affäre um Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin unruhige Zeiten durchmachte. Aeschi hatte nicht zuletzt die Aufgabe, die Wogen in der Partei wieder zu glätten.

Partner-Inhalte

Ganz auf Partei-Linie

Aeschi stammt aus dem kleinen Dorf Allenwinden am Zugerberg. Sein «politisches Erweckungserlebnis» war die EWR-Abstimmung im Jahr 1992. Damals war Aeschi gerade mal 13 Jahre alt. Er habe gespürt, dass es um eine ganz wichtige Frage gehe. Nämlich um die Unabhängigkeit und Zukunft unsere Landes, sagte er einmal in einem Interview.
Je häufiger er im Ausland war, desto mehr stellte Aeschi fest, wie gut es der Schweiz geht. Dem System der direkten Demokratie müsse unbedingt Sorge getragen werden. Deshalb dürfe man auch einen schleichenden EU-Beitritt nicht zulassen. In den zentralen Fragen ist Aeschi ganz auf SVP-Linie.

Bilaterale Verträge kaum in Gefahr

Effizienz ist ihm in jeder Hinsicht wichtig, nicht nur bei seiner Karriere. Von Bundesbern ist er deshalb nicht immer begeistert. Alles dauere viel zu lange. Aeschi ist zudem – ganz HSG-Absolvent – sehr wirtschaftsfreundlich.
Bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative gerät er aber trotz SVP-Linie nicht in ein Dilemma. Die EU werde die bilateralen Verträge nicht kündigen, zeigte er sich auf Anfrage der sda überzeugt. Denn diese Verträge würden der EU zu viele Vorteile bieten, beispielsweise das Landverkehrsabkommen.

Werbung

Auch im Zusammenhang mit der Selbstbestimmungsinitiative, die Schweizer Recht vor Völkerrecht stellen will, sieht er auf die Schweiz keine unüberwindbaren Probleme zukommen. Die direkte Demokratie sei eine der Staatssäulen der Schweiz. Diese stehe jedoch nicht im Widerspruch zum Völkerrecht, ganz im Gegenteil.
(sda/jfr)
Diese SVP-Kandidaten wollen Bundesrat werden:
Diese SVP-Kandidaten haben die erste Vorauswahl der Parteispitze überstanden:Nationalrat Heinz Brand (GR) wird seit Wochen als Kronfavorit gehandelt. Der umgängliche Migrationsexperte gilt im Parlament als mehrheitsfähig, fiel aber zuletzt mit extremen Positionen auf. Der langjährige Chef der Bündner Fremdenpolizei hat seit langem das Image eines Asyl-Hardliners und politisiert auf Parteilinie. Neben der Migration ist das Gesundheitswesen Brands zweites Schwerpunktgebiet.
Der jüngste der elf Kandidaten ist Thomas Aeschi (ZG) mit 36 Jahren. Der Zuger Nationalrat gibt sich weltoffen, intellektuell und dynamisch. 2009 trat er der SVP bei und legte eine Blitzkarriere hin. Aeschi glaubt nicht, dass die EU die bilateralen Verträge kündigen wird, wenn die Schweiz die Personenfreizügigkeit einschränkt. Diese böten der EU zu viele Vorteile.
Die Nidwaldner SVP kann weiter auf einen Bundesrat aus ihren Reihen hoffen. Bildungsdirektor Res Schmid (NW) wäre der erste Bundesrat seines Kantons. Der 57-jährige ehemalige Jet-Pilot gehört zur Nidwaldner SVP der ersten Stunde. Er sieht sich selber nicht als Hardliner, sondern als Brückenbauer. Bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative möchte Schmid die bilateralen Verträge so weit wie möglich verteidigen. Noch wichtiger ist für ihn aber die Umsetzung des Volkswillens.
Allseits bekannt ist der polarisierende Walliser Oskar Freysinger (VS). Auch mit der eigenen Partei ging Freysinger schon hart ins Gericht. Freysinger machte zudem als Islamkritiker von sich reden. So setzte er sich sowohl für das Minarettverbot als auch für ein Verschleierungsverbot ein. Sollte er in den Bundesrat gewählt werden, wolle er auch da auf Kollegialität und Zusammenarbeit setzen.
Aus der Westschweiz tritt Nationalrat Guy Parmelin (VD) an. Vor vier Jahren musste er noch seinem Freiburger Parteikollegen Jean-François Rime den Vortritt lassen. Der Waadtländer hat seine Positionen während der bisher zwölf Jahre im Nationalrat verhärtet und liegt heute auf der Blocher-Linie der SVP. Der 56-jährige Nationalrat zeigt sich bereit, das SVP-Programm im Bundesrat «entschlossen zu verteidigen».
Die italienische Schweiz ist seit 1999 nicht mehr im Bundesrat vertreten. Das könnte sich dank Norman Gobbi (TI) ändern. Gobbi ist ein Platz auf dem Ticket beinahe sicher, weil er als einziger Kandidat aus der italienischen Sprachregion angetreten ist. Der zu SVP übergetretene Lega-Politiker machte im Sommer von sich reden, als er wegen der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen eine Schliessung der Tessiner Grenze forderte.Bilder: Keystone
1 / 6
RMS

Werbung