Ernesto Bertarelli, UBS-Verwaltungsrat, Grossinvestor und vor allem Alinghi-Vormann. Jasmin Staiblin, ABB-Schweiz-Chefin. Daniel Borel, Gründer und Antreiber des Technologiekonzerns Logitech: So heissen die drei Kandidaten für den Swiss Award 2007 in der Kategorie Wirtschaft. Durchgesetzt hat sich das Trio gegen sämtliche übrigen Topshots der hiesigen Konzernwelt. Eine Fachjury, darunter die BILANZ-Chefredaktion, hat für jede der fünf Kategorien (Politik, Wirtschaft, Kultur, Show und Gesellschaft) eine Vornomination erarbeitet. Diese Shortlists wurden von einer hundertköpfigen Academy bewertet. In jeder Kategorie werden in der Sendung die drei Besten vorgestellt und ein Swiss Award verliehen.

Zusätzlich wählt das Fernsehpublikum aus allen vorgestellten Nominierten während der Sendung mittels Televoting die «Schweizerin bzw. den Schweizer des Jahres». «Swiss Award – die Millionengala» mit der Preisverleihung wird am Samstag, 12. Januar 2008, live aus dem Hallenstadion in Zürich auf SF, TSI und TSR übertragen.

Das sind die drei Nominierten der Kategorie Wirtschaft, die in den letzten zwölf Monaten Beachtliches geleistet haben:

Ernesto Bertarelli

Das Jahr 2007 eröffnete Ernesto Bertarelli (42) mit einem Paukenschlag: Gemeinsam mit seiner Mutter Maria Iris und Schwester Dona verkaufte der Serono-Pharmafabrikant vom Genfersee alle seine Aktienanteile an den traditionsreichen deutschen Chemie- und Medikamentenmulti Merck, der für die Übernahme insgesamt gegen 16 Milliarden Franken lockermachte – überwiegend für die Bertarellis. Der Vater von drei Kindern konnte sich so, befreit von der Konzernführung, auf das konzentrieren, was ihm ohnehin mehr Popularität einträgt als die Produktion von Präparaten: die erfolgreiche Verteidigung der ruhmreichsten Seglertrophäe der Welt, des America’s Cup.
Nach seinem ersten Gesamtsieg bei dieser Regatta mit der Superyacht «Alinghi» im Jahr 2003 war Bertarelli in der Schweiz zum Volkshelden aufgestiegen. Der zweite Cupsieg in diesem Sommer vor der Küste Valencias mehrte zwar den Ruhm des Milliardärs, provozierte allerdings den Verlierer und Milliardärskollegen Larry Ellison und dessen US-amerikanisches Segelteam BMW Oracle Racing. Der Steuermann des Softwarekonzerns Oracle torpediert seither erfolgreich Bertarellis Reformpläne für den America’s Cup. Die Forderung des eben erst von Gland VD nach Gstaad BE umgezogenen Schweizer Alinghi-Eigners, «die vor mehr als 150 Jahren geschriebene Stiftungsurkunde an die moderne Gesellschaft anzupassen», überzeugte das von Ellison angerufene New Yorker Bezirksgericht nicht. Statt eines klassischen 33. America’s Cup im Jahr 2009 mit gewohnten Herausforderer-Rennen droht nun ein bizarrer Zweikampf zwischen dem Cupverteidiger Alinghi und Ellison in einer neuen Bootsklasse – auf Katamaranen.

Eine Verschnaufpause erlebte Bertarelli am vergangenen Wochenende. Seine Alinghi-Crew wurde im Rahmen der Sports Awards 2007 zum Team des Jahres gekürt, bereits zum zweiten Mal, nach 2003.

Jasmin Staiblin

Einen besseren Start hätte sich Jasmin Staiblin (37) gar nicht vorstellen können. Im März 2006 wechselte sie auf den Chefposten bei ABB Schweiz und durchlebt seither die beste aller Zeiten. Die Firma brummt: Umsatz plus 28 Prozent, Auftragseingang weit über Vorjahr, Produktivität plus 20 Prozent, 193 zusätzliche Arbeitsplätze allein im ersten Halbjahr. Der Drive kommt aus Asien und dem Mittleren Osten.

Es sind die Indizien, die dafür sprechen, dass der ABB-Verwaltungsrat mit Staiblin eine überzeugende Wahl getroffen hat. Mutig war sie gleichwohl: Technologiekonzerne gelten – im Gegensatz zu Markenartikelfirmen oder Beratungsunternehmen – nicht als bevorzugter Landeplatz für ambitionierte Wirtschaftsfrauen. Staiblin legte ein atemberaubendes Karrierentempo hin. 1997 begann die Deutsche als Forschungsassistentin im ABB-Forschungszentrum Dättwil, anschliessend absolvierte sie bei ABB Schweiz ein Trainee-Programm. Zehn Jahre später führt sie nun das Schweiz-Geschäft des Industriemultis, ihr unterstellt sind 5400 Mitarbeitende, der Umsatz beträgt gegen drei Milliarden Franken.

Vor ihrem Berufseinstieg absolvierte die Turboaufsteigerin ein Studium der Elektrotechnik und der Physik an der Universität Karlsruhe und der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm. Sie arbeitete für den ABB-Konzern in Schweden und Australien, war intensiv im Boommarkt China tätig und absolvierte in der ABB Academy ein internationales Managementprogramm. Ihre Ambitionen kleidet sie in Watte: «Arbeiten Sie nicht an Ihrer persönlichen Karriere, sondern für den Erfolg der Firma. Dann kommt die Karriere als Konsequenz Ihrer harten Arbeit.»

Mittlerweile sind auch andere Firmen auf die Topmanagerin aufmerksam geworden. Staiblin sitzt im Verwaltungsrat der Neuen Aargauer Bank. Daselbst hat sie eine prominente Verwaltungsrätin beerbt: Doris Leuthard. Diese trat zurück, als sie in die Landesregierung gewählt wurde. Staiblin ist für die Managementwelt der Schweiz eine Bereicherung – und ein Beitrag, um den Frauenanteil in den Chefetagen, der bloss vier Prozent beträgt, ein wenig zu erhöhen.

Daniel Borel

Schauspieler fürchten den Preis für ihr Lebenswerk. Sie empfinden nämlich solche Ehren als Ende ihres Darstellerdaseins. Logitech-Gründer Daniel Borel (57) darf allerdings garantiert weiter mitmischen, auch wenn er zum Jahresbeginn 2008 als Präsident der Logitech International in Apples VD von der Konzernbühne abtreten und fortan nur noch als einfacher Verwaltungsrat agieren wird. Der Schöpfer der Computermaus wird dabei auch künftig nicht nur wegen seines knapp sechsprozentigen Aktienanteils gewichtig bleiben. Der Vater von drei Kindern wird mit seinen Visionen weiterhin Wachstumswege suchen – und finden.

Was beim Wahlbriten Borel manchmal wie Heimatlosigkeit wirkt, hat sich, mit beträchtlicher Zeitverzögerung, als Rettung der schweizerischen Unternehmenswurzeln entpuppt. Ohne preiswerte Produktionsstätten in China mit inzwischen mehr als 6000 Arbeitsplätzen wäre die Logitech-Maus garantiert niemals ein Massenartikel mit bereits mehr als einer Dreiviertelmilliarde verkauften Exemplaren geworden. Die Produktpalette umfasst jedoch längst auch Webkameras, Kopfhörer, Spielsteuerungen und, derzeit ein Bestseller, universelle Fernbedienungen. Da wittert Logitech zusätzliche Milliardenumsätze.

Seinen privaten Wohnsitz hat Borel vor Jahren schon nach London verlegt, wohl auch, weil Ausländer in Grossbritannien eine preiswerte Steuerpauschale aushandeln können. «Spiegel Online» vertraute er jedoch an, er sei «kein blinder Patriot, aber meine Wurzeln sind hier», in der Schweiz. Der Physiker (ETH Lausanne) und Master of Computer Science (Stanford University) zeigt seine Heimatverbundenheit unter anderem mit diversen privaten Förderprogrammen. Der Vorstandsvorsitzende von SwissUp, der Stiftung für Ausbildungsqualität in der Schweiz, finanziert Projekte an Schweizer Universitäten oder berät als Business Angel Jungunternehmer.

Die Millionengala am Schweizer Fernsehen

Ehre für Promis, viel Geld fürs Volk

Das Schweizer Fernsehen (SF) überträgt am Samstag, 12. Januar 2008, ab 20.10 Uhr zum sechsten Mal die Verleihung des Swiss Award. Sandra Studer führt durch die Sendung, in der fünf herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Show und Gesellschaft ausgezeichnet werden. Zudem kürt das Fernsehpublikum während der Live-Sendung aus den 18 nominierten Personen die «Schweizerin oder den Schweizer des Jahres». Wer während der Sendung telefonisch an dieser Wahl teilnimmt, kann einen VW Golf (GT Sport 2 Liter TDI 6 Gänge 4Motion) gewinnen. Unter den Millionenlosbesitzern werden einmal fünf Millionen Franken sowie vier Luxusautos verlost. Vierzig Millionenlosbesitzer werden in die Sendung eingeladen und können zusätzlich eine Million Franken gewinnen.

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