Es gibt in dieser Affäre nur Verlierer. Der Zürcher Banker Christos Bagios wird seit über einem Jahr von den US-Behörden festgehalten und erwartet seine Verurteilung wegen Beihilfe zum Steuer­betrug. Bagios’ früherer Arbeitgeber, die Credit Suisse, ist sauer auf den Kundenberater, weil sich dieser nicht an die internen Richtlinien hielt.

Schliesslich ist Bagios frustriert, weil ihn sein einstiger UBS-Arbeitskollege Renzo Gadola bei der US-Justiz verpfiff. Bagios habe 100 bis 150 US-Kunden mit ­unversteuertem Vermögen betreut, erzählte Gadola den Behörden. Insgesamt habe sein Kollege geholfen, 400 bis 500 Millionen Dollar vor der amerikanischen Steuerbehörde zu verstecken, unter anderem mit Tarnfirmen in Panama. Bis 2008 betreute Bagios US-Kunden für die UBS, ab 2009 war er Leiter des Ostküsten-RelationshipManagements der CS. Er hatte den Status eines ­Vermögensverwalters, der durch die amerikanische Börsenaufsicht SEC reguliert wird.

Um das fürs Urteil zuständige ­Gericht in Florida milde zu stimmen, kooperiert Bagios seit Monaten mit den US-Behörden, wie sein Anwalt in einer Gerichtseingabe schreibt. Mit ­einigem Erfolg: Ende April haben sie das Kontroll-Regime gelockert. So wurde der nächtliche Hausarrest, der seit ­seiner Entlassung aus der Haft galt, aufgehoben und der Ausgangs­rayon leicht erweitert.

Die übrigen Überwachungsmethoden bleiben indes weiter in Kraft: Der ehemalige UBS- und CS-Banker muss nach wie vor eine Fussfessel tragen, die via GPS seinen Standort meldet, er darf sich keinem Flughafen, keinem Hafen und keiner Marina nähern. Die Überwachungskosten hat der Banker selber zu tragen. Weiter hat er sich ­regelmässig telefonisch bei den ­Behörden zu melden. Auch sein griechischer Pass und sein Schweizer Fahrausweis sowie eine Kaution von 650 000 Dollar bleiben konfisziert. Bis zum 12. Juni. Dann muss Bagios vor dem Gericht erscheinen. Nur wenn er umfänglich auspackt, darf er mit Milde rechnen – einen Monat hat er bereits hinter Gitter verbracht. 

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