Abo
Marke

Hedi wechselt ins Heidiland

St. Moritz hat seine Rechte an der Marke Heidiland abgegeben. Gekauft hat den Namen die gleichnamige Ferienregion.

Marc Iseli Handelszeitung

Marc Iseli

Maienfeld Heidi

Maienfeld: Oberhalb des BΓΌndner Dorfes lebte Heidis Grossvater laut der Spyri-ErzΓ€hlung als Einsiedler.

Keystone

Werbung

Die Marke Β« HeidilandΒ» wechselt die Hand. Die Organisation Heidiland Tourismus hat sich die Rechte daran gesichert, wie es in einer Mitteilung von Donnerstagmorgen heisst. SΓ€mtliche Rechte an den Namen Β«HeidilandΒ» und Β«HeidiΒ» lΓ€gen nun bei der Tourismusorganisation. Bislang war dies das Privileg des Kur- und Verkehrsvereins St. Moritz.  

Wie viel der Rechtetransfer gekostet hat, ist offen. Beide Parteien haben Stillschweigen ΓΌber den Preis vereinbart, wie Heidiland-Sprecher Adrian Pfiffner sagt. 

Heidi ist die wahrscheinlich berΓΌhmteste Romanfigur des Landes. Johanna Spyri hat das MΓ€dchen von der Alp in der zweiten HΓ€lfte des 19. Jahrhunderts erschaffen und damit eine Ikone geboren.

126 eingetragene Heidi-Marken

Allein in der Schweiz gibt es 126 eingetragene Markennamen, in denen das Wort Heidi vorkommt. Die Migros nutzt den Namen fΓΌr KΓ€se. Emmi macht weitere Milchprodukte mit dem MΓ€dchen, das eigentlich Adelheid heisst und Waisenkind ist. FeldschlΓΆsschen hat die Lizenz fΓΌr Heidi-Bier. Und MΓΆvenpick betreibt unter dem Namen Heidiland eine AutobahnraststΓ€tte in Maienfeld, der eigentlichen Heimat der Romanfigur. 

Der Wechsel der Markenrechte soll nichts an dieser Situation Γ€ndern, versichert Pfiffner. Die Tourismusorganisation habe mit dem Markennamen auch die Rechten und Pflichten ΓΌbernommen. Heisst: Bestehende LizenzvertrΓ€ge laufen weiter. Heidiland Toursimus will das LizenzgeschΓ€ft laut Medienmitteilung sogar ausbauen.

Partner-Inhalte

Erbe von Danuser

Die Marke wird seit den 70er-Jahren touristisch genutzt. Dem legendΓ€ren St. Moritzer Kurdirektor Hanspeter Danuser ist der Geniestreich gelungen. 1977 ging die Fernsehserie Β«HeidiΒ» an den Start. Ein Jahr spΓ€ter ΓΌbernahm Danuser das Amt des Kurdirektors. 1979 liess er die Marke schΓΌtzen.

Hanspeter Danuser

Hanspeter Danuser: Der legendΓ€re St. Moritzer Kurdirektor hatte frΓΌh die Idee, die Marke touristisch zu nutzen.

Keystone
Hanspeter Danuser

Hanspeter Danuser: Der legendΓ€re St. Moritzer Kurdirektor hatte frΓΌh die Idee, die Marke touristisch zu nutzen.

Keystone

Seine Vision war es, mit Heidi Touristen nach St. Moritz zu locken. Das wollte aber nicht so recht klappen. SpΓ€ter wurde das Thema aufgegeben, weil der Kurort mondΓ€ner sein wollte. Β«Als ich mit der Idee fΓΌr ein Heidiland zurΓΌckkam, wurde ich von den Einheimischen ausgelachtΒ», sagte Danuser unlΓ€ngst zum Β«BlickΒ».   

Neupositionierung mit Heidi

Im Engadin setzte danach niemand mehr auf die Kultfigur. Stattdessen begann das Gebiet zwischen Walensee und Bad Ragaz mit Heidi zu spielen. Urs Kamber, Mitte der 90er-Jahre Kurdirektor von Bad Ragaz, stahl den Heidimythos und begann damit, die Ferienregion Sarganserland neu zu positionieren. Auf Strassenschildern hiess es plΓΆtzlich Β«Willkommen im HeidilandΒ» statt Β«Willkommen im SarganserlandΒ».

Werbung

Maienfeld und weitere Gemeinden der BΓΌndner Herrschaft schlossen sich erst 2011 der Region an. Nunmehr ist das ganze Gebiet eine touristische Wegmarke. Im letzten Jahr verzeichnete das Heidiland gesamthaft fast 327'000 LogiernΓ€chte. Zum Vergleich: Im ganzen Kanton GraubΓΌnden gab es in dieser Zeit knapp 4,9 Millionen LogiernΓ€chte.

Auf Heidi folgt Martina

Knapp 80 Prozent der Heidiland-GΓ€ste sind Schweizer. Weitere 16 Prozent sind Touristen aus Deutschland. Zu den wichtigsten internationalen GΓ€sten zΓ€hlen Araber und Russen. Das liege in erster Linie am Grand Resort Bad Ragaz, wie Pfiffner sagt.

Das FΓΌnf-Sterne-Haus gehΓΆrt mehrheitlich dem Zementunternehmer Thomas Schmidheiny. Er setzt seit diesem Jahr nicht nur auf Heidi. Seit MΓ€rz ist ein anderes Schweizer Sternchen Markenbotschafter des Nobelhauses: Martina Hingis.

Werbung