Die UBS steht in Deutschland erneut unter Verdacht, Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht fordert, der Bank die Lizenz zu entziehen. Mehrere SPD-Politiker wollen die Bankenaufsicht einschalten.
Sahra Wagenknecht, Fraktionsvize der Partei Β«Die LinkeΒ» im Deutschen Bundestag, fordert die Bundesregierung auf, der UBS die Banklizenz in Deutschland zu entziehen. Der Β«Financial Times DeutschlandΒ» sagte die Linke-Politikerin: Β«Der Bund muss endlich den Spielraum des Kreditwesengesetzes ausnutzen und Banken wie der UBS, die fortgesetzt und organisiert Beihilfe zur Steuerflucht leisten, die Banklizenz entziehen.Β»
Der Hintergrund: Gegen die deutsche Niederlassung der Grossbank wird erneut wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt. Es besteht der Verdacht, dass Bankmitarbeiter Anlegern geholfen haben, Gelder am Fiskus vorbei in die Schweiz zu schleusen.
Derzeit wΓΌrden Unterlagen ausgewertet, die bei einer Durchsuchung der Frankfurter Niederlassung im Mai beschlagnahmt worden seien, erklΓ€rte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim, Peter Lintz. Er bestΓ€tigte damit einen Bericht der Β«Stuttgarter NachrichtenΒ».
Der Zeitung zufolge richtet sich das Ermittlungsverfahren zum einen Β«gegen noch unbekannte Verantwortliche bei der UBS Deutschland AGΒ». Zum anderen seien auch die entsprechenden Kunden der Bank wegen Steuerhinterziehung im Visier. Die Gelder sollen ΓΌber ein internes Verrechnungskonto der Bank in die Schweiz verschoben worden sein. Die VorgΓ€nge hΓ€tten sich bis weit ins Jahr 2012 hinein erstreckt.
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Bankenchefs Β«gehΓΆren auf die FahndungslisteΒ»
Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt dem Sprecher zufolge seit MΓ€rz. Die im Mai beschlagnahmten Unterlagen wΓΌrden derzeit durch die Steuerfahndung in Mannheim ausgewertet. Der Abschluss der Ermittlungen sei derzeit nicht absehbar, sagte Lintz.
Mehrere SPD-Fraktionschefs wollen nun die Bankenaufsicht (BaFin) auf den Plan rufen. Die BaFin solle ihre MΓΆglichkeiten nutzen, Β«damit das GeschΓ€ftsgebaren, wie es der UBS vorgeworfen wird, ein rasches, grΓΌndliches und vor Nachahmung warnendes Ende findetΒ», heisst es in dem Schreiben, das am Freitag verbreitet wurde.
Unterschrieben haben es die SPD-Landtagsfraktionschefs Claus Schmiedel (Baden-WΓΌrttemberg), Markus Rinderspacher (Bayern), Thorsten SchΓ€fer-GΓΌmbel (Hessen) und Hendrik Hering (Rheinland-Pfalz).
Linke-Politikerin Wagenknecht greift derweil auch UBS-PrΓ€sident Axel Weber an. Β«Es kann kein Zufall sein, dass mit Axel Weber der ehemalige oberste deutsche Bankenaufseher nun an der Spitze einer Schweizer Grossbank steht, die mit Beihilfe zur Steuerflucht das grosse Geld verdient. Die Ermittler sollten keine Angst vor hohen Tieren haben. Die Chefs der Schweizer Steuerhinterzieherbanken gehΓΆren auf die FahndungslisteΒ», sagte sie der Zeitung.
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UBS streitet Fehlverhalten ab
Nach Angaben der UBS fΓΆrderten interne AbklΓ€rungen keinerlei Hinweise auf ein Fehlverhalten der UBS Deutschland AG zutage. Β«Wir bieten Kunden keine UnterstΓΌtzung bei Handlungen, die der Umgehung ihrer Steuerpflicht dienenΒ», hiess es bei der Bank. 2009 seien die Regeln ΓΌberprΓΌft und wo nΓΆtig angepasst worden. Kundenberater, die sich nicht daran hielten, mΓΌssten mit Entlassung rechnen.
Entgegen der jΓΌngsten Berichterstattung handle es sich nicht um illegale Γberweisungen ΓΌber ein internes Verrechnungskonto, sondern um regulΓ€re Γberweisungen ins Ausland, stellte die UBS fest.
Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz im Steuerstreit dΓΌrften durch den Vorfall weiter belastet werden. Der Finanzminister von Baden-WΓΌrttemberg, Nils Schmid (SPD), sagte: Β«Alles, was das Vertrauen in die Schweizer Banken untergrΓ€bt, versetzt dem Abkommen in dieser Form den Todesstoss.Β» Falls die Medienberichte zutrΓ€fen, wΓ€re Β«die sogenannte Weissgeldstrategie der Schweiz eine Fata MorganaΒ».
Β«Meilenweit entfernt sind von WeissgeldstrategieΒ»
Auch der nordrhein-westfΓ€lische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sieht angesichts der Ermittlungen gegen die UBS seine kritische Haltung gegenΓΌber den Schweizer Banken bestΓ€tigt.
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Sollte der Verdacht der Mannheimer Staatsanwaltschaft zutreffen, wΓ€re dies ein Β«eindeutiger BelegΒ» dafΓΌr, dass die Banken Β«noch immer meilenweit entfernt sind von einer WeissgeldstrategieΒ», sagte der SPD-Politiker. Stellvertretend fΓΌr die von SPD und GrΓΌnen gefΓΌhrten BundeslΓ€nder bekrΓ€ftigte der Finanzminister die Absicht, das umstrittene Steuerabkommen mit der Schweiz im Bundesrat geschlossen abzulehnen.
Vor knapp zwei Wochen hatte der deutsche Bundestag das umstrittene Steuerabkommen mit der Schweiz zwar gebilligt. Das Abkommen kommt aber nur zustande, wenn auch der Bundesrat, die LΓ€nderkammer, am 23. November zustimmt. Das dΓΌrfte schwierig werden, denn SPD, Linke und GrΓΌne halten das Abkommen fΓΌr unzureichend.