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Glice

Schweizer Kunsteis für die Malediven

Glice ist Eis, das keines ist. Auf Kunststoffplatten drehen Schlittschuhfans ihre Runden. Tropische Länder lieben es – und neu auch Automarken.

Andreas Güntert

<p>Bei warmen Temperaturen aufs Kunsteis vor dem Bundeshaus: Das ermöglicht der Gründer von Glice, Viktor Meier.</p>

Bei warmen Temperaturen aufs Kunsteis vor dem Bundeshaus: Das ermöglicht der Gründer von Glice, Viktor Meier.

Glice

Glice ist synthetisch hergestelltes Eis – ohne Kältetechnik. Die zusammensteckbaren Kunststoffpanels aus Schweizer Engineering machen Sportarten wie Schlittschuhlaufen, Curling oder Eishockey in jeder Klimazone möglich. Die Vorteile von Kunsteis ohne gefrorenes Wasser liegen auf der Hand: Die künstliche Eisfläche kann nicht schmelzen, zum Aufstellen vor Ort braucht es weder Kältetechnik noch Wasser – und die Gleitfläche ist bezüglich Anschaffung und Unterhalt günstiger als herkömmliches Kunsteis.

Wie funktioniert das? Darf man «Fake-Ice» sagen?

Glice besteht aus dem hochverdichteten Kunststoff Polyethylen. Diesem Granulat werden neben verschiedenen Silikonarten auch kleine, selbstschmierende Pellets beigemischt. Das gesamte Material wird unter hohem Druck und Hitze zusammengepresst und geschmolzen. So entstehen Kunststoffplatten, die zwar wie echtes Eis aussehen, aber ohne Kühlung auskommen. Auf dem Eisersatz kann man mit normalen Schlittschuhen gleiten. Den Begriff «Fake-Eis» findet Glice-Chef Viktor Meier «eher unwürdig».

Was kostet der Spass?

Glice-Chef Meier macht ein Beispiel anhand einer 200-Quadratmeter-Kunsteisfläche, wie sie kürzlich in einem Palazzo in Venedig für die Weihnachtszeit erstellt wurde. Mit allen Schikanen, also inklusive Mietschlittschuhen, Banden und Kufenschleifmaschine, kostet die Anlage 80'000 Franken. Wer ein solches Komplettsystem mieten will, bezahlt im ersten Monat 24'000 Franken, für jeden weiteren Monat sinken die Mietkosten. Die grösste je installierte Glice-Bahn befand sich auf dem Hauptplatz von Mexiko-Stadt, dem sogenannten Zócalo, und umfasste 4000 Quadratmeter – ein halbes Fussballfeld. Sie kostete 1,3 Millionen Franken.

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Andreas Güntert
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