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Olympiaprognose

Schweizer Athleten müssten eigentlich häufiger gewinnen

Mit wie vielen Medaillen das Schweizer Team in Rio rechnen kann, weiss Goldman Sachs. Dazu haben die Banker auch in die Vergangenheit geschaut. Allzu oft dürften die Fans nicht jubeln.

Marc Bürgi

Diese zehn Länder dürften in Rio am erfolgreichsten sein:Japan wird laut Goldman Sachs die zehntbeste Leistung liefern: Das Team dürfte mit 39 Medaillen aus Rio de Janeiro heimreisen, darunter sieben goldene.
Ungarn besetzt den neunten Platz. Die Ungarn haben Aussicht auf insgesamt 18 Medaillen. Das ist eine kleinere Ausbeute als jene Japans – dafür dürften die Ungarn acht Mal Gold gewinnen.
Italien ist auf Platz acht mit 28 Medaillen (acht Goldmedaillen).
Die Franzosen liegen mit 36 Medaillen auf dem siebten Platz. Sie dürften elf Mal Gold gewinnen.
Deutschland rangiert auf Platz sechs mit einer Ausbeute von zwölf Goldmedaillen. Insgesamt dürften deutsche Sportler 46 Mal aufs Podest steigen.
Südkorea liegt auf dem fünften Platz. 28 Medaillen winken der Sportnation, darunter 13 goldene.
Auf Platz vier liegt trotz des Doping-Skandals Russland. Goldman Sachs sagt der kritisierten Sportnation 14 Goldmedaillen und insgesamt 58 Podestplätze voraus.
Grossbritannien liegt auf Platz drei mit 59 Medaillen, darunter 23 Goldmedaillen. Holt Tennisstar Andy Murray (Bild) in Rio nach den Spielen in London zum zweiten Mal eine Goldmedaille?
China wird eine dominante Rolle einnehmen: Wenn die Prognose zutrifft, werden Chinesen 89 Medaillen gewinnen, darunter 36 goldene. Übertroffen dürften sie nur...
... von den USA werden. Diese liegen mit 106 Medaillen auf Platz eins. 45 Mal sollten die Amerikaner laut Goldman Sachs Gold holen.
Nicht unter die erfolgreichsten Nationen schafft es die Schweiz. Goldman Sachs sagten dem Schweizer Team fünf Medaillen voraus, darunter zwei Goldmedaillen.Bilder: Keystone
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RMS

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Die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro sind eröffnet. Auch über hundert Sportlerinnen und Sportler aus der Schweiz sind nach Brasilien gereist. Das Schweizer Team will in Brasilien noch besser abschneiden als in London: Vor vier Jahren hat die Equipe insgesamt vier Medaillen geholt, zwei Mal Gold und zwei Mal Silber.
Das Ziel ist sehr realistisch – zumindest aus Sicht von Goldman Sachs. Die US-Grossbank hat die Chancen der Teilnehmerländer analysiert, eine Medaille zu gewinnen. Den Schweizer Athleten traut sie fünf Medaillen zu, darunter zwei goldene.

Unsportliche Analyse

Sportliche Kriterien spielten bei dieser Untersuchung allerdings eine Nebenrolle: Die Autoren verglichen in erster Linie die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in den einzelnen Ländern. Auch die Grösse der Bevölkerung und die Leistung an vergangenen Olympischen Spielen beeinflussten die Bewertung. Die Banker verteidigen ihr Modell mit einer einfachen Begründung: Je besser die Bedingungen in einem Land sind, desto grösser sind die Chancen, dass sich dort gute Sportler entwickeln.
Viele Sportfans werden über eine solche nüchterne Analyse die Nase rümpfen. Doch die Einschätzung der Banker war bei den letzten Spielen in London erstaunlich präzise: So schreiben die Autoren, dass sie die elf Länder mit den meisten Medaillengewinnen korrekt voraussagten. Die Prognose für die Anzahl Podestplätze Grossbritanniens lag bei 65 – und genauso viele Medaillen konnte das Gastgeberland dann auch gewinnen.

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Amerika und China dominieren
Bei den Spielen in Rio werden demnach die Teams aus den USA und China dominieren. Die Amerikaner dürfen mit 106 Medaillen rechnen, China mit 89. Russland stellte die Autoren vor ein Problem: Schliesslich ist immer noch nicht ganz klar, wie viele Russen wegen des Doping-Skandals teilnehmen dürfen. Die Leichtathleten sind aber sicherlich ausgeschlossen. Unter dieser Bedingung kommt Russland in der Analyse auf Platz vier hinter Grossbritannien (Die zehn bestplatzierten Länder finden Sie in der Bildergalerie oben).
Neben den aktuellen Spielen interessierte die Banker auch vergangene Leistungen: Sie analysierten, wie viele Medaillen die Länder an den letzten vier Sommerspielen gewonnen haben – und ob diese Ausbeute der Bevölkerungsgrösse, dem Reichtum und dem wirtschaftlichen Potential der Länder entspricht.
Schweiz schlägt sich unter Wert
Für die Schweiz ist das Fazit niederschmetternd: Aus Sicht von Goldman Sachs gehört sie zu den Ländern, welche ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, wie etwa auch Australien, Griechenland, Israel oder Belgien. Russland, die USA, China und Japan gewinnen hingegen mehr Medaillen, als zu erwarten wäre.
Alles Wissenswerte rund um die Olympischen Spiele:

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In Rio kämpfen vom 5. bis zum 21. August Athleten aus aller Welt um Ruhm und Ehre. Vom Schweizer Team bis zu den Ticketpreisen: Alles Wichtige zu den Olympischen Spielen in Brasilien:
Die Schweizer Delegation für Rio umfasst 106 Athleten. Weitere 22 Sportler werden an den Paralympics teilnehmen.
Mit dem «House of Switzerland» ist auch Präsenz Schweiz am Zuckerhut dabei.
Die Schweizer Ruderer gehören zu den insgesamt rund 10'500 Athleten, die in...
... 41 Sportarten um Medaillen kämpfen werden.
Insgesamt sind 306 Goldmedaillen zu gewinnen: 161 für Männer, 136 für Frauen und 9 für gemischte Teams.
206 Nationen sind an den Olympischen Spielen vertreten. Zum x-ten Mal dabei ist das Team aus Grossbritannien, ...
... für andere Nationen ist es die erste Teilnahme. Kosovo (Bild) schickt ein achtköpfiges Team nach Rio. Ebenfalls eine Premiere feiern Südsudan und ein internationales Flüchtlingsteam.
Wohnen werden die Athleten im Olympiadorf «Ilha Pura», das Berichten zufolge seinem Namen «Reine Insel» aber kaum gerecht wird. In den 31 Hochhäusern stehen 19'000 Betten in 3604 Apartments bereit.
11'152 Klimaanlagen, 3604 Sofas und 120'580 Handtücher sollen den Athleten den Aufenthalt angenehm machen.
All das gibt es nicht gratis. Die Spiele kosten 11,4 Milliarden Franken. London vor vier Jahren war noch rund 1,3 Milliarden Franken teurer.
Allein für die Sportstätten wurden 1,9 Milliarden Franken ausgegeben.
Einen Teil der Kosten soll mit dem Ticketverkauf gedeckt werden. Insgesamt sind 7,5 Millionen Tickets für 700 Sportevents im Umlauf. Die billigsten Billete gibt es für 12 Franken, für die teuersten sind 364 Franken fällig. Noch mehr kosten...
... die Tickets für die Eröffnungszeremonie. Für die Kategorie A müssen 1397 Franken bezahlt werden. Dafür kann man die Show im Maracana-Stadion verfolgen, das insgesamt 78'838 Zuschauer fasst.
Die Wettkämpfe werden in 32 Orten in Rio und fünf externen Fussballstadien ausgetragen.
Für den reibungslosen Ablauf sorgen 70'000 Freiwillige und...
... 85'000 Sicherheitskräfte. Rund doppelt so viele wie in London.Bilder: Keystone / Quellen: Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer, Süddeutsche Zeitung, Swissolympicteam.ch, Olympia-lexikon.de, Brasilien.info
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