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Geldwäscherei

Razzia bei HSBC-Filiale in Genf

Nun greift die Schweizer Justiz ein: Nach der Swissleaks-Enthüllung eröffnet die Genfer Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen Geldwäscherei gegen die Grossbank HSBC.

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Im Visier der Staatsanwaltschaft: HSBC Schweiz.  Keystone RMS

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Ermittlungsbeamte der Genfer Justiz haben wegen des Verdachts auf Geldwäsche Büroräume bei der Schweizer Niederlassung der britischen Großbank HSBC durchsucht. Wie die Kantonsregierung am Mittwoch mitteilte, leitete die Staatsanwaltschaft in Genf wegen des Verdachts auf schwere Geldwäsche ein Strafverfahren gegen HSBC Private Bank (Suisse) sowie gegen Unbekannte ein.
Bei der Bank selbst sei eine Hausdurchsuchung vorgenommen worden. HSBC Private Bank wollte sich dazu nicht näher äussern. «Ich kann nichts dazu sagen», erklärte ein Sprecher in Genf.

Ausweitung auf individuelle Personen

Die Untersuchung könne sich möglicherweise auf individuelle Personen ausweiten, die verdächtigt würden, an Geldwäsche beteiligt zu sein, teilte die Behörde weiter mit. Eine Bank könne allein schon deshalb bestraft werden, weil sie Verstösse von Angestellten nicht durch geeignete Massnahmen verhindert habe. Verschiedene Medien hatten in den vergangene Tagen eine Steueraffäre bei HSBC Private Bank aufgedeckt.

HSBC-Chef Stuart Gulliver hatte sich daraufhin am Wochenende für die Versäumnisse bei der Schweizer Tochter entschuldigt. «Wir entschuldigen uns aufrichtig», schrieb Gulliver in einem ganzseitigen Brief, der in mehreren britischen Zeitungen am Sonntag veröffentlicht worden war.

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SwissLeaks»-Datensatz

Zahlreiche Medien hatten berichtet, HSBC habe in der Schweiz Wohlhabenden weltweit bei Steuerhinterziehung oder Geldwäsche geholfen. Das Recherche-Netzwerk ICIJ wertete eigenen Angaben zufolge einen als «SwissLeaks» bekannten Datensatz aus den Jahren 2006 und 2007 intensiv aus, der mehr als 100.000 Kunden mit einem Einlage-Vermögen von rund 100 Milliarden Dollar umfasst haben soll.
HSBC hatte bereits eingeräumt, es habe in der Vergangenheit Fehler bei der Aufsicht und der Durchsetzung von Regeln und Vorschriften bei der Schweizer Tochter gegeben. Inzwischen sei die Bank aber radikal umgebaut.
(reuters/ccr)
Verschiedene Stars und politische Berühmtheiten parkten Geld bei der HSBC Schweiz. Hier eine kleine Auswahl. Der uruguayische Fussballspieler feierte zahlreiche Erfolge und Auszeichnungen. Diego Forlán ist Rekordnationalspieler von Uruguay. Fortan besass zwei Kundenkonten bei der HSBC seit dem Jahr 2006.Bilder: Keystone
Flavio Briatore zählt durch seine Beziehungen und Affären mit bekannten Models zu den schillernden Persönlichkeiten. Ein Sohn ging aus der Beziehung des ehemaligen Formel-1-Managers mit dem deutschen Model Heidi Klum hervor. Flavio Briatore hatte neun Kundenkonten bei der HSBC, denen insgesamt 38 Bankkonten zugeordnet werden. Er parkte 73 Millionen Dollar bei der Bank.
Der jordanische König Abdullah II Ibn Al-Hussein genoss eine Ausbildung an der Kadettenschule der Militärakademie Sandhurst. König Abdullah II bin Al-Hussein gehörte seit 2006 zum Kundenstamm der HSBC. Er hatte dort drei Bankkonten mit einem Guthaben von 42 Millionen Dollar.
Der amerikanische Schauspieler Christian Slater ist bekannt durch zahlreiche TV-Serien und Filme wie «Robin Hood - König der Diebe» oder «Interview mit einem Vampir». Christian Slater führte von 1996 bis 1997 ein Kundenkonto bei der HSBC. Seine genauen Aktivitäten sind nicht bekannt.
Bahrains Scheich Salman bin Hamad Al-Khalifa nutze ebenfalls die Dienstleistungen der HSBC Schweiz. Er war seit 2001 Kunde bei der HSBC und hielt dort auf diversen Konten ein Vermögen von knapp 21 Millionen Dollar. Steuerhinterziehung ist ihm nicht nachgewiesen.
Der Sultan von Oman, Qaboos bin Said, figuriert ebenfalls auf der Kundenliste. In den 70er-Jahren vereinte er zwar den Golfstaat und schlug den Weg der Modernisierung ein. Er gilt aber als absoluter Monarch. Er sammelte zu 45 Millionen Dollar bei der HSBC. Der Sultan wollte sich zu den Konten nicht äussern. Gesetzesbruch kann ihm nicht nachgewiesen werden.
Der libanesisch-brasilianischer Bankier Edmond J. Safra arbeitete bis kurz vor seinem Tod für das Familienunternehmen. 26 Tage nach seinem Tod im Jahr 1999 wurde ein Bankkonto mit 4,6 Millionen Dollar von seiner Frau eröffnet. Dies ist nur eines von vielen Konten, welche die Safras bei der HSBC hatten.
Elias Murr ist der Verteidigungsminister von Libanon und setzt sich für eine sichere Welt ein. Sein Name wird ebenfalls mit einem Bankkonto bei der Schweizer HSBC in Verbindung gebracht.
Russland sucht den 47 jährigen belgisch amerikanischen Doppelbürger Kenneth Lee Akselrod wegen Diamantenhandel und Steuerflucht. Seine Spur führt auch zu einem Bankkonto in der Schweiz.
Ebenfalls gesucht wird der Belgier Mozes Victor Konig wegen grossangelegten Raubzügen und Waffenhandel. Auch er verfügte in der Vergangenheit über ein Bankkonto bei der HSBC.
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RMS

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