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Kalter Krieg reloaded im E-Commerce

Alibaba investiert in Russland – und der Kreml sitzt mit am Tisch. Damit entsteht gerade eine Art Online-Ostblock, um punkto E-Commerce den USA Paroli zu bieten.

Marcel Speiser, Ringier AG

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Jack Ma: Der chinesische MilliardΓ€r investiert in Russland – und setzt sich mit Vladimir Putin an den Tisch. Getty Images

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Manchmal formt die Wirtschaft die Politik. Lobbyisten schreiben Gesetze, globale Unternehmen entziehen sich lokalen Gesetzen, industrielle BedΓΌrfnisse prΓ€gen Umweltnormen. Und so weiter.

Manchmal aber ist es auch umgekehrt: Die Politik formt die Wirtschaft. Die aktuellen Verschiebungen der globalen KrΓ€fteverhΓ€ltnisse – Amerika isoliert sich unter PrΓ€sident Donald Trump, Europa beschΓ€ftigt sich fast ausschliesslich mit innenpolitischen Themen, Russland und China zementieren autoritΓ€re Regimes – beeinflussen Wirtschaft und Unternehmen. Protektionismus behindert Unternehmen, neue HΓΌrden fΓΌr den globalen Warenaustausch schaden der Weltwirtschaft. Und es bilden sich neue wirtschaftliche Allianzen, als Gegengewichte zu SupermΓ€chten aus dem feindlichen Lager.

Alibaba investiert in Russland – und der Kreml sitzt mit am Tisch

Ein hochaktuelles – und hochbrisantes – Beispiel dafΓΌr: Der chinesische Online-Gigant Alibaba, einziger globaler Konkurrent des US-Riesen Amazon, investiert in ein E-Commerce-Unternehmen fΓΌr den russischen Markt. Mit am Tisch: der kremltreue Oligarch Alisher Usmanov und der russische Staatsfonds. Also indirekt auch der russische PrΓ€sident Vladimir Putin.
Will heissen: China und Russland spannen zusammen, um punkto E-Commerce den USA – konkret Amazon – Paroli zu bieten. Die neue Partnerschaft hat Potenzial: Alibaba ist bereits heute ein dominanter Spieler in fast allen Segmenten des Retail – von Ramschwaren ΓΌber Elektronik und Mode bis hin zu LuxusgΓΌtern. Zudem das Unternehmen von Jack Ma in Sachen Mobile Payment ganz weit vorne dabei. Und es ist an fast allen chinesischen Entsprechungen grosser Silicon-Valley-Firmen beteiligt – unter anderem an Didi Chuxing, das in China mal eben Uber verdrΓ€ngt hat.

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Auch Usmanov ist ein sehr ernst zu nehmender Unternehmer. Und das nicht nur, weil er schwerreich ist, konkret mit einem VermΓΆgen von 14,4 Milliarden Dollar. Sondern weil er in Russland einflussreich ist: Ihm gehΓΆrt die Wirtschaftszeitung Β«KommersantΒ», er besitzt die meistgelesene News-Site Russlands, er kontrolliert Β«VKΒ», das russische Facebook mit rund 100 Millionen Nutzern, er beaufsichtigt den Investmentfonds der parastaatlichen Gasfirma Gazprom. Im Klartext:  Usmanov ist ein Mann, der seine geschΓ€ftlichen Interessen ohne Weiteres in der russischen Politik und in der russischen Γ–ffentlichkeit vertreten und verbreiten kann. Und so wie Alibaba politische RΓΌckdeckung durch die Regierung von Xi Jinping geniesst, bewegt sich Usmanov im Umfeld von Russlands PrΓ€sidenten Vladimir Putin wie ein Fisch im Wasser.

Ende der Geschichte? Nein! Sie scheint sich im Internet zu wiederholen

Es entsteht also gerade eine Art Online-Ostblock, der dem Online-Westen in Form von Amazon – die Amerikaner dominieren das E-Commerce-Business in Nordamerika und Europa – gegenΓΌber steht. Und wie damals im Kalten Krieg ist es absehbar, dass die BlΓΆcke ihre RivalitΓ€t um das Geld der Konsumenten nach Lateinamerika, Osteuropa und Afrika tragen werden. Das Ende der Geschichte ist vertagt.

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Über die Autoren
Marcel Speiser, Ringier AG
Marcel Speiser
Marcel Speiser ist Stv. Chefredaktor bei der Handelszeitung und arbeitet seit 1999 im Wirtschaftsjournalismus. Er gilt als Kenner der Uhrenindustrie und der LuxusgΓΌterbranche.

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