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Berninghaus akquiriert Probikeshop zum zweiten Mal

Die Migros verkauft ihren Anteil des Onlinefahrradhändlers Probikeshop. Das eigentlich Interessante hinter diesem Deal ist die Personenkonstellation.

Marc Kowalsky

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Dieter Berninghaus: Eine Tochter der österreichischen Signa Retail kauft Probikeshop.Philipp Rohner RMS

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Für die Medien war es nur eine Kurzmeldung: Die Migros verkauft ihren 51-Prozent-Anteil des Onlinefahrradhändlers Probikeshop an die deutsche Internetstores Holding GmbH. Das eigentlich Interessante hinter diesem Deal ist die Personenkonstellation: Die Internetstores Holding ist eine Tochter der österreichischen Signa Retail. Diese wird seit letztem September von Dieter Berninghaus geleitet. Die Migros hatte Probikeshop 2011 gekauft. Der Verantwortliche für den Deal damals: Handelschef Dieter Berninghaus.
Das Departement Handel wollte damals Erfahrungen mit einem Onlineanbieter im Non-Food-Geschäft sammeln. Der Kaufpreis von Probikeshop (damals zehn Millionen Franken Umsatz) habe etwa so viel betragen, «wie es kostet, ein neues Ladenkonzept zu testen», heisst es aus gut informierten Kreisen – also etwa drei bis vier Millionen. Geführt von Gründer Olivier Rochon und gecoacht von der Migros, erhöhte sich der Umsatz auf zuletzt 70 Millionen. Besonders in Südeuropa ist Probikeshop stark.

Verkauf war Migros-intern umstritten

2013 änderte Migros den Fokus im Non-Food-Onlinehandel jedoch auf das Inland mit der eben übernommenen Digitec Galaxus. Rochon empfand Migros seither nicht mehr als Best Owner und bat um den Verkauf. «Es war der Migros wichtig, dass ihr 49-Prozent-Partner, der die Firma aufgebaut hat und führt, in den Hafen kommt, in den er gerne möchte», sagt Stephan Fanderl, Managing Director bei Signa Retail. Dennoch war der Verkauf Migros-intern umstritten, Involvierte bezeichnen Probikeshop als «Perle». Letztlich setzten sich die Auslandskeptiker durch.

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Finanziell hat es sich gelohnt: Die Migros konnte ihren Einsatz ungefähr verzehnfachen. An dem Deal, administriert durch GCA Altium, war Berninghaus «in keinster Weise involviert», so Fanderl. «Das wäre gegenüber der Migros auch nicht fair gewesen.» Eine weitere Zusammenarbeit mit der Migros schliesst Fanderl nicht aus.
Das ist das «Who is who» im Schweizer Handelsgeschäft:
«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen im Handelsbereich:Stefan Butz: CEO DKSH, ZürichDKSH macht ein Drittel seines Umsatzes in Thailand. Eine Aufgabe für Butz wird es daher sein, die Anleger bezüglich Thailand zu beruhigen. Als König Bhumibol Adulyadej starb, verkauften viele aus Angst vor politischer Instabilität ihre DKSH-Anteile.
Ivan Glasenberg: CEO Glencore Xstrata Glencore hatte einen 41-Milliarden-Dollar-Schuldenberg angehäuft und verzeichnete 2015 einen Verlust von 8 Milliarden Dollar. Die Erholung verläuft schleppend. Anfang April konnte man 40 Prozent der Sparte Glencore Agricultural Products an einen kanadischen Pensionsfonds veräussern und den Schuldenberg um 2,5 Milliarden Dollar abbauen.
Morten Hannesbo: CEO Amag Jedes dritte in der Schweiz verkaufte Auto wird von der Amag importiert. Hannesbo ist mithin klar der Schweizer Autokönig. Dieser Titel ist durchaus berechtigt denn: 22 Prozent betrug der Marktanteil bei seinem Amtsantritt, heute sind es rund 30.
Mark Ineichen: CEO und Präsident Otto’sObwohl erst 45 Jahre jung, ist der Sohn des 2012 verstorbenen Firmengründers und FDP-Politikers Otto Ineichen bereits ein alter Hase im Schweizer Detailhandel.  Schon 2001 setzte er sich selbstbewusst in Vaters Chefsessel und experimentierte mit allerlei Discountkonzepten. Besonders erfolgreich ist er dabei mit dem inzwischen elfjährigen Billigstkonzept Radikal.
Florian Teuteberg: CEO und Co-Gründer  Digitec Galaxus  Seit 2015 hält die Migros die Mehrheit an Digitec Galaxus. Co-Gründer Florian Teuteberg spricht jedoch nicht gern darüber. Beobachtern ist längst klar, dass sein Unternehmen ohne die Hilfe des grössten Detailhandelskonzerns der Schweiz nicht auf knapp 700 Millionen Franken Umsatz gekommen wäre.
Beat Zahnd: Leiter Departement Handel Migros Zahnds neues Verantwortungsgebiet (Denner, Globus, Digitec etc.) spült 7,3 Milliarden Franken an Umsatz in die Migros-Kasse – mehr als ein Viertel der gesamten Gruppeneinnahmen. Lange galt Zahnd intern als bestmöglicher Nachfolger von Herbert Bolliger. Weil der amtierende CEO aber deutlich machte, dass er das Pensionsalter abwarten wolle, sanken die Chancen des 58 Jährigen. PR
Roland Brack: Gründer und  Inhaber Competec, Brack.ch Für Roland Brack zählt vor allem die Nachhaltigkeit.  Mit 200 Millionen Franken Umsatz ist Brack der fünft grösste Internethändler der Schweiz. Bilder: Keystone
Hansueli Loosli:Präsident Coop und SwisscomEr ist einer der mächtigsten Schweizer Manager. Vom KV-Stift in der Volg-Filiale stieg er zum obersten Verwaltungsmann von Swisscom, Coop und den Coop-Töchtern Transgourmet, Bell und Mineralöl AG auf. Damit sitzt er an den Schalthebeln der Schweizer Kommunikations- und Konsumwelt. Und als Mitglied des Vorstandsausschusses von Economiesuisse beeinflusst er zudem das Lobbying in Bern.Tomas Wüthrich/13 Photo
Martin Keller:CEO FenacoDer von Keller geführte Bauernkonzern kommt auf einen Umsatz von rund 6 Milliarden Franken. Die grosse Mehrheit der Bauern zappelt längst im Netz der Genossenschaft und ihrer über 80 Tochterfirmen mit 10'000 Angestellten. Im Düngerhandel beherrscht Fenaco 70 bis 80 Prozent des Schweizer Marktes, bei den Futtermitteln sind es mindestens 50 Prozent. François Wavre | lundi13
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«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen im Handelsbereich:Stefan Butz: CEO DKSH, ZürichDKSH macht ein Drittel seines Umsatzes in Thailand. Eine Aufgabe für Butz wird es daher sein, die Anleger bezüglich Thailand zu beruhigen. Als König Bhumibol Adulyadej starb, verkauften viele aus Angst vor politischer Instabilität ihre DKSH-Anteile. RMS

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