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Philippe Spicher: «Auch nachhaltige Aktien sind Aktien»

Der Chef der Nachhaltigkeitsrating-Agentur Inrate über die Zurückhaltung der Anleger, seine Lieblingsfirma und den Atomausstieg der Schweiz.

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BILANZ: Philippe Spicher, Anleger verschmähen Aktien, auch von nachhaltigen ­Firmen.

Philippe Spicher: Bei steigenden Risiken geht die Bereitschaft der Anleger, Risiken einzugehen, deutlich zurück. Dies ist derzeit der Fall und betrifft alle Aktien. Nachhaltige Aktien sind eben auch nur Aktien, sie bewegen sich daher mehr oder weniger mit der Marktentwicklung.

Spielen Nachhaltigkeitsüberlegungen bei Anlageentscheiden noch eine Rolle?

Durchaus. Für Nachhaltigkeitsanlagen spricht, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen tendenziell in einer besseren Ausgangsposition sind, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Immer mehr Investoren berücksichtigen dies in ihren Abwägungen.

Steht nicht einfach die Rendite im Vordergrund?

Nachhaltigkeits-Ratings bilden die ­Risikosituation aus der Perspektive der Nachhaltigkeit ab und liefern wertvolle ­Informationen für nachhaltigkeitsorientierte Anleger. Natürlich liegt der Hauptfokus eines Anlegers nach wie vor auf dem Rendite-Risiko-Charakter des Portfolios. Mittlerweile ist klar, dass man die gleichen Eigenschaften mit einem Nachhaltigkeitsportfolio erreichen kann.

Ihre liebste Nachhaltigkeitsfirma der Schweiz?

Geberit.

Weshalb?

Das Unternehmen hat seine Sanitärtechnikprodukte für sparsamen Wasser- und ­Energieverbrauch optimiert und während Jahren die ­Umweltverträglichkeit der Herstellungsprozesse verbessert. Die CO2-Emissionen pro Umsatz haben sich währungsbereinigt durch ein konsequentes Management der ­internen Prozesse um 9,4 Prozent verbessert. Zudem fördert Geberit benachteiligte Arbeitnehmende und Auszubildende.

Partner-Inhalte

Die Schweiz steht bei Länder-Rankings an der Spitze. Wie wirkt sich der Ausstieg aus der Kernenergie aus?

Der Ausstieg aus der Kernenergie wird sich in unserem Länder-Ranking erst auswirken, wenn die Stromproduktion aus Kernenergie tatsächlich abnimmt. Der Entscheid alleine wird nicht honoriert, sondern erst die Umsetzung.

Und die Kompensation durch Gaskraftwerke?

Der Ausstieg führt zwar beim Bau von Gaskraftwerken zu einer Zunahme der CO2-Emissionen pro Kopf, angesichts der geplanten Massnahmen aber höchstwahrscheinlich auch zu einem Ausbau der ­erneuerbaren Energien. Betrachtet man in diesem Fall die gesamten Umweltleistungen des Landes, so erhält ­die Schweiz nach wie vor eine Bestnote in unserem Ländervergleich.

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