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Novartis' US-Zahlung intressiert Schweizer Behörden

Michael Cohen
US-Anwalt Michael Cohen: Er war Trumps Vertrauensmann.Quelle: Keystone Images

Novartis’ Zahlung an Trumps Anwalt Cohen wird Thema für die Schweizer Behörden. Nun beschäftigen sich auch die Bundesanwaltschaft und die Behörden von Basel-Stadt damit.

Veröffentlicht 15.05.2018

Die Zahlungen von Novartis an Essential Consultants ist jetzt auch Thema für die Behörden in der Schweiz. Die Frage, wieso der Pharmakonzern die Firma von US-Präsident Donald Trumps Anwalt engagierte, beschäftigt die Bundesanwaltschaft und die Behörden von Basel-Stadt – sie stehen diesbezüglich im Austausch. Offenbar steht die Frage im Raum, wer für eine allfällige Untersuchung zuständig wäre. Ein Strafverfahren ist derzeit nicht im Gang, wie die Bundesanwaltschaft betont.

In den USA wird Novartis von der Politik unter Druck gesetzt. Senator Ron Wyden fordert bis Anfang Juni Antworten vom Pharmakonzern, wie «handelszeitung.ch» gestern berichtete. Aus Sicht von Wyden könnte Novartis mit diesen Zahlungen versucht haben, politische Entscheide zu beeinflussen. Er erwähnt dabei die 475'000 Dollar teure Krebstherapie Kymriah, die vergangenen Sommer von der US-Gesundheitsbehörde FDA bewilligt wurde

Millionenzahlung während eines Jahres

Novartis hat Essential Consultants nach eigenen Angaben für «Consulting- und Beratungsdienstleistungen im Zusammenhang mit der Aufhebung und dem Ersatz des Affordable Care Act» beauftragt, der US-Gesundheitsreform von Trumps Vorgänger Barack Obama.

Novartis zahlte während eines Jahres bis Februar 2018 total 1,2 Millionen Dollar an die Firma von Trumps Anwalt Michael Cohen. Novartis stellt den Auftrag als Fehler dar – der Konzern habe schnell gemerkt, dass die Firma die erhofften Dienstleistungen nicht erbringen könne. Weil Novartis nicht aus dem Vertrag aussteigen konnte, sei die Zusammenarbeit erst im Februar dieses Jahr beendet worden.

Auch der US-Sonderermittler Robert Muller interessierte sich für den Auftrag, und seine Mitarbeiter befragten Novartis im vergangenen November dazu. Muller geht im Auftrag des US-Kongresses der Frage nach, inwieweit Russland den US-Präsidentschaftswahlkampf beeinflusst hat. Novartis lieferte dem Büro des Sonderermittlers alle gewünschten Antworten und betrachtet die Anlegenheit als erledigt.

Schwarzer Peter für Vorgänger Jimenez

Die Affäre in den USA wirft ein schlechtes Licht auf den ehemaligen Novartis-Chef Joe Jimenez: Denn der Auftrag wurde laut Novartis in seiner Amtszeit vergeben. Der neue CEO Vas Narasimhan war damals noch nicht ernannt und deshalb in keiner Weise involviert, wie Novartis betont. Jimenez hat bis jetzt zu der Angelegenheit nicht Stellung genommen – es obliegt nun an seinem Nachfolger Narasimhan, Novartis wieder aus den Schlagzeilen zu bringen. Einen ersten Schritt dazu machte er vergangene Woche: In einem internen Mail an die Mitarbeiter entschuldigte sich der CEO und gab Fehler zu.

(mbü)

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