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Novartis: Reputationsrisiko

Vom Strahlemann zum Buhmann: ­Wendelin Wiedeking.

Novartis-Verwaltungsrat und Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking droht eine Anklage wegen Marktmanipulation.

Von Kristina Gnirke
18.10.2012

Porsche und die Schweiz – eine glückliche Beziehung. Hier kann die Autofirma auf loyale Kunden bauen. Selbst der unrühmliche Abgang des früheren Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking tat dem Image keinen Abbruch. Dieser hatte 2009 nach verlorenem Übernahmekampf mit Volkswagen gehen müssen. Nun bricht allerdings ein Gerichtsprozess über Wiedeking herein, der sogar einen Schweizer Grosskonzern betreffen könnte: das Pharmaunternehmen Novartis, in dessen Verwaltungsrat Wiedeking sitzt.

Wegen Marktmanipulation droht Wiedeking eine Anklage. Der Vorwurf: Er soll bei der VW-Übernahme durch falsche oder verschwiegene Informationen den Finanzmarkt getäuscht haben. Dubiose Optionsgeschäfte brachten Porsche damals an den Rand der Insolvenz; VW übernahm den Sportwagenbauer. Ab November erwarten Insider eine Anklage. Wiedeking drohen bis zu fünf Jahre Haft. Er weist die Anschuldigungen zurück, und bis Ende Oktober haben seine Anwälte Zeit, ihre Gegen­argumente erneut vorzubringen.

Novartis dürfte den Prozess genau ­beobachten. Sollte Wiedeking angeklagt oder gar schuldig gesprochen werden, wäre der Imageschaden gross und er kaum als VR zu halten. Novartis will jedoch keinen Kommentar dazu abgeben.

Unlängst rückte Wiedeking näher an die Schweiz heran. Im Juni siedelte er in Meggen LU die Vialino an, den Ableger eines italienischen Restaurantkonzepts aus Stuttgart, an dem er beteiligt ist. Wiedeking tobt sich als Investor aus: Er hält Anteile an einem Edelschuhmacher und einer PR-Firma, ist im Online-Reise­geschäft investiert und bei der Signa Holding des Kaufhof-Interessenten René Benko aus Österreich. Auch sitzt er im Beirat des Dübelherstellers Fischer im Schwarzwald. Teile seines Vermögens gehen zudem in Stiftungen für Kinder.

Auch für weitere Investitionen dürfte ihm genug Vermögen bleiben. Bei ­Porsche verdiente er zuletzt bis zu 90 Millionen Franken. Das Verwaltungsratssalär bei Novartis, wo er 2011 inklusive des Werts seiner Aktien am Pharmakonzern rund 530 000 Franken einstrich, ist ein schöner Zuverdienst – auch an ­Reputation. 

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