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Strategie

Mit «Geld-zurück-Garantie» zum besseren Image

Was wirkt, wird bezahlt: Novartis-Chef Joe Jimenez haucht am WEF einer alten Idee neues Leben ein. Hintergrund ist die angeschlagene Reputation der Pharmabranche und scharfe Worte aus den USA.

Die 47. Ausgabe des Weltwirtschaftsforums in Davos versammelt die Mächtigen der Welt:Für den Nobelpreisträger Juan Manuel Santos hat auch das WEF einen Preis: Klaus Schwab überreicht dem Präsidenten Kolumbiens den «Global Statesman Award».
Sheryl Sandberg
Bei Jamie Oliver ging es um eine gesunde und nachhaltige Essensrevolution.
Bundesrat Didier Burkhalter überreicht dem scheidenden US-Aussenminister John Kerry ein exklusives Buch.
Kämpferisch der Auftritt eines weiteren abtretenden US-Politikers. Vizepräsident Joe Biden verteidigt die liberale Weltordnung und kritisiert Russland in seiner Rede scharf.
Den Weg nach Davos hat die IWF-Direktorin Christine Lagarde ebenso gefunden wie...
... die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini.
Donald Trump gehört zu den Abwesenden am WEF. Sein Transition Team ist aber etwa durch Anthony Scaramucci vertreten.
Microsoft-CEO Satya Nadella ist einer von 836 Teilnehmern aus den USA, das damit die grösste Delegation am WEF stellt. Ebenfalls stark vertreten ist Grossbritannien mit 283 Personen.
Mary Barra, CEO von GM, zählt als Frau am WEF zur Minderheit. Nur gerade 21 Prozent der Teilnehmenden sind Frauen.
Stiglitz
Blaues Blut nach Davos bringen König Philippe von Belgien und seine Frau Mathilde. Sie treffen dabei auch auf den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
Hollywood ist vertreten durch Schauspieler Matt Damon, der am WEF für seine Stiftung Water.org weibelt. Für die Projekte rund um sauberes Wasser benötigen er und sein Team 55 Millionen Dollar an Spendengeldern.
Die Sängerin Shakira, die mit einem Preis ausgezeichnet wurde, sprach zum Thema Frühkinderförderung.
Bundespräsidentin Doris Leuthard trifft auf den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
Die Wirtschaftswelt ist vertreten durch Thomas Jordan (SNB-Präsident) und Axel Weber (UBS-Präsident).
Ebenfalls Platz auf der grossen Bühne nimmt CS-CEO Tidjane Thiam.
Das WEF bietet den Wirtschaftsgrössen auch die Möglichkeit für persönliche und informelle Treffen - etwa zwischen Adecco-CEO Alain Dehaze und Gewerkschaftsführer Philipp Jennings.
Davos ist im Ausnahmezustand: Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erneut erhöht.
Auftaktparty: Hollywood-Schauspieler Forest Whitaker (links) und die kolumbianische Sängerin Shakira bei den Crystal Awards am Abend vor der Eröffnung des Weltwirtschaftsforum in Davos.
Intensives Gespräch: Der frühere US-Vizepräsident Al Gore (links) und Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, bei den Crystal Awards.
Die deutsche Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter (rechts) bekommt einen Crystal Award von Hilde Schwab, der Frau des WEF-Gründers Klaus Schwab.
Noch-US-Vizepräsident Joe Biden spricht über die «Cancer Moonshot», eine Initiative der Obama-Regierung, ein Heilmittel für Krebs zu finden.
Ein Blick auf das tiefverschneite Dach des WEF-Kongresszentrums in Davos.Bilder: Keystone
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RMS

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Die Pharmaindustrie will ihr Imageproblem mit einer Art Geld-zurück-Garantie bekämpfen. Am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wirbt Novartis-Chef Joe Jimenez für ein neues Preissystem, bei dem Medikamente nur bezahlt werden, wenn sie wirken.
Die jüngsten Kontroversen über Medikamentenpreise hätten die bereits angeschlagene Reputation der Pharmaindustrie weiter geschädigt, schreibt Novartis-Chef Joe Jimenez in einem Gastbeitrag auf der Webseite des Weltwirtschaftsforums (WEF). Die Branche muss sich laut Jimenez stärker bemühen, zu zeigen, dass sie ihr Geld auch wert ist.

Geld besser einsetzen

Um das zu erreichen, schlägt der Chef des Basler Pharmariesen eine Änderung im Preissystem vor: Die Pharmaindustrie soll sich für die Wirksamkeit ihrer Therapien bezahlen lassen anstelle für die Zahl der verkauften Pillen. Die Idee von Jimenez ist nicht neu. Novartis und Roche haben den Vorschlag schon vor zwei Jahren aufs Tapet gebracht. Am WEF soll die Geld-zurück-Garantie für Medikamente am Mittwoch an einem Rundtisch diskutiert werden.
Heute gebe es eine riesige Verschwendung im System, schreibt Jimenez. Viele Dinge, die das Gesundheitswesen wertvolle Dollars kosteten, hätten nur eine geringe Wirkung auf den Patienten. «Wir müssen uns auf diejenigen Interventionen konzentrieren, die den höchsten Nutzen bringen.»

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Kurzfristige Kosten vs. langfristiges Denken

Eine Studie schätze, die Kosten im US-Gesundheitssystem könnten um einen Viertel gesenkt werden, wenn wirkungslose Behandlungen gestoppt werden könnten, schreibt Jimenez weiter. «Wir müssen den Fokus der Diskussionen auf den Wert und die Resultate lenken anstatt auf isolierte Kosten von Therapien.»
Die Pharmaindustrie ginge damit zwar ein höheres Risiko ein. Auf kurze Sicht könnten die Kosten eines solchen Systemwandels die Aktionäre beunruhigen. Aber um Nachhaltigkeit für das Gesundheitssystem zu erreichen, müsse man langfristig denken. Der Wechsel werde grössere Transparenz schaffen.

Gegenwind in den USA

Die Pharmaindustrie steht unter wachsendem Druck. Besonders in den USA waren die hohen Medikamentenpreise ein wichtiges Thema im jüngsten Wahlkampf. Die unterlegene Demokratin Hillary Clinton hatte sich den Kampf gegen den Wucher auf die Fahnen geschrieben. Auch Donald Trump, der am Freitag das Präsidentenamt übernimmt, verkündete jüngst, bei Medikamenten auf Preissenkungen zu drängen.
Bislang sind den Pharmakonzernen bei der Preissetzung in den USA kaum Grenzen gesetzt. Das führt zum Teil zu astronomisch hohen Preisen und regelrechten Eklats – etwa als bekannt wurde, mit welchem Aufschlag das Medikament EpiPen zur Behandlung allergischer Schocks von Mylan verkauft wurde.

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In der Schweiz überprüft der Bundesrat die Medikamentenpreise und legt diese anhand eines Vergleichs mit den Preisen im Ausland fest. Pharmaunternehmen haben zudem mit einer Beschwerde beim Bundesgericht gegen verfügte Preissenkungen erreicht, dass künftig bei der Überprüfung auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis mit jenem von anderen, ähnlichen Arzneimitteln verglichen werden muss.
(sda/jfr)

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