Guten Tag,
Maschinenbauer Mikron kommt nicht auf Touren. Die Retter haben nur halbe Arbeit geleistet.
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Sie kennen sich schon lange, helfen sich gegenseitig, sind beide erfolgreich und kΓΆnnten doch kaum unterschiedlicher sein: Johann Schneider-Ammann und Anton Affentranger.
Der zurΓΌckhaltende Schneider-Ammann hat sich als Wachstumsmotor des Langenthaler Familienunternehmens Ammann, als Investor und mΓ€chtiger PrΓ€sident des Maschinenindustrieverbandes Swissmem ausgezeichnet und ist nun zum Bundesrat mit eigener Autogrammkarte (maximal drei pro Besteller) avanciert. Unter den Regierungsmitgliedern bietet nur noch die Γ€hnlich attraktive Kollegin Doris Leuthard Autogramme via Postversand an.
Antonio, genannt Anton, Affentranger, ein flamboyanter Typ, hat aus Batigroup und Zschokke den grΓΆssten Schweizer Baukonzern, Implenia, geformt und zu hoher Gewinnkraft gefΓΌhrt. Zwei Mal wechselte er den Konzernchef aus und lockt mit Moritz Leuenberger einen Ex-Bundesrat in den Verwaltungsrat, legt sich ungestraft mit ΓΆffentlichen Auftraggebern wie der Stadt ZΓΌrich an und blockierte mit Implenia juristisch den Bau des neuen Gotthardtunnels, weil ein gegnerisches Konsortium den Zuschlag erhalten hatte, bis seinem Konzern EntschΓ€digungen zugesprochen wurden. So stramm gehen nicht viele vor.
Gemeinsam wehrten Schneider-Ammann und Affentranger den Angriff des britischen Hedge Fund Laxey auf Implenia ab; Laxey-Investmentdirektor Roger BΓΌhler holte sich dabei eine blutige Nase. 2003 stiegen sie, unter FΓΌhrung von Schneider-Ammann, beim Bieler Maschinenkonzern Mikron ein und retteten das ΓΌberschuldete Unternehmen per Kapitalspritze vor dem Konkurs β und damit die ArbeitsplΓ€tze in der Region.
Unbeachtet. Doch nicht einmal gemeinsam gelang es den beiden WirtschaftsgrΓΆssen, die ΓΌberschaubare Firma nachhaltig zu sanieren. Das KMU Mikron ist der Fleck auf den weissen Westen der Stars. Dass das nicht weiter auffΓ€llt, liegt vor allem daran, dass der Markt das Interesse an Mikron verlor. Nur noch eine einzige Bank, Vontobel, beobachtet mit ihren Analysten, was sich bei Mikron tut.
1991 war Schneider-Ammann in den Mikron-Verwaltungsrat eingetreten. Peter Forstmoser, Rechtsanwalt und Multi-Verwaltungsrat, sitzt seit methusalemischen 34 Jahren im Mikron-FΓΌhrungsgremium. Beide hatten also bereits die erste Sanierung von Mikron Mitte der neunziger Jahre, nach einer schweren Rezession in der Maschinenindustrie, erlebt. Vielleicht trug diese Erfahrung dazu bei, dass sie 1999 einem Abenteuer zustimmten: Unter dem VerwaltungsratsprΓ€sidenten und IBM-Topmanager Hans Ulrich MΓ€rki ΓΌbernahm Mikron erst die skandinavische Iplast, spΓ€ter die hollΓ€ndische Axxicon und diversifizierte damit in den Produktionsmarkt fΓΌr Plastikteile von Mobiltelefonen. 2001 sprang jedoch Hauptkunde Ericsson ab, Ende 2001 beliefen sich die Schulden auf 350 Millionen Franken. Daraufhin verlangten die kreditgebenden Banken, dass das KerngeschΓ€ft, die Maschinenbausparte, verkauft wird. Aber aufgrund der Unsicherheiten waren bereits zu viele Kunden abgesprungen. Kein Investor wollte einsteigen.
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Β«Ich lasse es einfach nicht zu, dass der Werkplatz Schweiz in meinen Unternehmungen abgebaut wirdΒ», sagte Schneider-Ammann 2003, ein fΓΌr Β«Mister WerkplatzΒ» typisches Statement. Er trommelte eine Gruppe Einheimischer zusammen, die runde 100 Millionen fΓΌr eine Kapitalspritze bei Mikron bereitstellte: allen voran Schneider-Ammann selbst mit seiner Familie; sie allein schossen rund 50 Millionen ein. Weitere Geldgeber waren Anton Affentranger, SFS-Chef Heinrich Spoerry, der Baselbieter Financier und ehemalige Straumann-PrΓ€sident Rudolf Maag sowie Jacob Schmidheiny. Schneider-Ammann avancierte zum VerwaltungsratsprΓ€sidenten. Zusammen hΓ€lt die Gruppe nach der Bilanzsanierung gut 70 Prozent des Kapitals. Ihre Zusammensetzung ist bis heute unverΓ€ndert: Den ΓΌber fΓΌnf Jahre laufenden AktionΓ€rsbindungsvertrag, den die Gruppe 2003 schloss, verlΓ€ngerte sie bis 2011.
Erfolg kann es nicht gewesen sein, was die Investoren zum Bleiben veranlasste. Mikron hat ein problematisches GeschΓ€ftsmodell. Zwar sind ihre Β«TransfermaschinenΒ» spezialisierte Hightech-Produkte: Sie greifen WerkstΓΌcke, die mehrere Bearbeitungsschritte benΓΆtigen (beispielsweise wird zunΓ€chst ein Gewinde eingefrΓ€st, dann wird geschliffen, an der gegenΓΌberliegenden Seite gebohrt und gesΓ€gt). Diese Teile transportiert die Maschine von einer Bearbeitungsstation zur nΓ€chsten. Allerdings fΓ€llt in diesem GeschΓ€ft viel Aufwand an, dem jeweiligen Kunden die Maschine masszuschneidern β das bedeutet hohe Kosten fΓΌr Mikron bei eher geringen StΓΌckzahlen, also kaum Economies of Scale. Und das Β«schmΓ€lert die Margen. Auch in guten Zeiten waren die meist nur im tiefen einstelligen BereichΒ», sagt Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research bei der Bank Vontobel.
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Zudem war die Sanierung, die Schneider-Ammann als PrΓ€sident einleitete, finanziell schmerzhaft. Mikron sollte sich auf das KerngeschΓ€ft der Bearbeitungs- und Montagesysteme konzentrieren. Daher zog sich die Firma aus einem Joint Venture mit dem Handyzulieferer Balda zurΓΌck, den GeschΓ€ftsbereich Formenbau, im Wesentlichen Axxicon, stiess Mikron 2004 ab β fΓΌr 42 Millionen Franken. Bezahlt hatten die Schweizer beim Kauf drei Jahre zuvor 124 Millionen. Das Management des Bereichs ΓΌbernahm die Sparte.
VerschΓ€mt. 2005 verkaufte Mikron einen weiteren Konzernbereich, wiederum quasi intern: Plastics Technology. Γber den Deal geben sowohl die Firmenchronik Β«Mikron 1908β2008Β» als auch die GeschΓ€ftsberichte nur verschΓ€mt Auskunft. Die Chronik nennt nicht einmal die Namen der KΓ€ufer des Spin-off. Dabei waren diese Mikron freundschaftlich verbunden: Mehrere Investoren, darunter Schneider-Ammann, und Divisionsleiter JΓΆrg Hotz waren an Bord, dazu Maag und Philippe Sarasin, im Zentrum aber stand Mikron-GrossaktionΓ€r und VizeprΓ€sident Anton Affentranger.
28 Millionen betrug der Kaufpreis, gemΓ€ss einer dΓΌrren Aussage im GeschΓ€ftsbericht habe kein hΓΆherer Preis erzielt werden kΓΆnnen: Potenzielle KΓ€ufer hΓ€tten wegen der schwachen vorhergegangenen Jahre zurΓΌckgezuckt. 2005 allerdings schrieb Plastics operativ wieder schwarze Zahlen und brachte immerhin rund 130 Millionen Franken Umsatz und 700 Mitarbeiter auf die Waage. Abschreibungen fΓΌhrten dazu, dass Mikron durch den Verkauf unter dem Strich einen Buchverlust von rund 26 Millionen verkraften musste.
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2006 benannte sich die Sparte in Forteq um. GeschΓ€ftsergebnisse oder Einzelheiten zum Aktionariat verΓΆffentlicht Forteq seitdem keine mehr.
Wer nach Stellungnahmen zu den Deals und den Zukunftsperspektiven von Mikron fragt, lΓ€uft gegen Mauern. Dass Schneider-Ammann, der sich persΓΆnlich aus dem Unternehmen Mikron zurΓΌckgezogen hat und nun als Bundesrat amtiert, nichts sagen will, ist noch am ehesten nachvollziehbar.
Nur Investor? Aber auch Affentranger, heute ΓΌber seine Holdings Cima und Transmission Technologies offenbar HaupteigentΓΌmer von Forteq und weiterhin bei Mikron GrossaktionΓ€r, hΓ€lt sich bedeckt: Β«Ich bin nur Investor.Β»
Und Heinrich Spoerry, seit 2001 im Verwaltungsrat und seit Schneider-Ammanns Wahl in den Bundesrat Mikron-PrΓ€sident, will sich erst im MΓ€rz 2011 Γ€ussern, wenn der Jahresabschluss vorliegt.
Dass angesichts der Β«enormen DurststreckeΒ», die der Schweizer Maschinenbau hinter sich gebracht hat, das Resultat fΓΌr 2010 besser aussehen dΓΌrfte, ist klar: Allgemein Β«sehen wir derzeit von einer sehr tiefen Basis aus hohe Wachstumsraten bei den BestelleingΓ€ngenΒ», sagt Vontobel-Analyst Spiliopoulos.
Sogar Spoerrys Funktion zeigt eines der Probleme von Mikron: Als PrΓ€sident ersetzt er zugleich den CEO β auf diesen Posten verzichtet Mikron, weil die beiden verbliebenen Konzernsparten kaum Γberschneidungen aufweisen. Also agieren sie weitgehend unabhΓ€ngig und suchen kaum nach kostensparenden Synergien.
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Die Investoren mΓΆgen bei der Rettung von Mikron die besten Absichten gehabt haben β was Schneider-Ammann als VerwaltungsratsprΓ€sident nicht mehr geschafft hat, ist, dem Unternehmen eine grundlegende Neuausrichtung, ein erfolgversprechendes GeschΓ€ftsmodell einzubauen. Seine Wahl in den Bundesrat im September erzwang den RΓΌckzug aus Mikron; AktionΓ€r bleibt seine Familie, er selbst gab Anteile und Amt ab.
Anton Affentranger hatte sich bereits zuvor operativ verabschiedet: AnlΓ€sslich der Generalversammlung 2010 trat er vΓΆllig ΓΌberraschend und ohne Angabe von GrΓΌnden aus dem Verwaltungsrat zurΓΌck.
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