Daniel Vasellas Salärexzesse einen die Politik: Unverständnis hüben wie drüben. Schwer tut sich dagegen die «NZZ». Während zuletzt fast alle Zeitungen mit Vasellas 72-Millionen-Paket aufmachten, war es der «NZZ» auf der Front nur 13 Zeilen wert. Statt einer kritischen Aufarbeitung habe Vasella «Schadenbegrenzung» in einer «späten Flucht nach vorn» betrieben, heisst es. Und als Vasella Ende Januar seinen Abgang ankündigte, kommentierte das Blatt unter dem Titel «Brillanter Konzernchef – und Reizfigur par excellence», Vasellas «Hartnäckigkeit, mit der er diese Hochlohn-Position stets vertrat», sei fast schon «bewundernswert» gewesen.

Der langjährige «NZZ»-Wirtschaftschef und heutige Direktor des Think Tanks Avenir Suisse, Gerhard Schwarz, begleitete die Salärdiskussion der Topmanager über Jahre mit weit spitzerer Feder. Die «prall gefüllten Taschen der Manager» seien «insofern ein Ärgernis, als sie in vielen Fällen von einem Verlust der Bodenhaftung begleitet werden», schrieb er im Februar 2004, und im April 2006 meinte er: «Die Empörung bleibt, weil viele Argumente der Spitzenverdiener heuchlerisch sind.»

Mit Galenica-Präsident Etienne Jornod wird im April ein Topverdiener ins «NZZ»-Präsidium gewählt. Jornod erhielt 2012 für fünf Jahre im Voraus Aktien im Wert von über 20 Millionen Franken. Thomas Minder, Vater der Abzocker-Initiative, hievte Jornod darob auf die Liste der 32 «grössten Abzocker» – zusammen mit Vasella. Die «NZZ»-Feder dürfte weiterhin stumpf bleiben.

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