Für die einen steht McDonald's für den berühmten Big Mac und schnelles Essen – bei anderen für tonnenweise Abfall und lärmendes Partyvolk. Vor 50 Jahren eröffnete das erste Restaurant der US-Kette in Genf. Bis heute sind es 190 Fast-Food-Filialen geworden. Der Expansionshunger ist noch nicht gestillt. «In den nächsten zwei Jahren werden wir unsere 200. Filiale eröffnen», sagt Lara Skripitsky (54), Chefin bei McDonald's Schweiz, im Gespräch mit Blick. Für dieses Jahr sind vier bis sechs neue Restaurants geplant: Das nächste eröffnet in Lamone TI.
Laut Skripitsky ist McDonald’s bei Schweizerinnen und Schweizern äusserst beliebt. Pro Tag zählt die Chefin rund 275’000 Gäste in ihren Restaurants. Dennoch will niemand ein Fast-Food-Restaurant in der Nachbarschaft haben. Beispiele: In Zürich laufen Anwohner aktuell gegen zwei geplante McDonald's-Restaurants Sturm: eine am Bahnhof Stettbach sowie eine zweite in der Zürcher Altstadt. Mit Petitionen wollen die Betroffenen die Eröffnung verhindern, eine davon hat das Ziel von 2000 Unterschriften fast erreicht.
Die grösste Furcht der Petenten: Abfall und Lärm im ganzen Quartier. Schliesslich hat der Burgerbrater vor allem in der Ausgehstadt Zürich bis tief in die Nacht geöffnet und ist bei Partygängern auf dem Heimweg besonders beliebt.
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Von Einsprache zur Eröffnung
«Einsprachen in der Schweiz gehören halt einfach dazu», sagt Skripitsky, als Blick sie auf den Widerstand anspricht. Man respektiere diese demokratischen Prozesse. Gemeinsam mit dem jeweiligen Franchisenehmer, unter dessen Regie die McDonald's-Filiale läuft, führt das Unternehmen in der Region Gespräche mit den lokalen Behörden. «Dadurch können wir gemeinsam Lösungen finden und so schliesslich zur Eröffnung übergehen», so die Schweiz-Chefin.
Blick weiss aus der Immobilienbranche: Wenn McDonald's einen Standort unbedingt will, gehen dessen Verantwortliche in Verhandlung mit der Nachbarschaft. Eine «gemeinsame Lösung» kann so aussehen, wie ein Beispiel aus der Vergangenheit zeigt.
Eine Einsprache eines Anwohners etwa wurde aus der Welt geschafft, indem man der Person eine deutliche Erhöhung der Mauer seines Grundstücks zum potenziellen McDonald's-Standort finanziert hat. Der Nachbar fürchtete weniger den Lärm – umso mehr aber die neugierigen Blicke der Restaurantgäste auf seinen Pool, in dem er nackt zu baden pflegte.
Wegen des grossen Mitspracherechts der Schweizer Bevölkerung dauert es hierzulande von der Planung bis hin zur Eröffnung des Restaurants oft länger als im Ausland. «Die Eröffnung ist schon innerhalb eines Jahres möglich, wie Beispiele aus Zug oder Brugg zeigen. Aber das ist eher die Ausnahme», bestätigt Skripitsky.
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Im Fricktalcenter gleich neben der Autobahn A3 ist bereits seit über einem halben Jahr ein Baugesuch von McDonald's hängig. Die Mietverträge von mehreren Läden wie auch einem asiatischen Imbiss wurden deswegen nicht verlängert. «Wir haben 20 Jahre lang hier unsere Existenz aufgebaut – und müssen nun den Amis weichen!», ärgerte sich Geschäftsführer Ferhat Teke von einem der betroffenen Shops vor ein paar Wochen im Blick.
Mitarbeitende sammeln Müll ein
«Für uns geht es vor allem darum, ein guter Nachbar zu sein», versucht Skripitsky die Wogen zu glätten. Insbesondere in Sachen Sauberkeit greife McDonald's durch. Bei jedem Restaurant führen die Angestellten täglich Reinigungsrunden durch, wobei rund um die Filiale Abfall aufgesammelt wird. «Wir sammeln dann einfach alles ein – nicht nur McDonald's-Verpackungen», sagt die Chefin.
Ob das reicht, um die Gunst der Anwohnenden zu gewinnen? Die Expansion soll weitergehen. «Wir sind immer auf der Suche nach neuen Franchisenehmerinnen und -nehmern, weil wir wachsen wollen», so Skripitsky, die aktuell mit 45 verschiedenen Franchisenehmern zusammenarbeitet. Einsprachen werden wohl auch in den nächsten 50 Jahren zu ihrem Geschäft gehören.