Julius Bär übernimmt die Privatbankeneinheit der UBS. Damit hat kaum einer gerechnet. Hans de Gier wird Chef der neuen Bank Bär. Damit hat erst recht keiner gerechnet. Doch der enge Freund von Marcel Ospel verdrängte Alex Widmer, der für diese Funktion eigentlich gesetzt war. Von der Familie verbleibt nur noch VR-Präsident Raymond Bär in der Bank.

1980 trat de Gier beim Schweizerischen Bankverein (SBV) in London ein. Damals sein Kollege: Marcel Ospel, heute UBS-VR-Präsident. Gemeinsam bauten sie das Auslandsgeschäft und das Investment-Banking auf. Dazu gehörte auch die spektakuläre Übernahme der S.G. Warburg. 1991 wurde der Holländer bei der SBV der erste Ausländer in der Konzernleitung. Bei der Fusion von SBV und UBS 1997 war Hans de Gier einer der Architekten im Hintergrund.

Wohlwollende Kollegen bezeichnen ihn als charmant, witzig und umgänglich, als brillanten Denker mit Blick für das Wesentliche. Weniger wohlwollende Kollegen bezeichnen ihn als gelegentlich arrogant, als einen, der zu wenig arbeite und sich zu wenig mit Kunden abgebe. Seine harte Seite zeigte de Gier 1998, als er als CEO von Warburg Dillon Read das Investment-Banking mit jenem der alten UBS zusammenlegen musste. Der von vielen als Integrationsfigur geachtete Manager entpuppte sich als «knallharter Rationalisierer», sagt ein Ex-Konzernleitungsmitglied. Seine härteste Zeit erlebte de Gier 1998: Nach dem Hedge-Fund-Debakel der LTCM und misslungenen Aktienderivatgeschäften, die als Altlast von der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) übernommen worden waren, fuhr seine Warburg Dillon Read eine Milliarde Franken Verlust ein. Ein Jahr später ging de Gier, damals 55, in Rente.

Doch er blieb VR-Mitglied der UBS Warburg. 2001 wurde er gar Vizepräsident der UBS und damit wichtigster strategische Berater von Ospel, bis dieser ihn als Präsident der Privatbankengruppe einsetzte. Und er gab ihm gleich noch eine weitere Aufgabe mit auf den Weg: die Privatbanken zu verkaufen oder ein IPO durchzuführen. So klopfte der 61-Jährige bei diversen Geldinstituten in der Schweiz an, unter anderem bei Sarasin, Pictet und Bär.

Die Verbindung zwischen UBS und Bank Bär ist indes nicht neu. Von 1983 bis 1999 kontrollierte die UBS 6,3 Prozent der Bär-Stimmen. Übernahmegerüchte gab es immer wieder. «Das Gebäude der UBS liegt ja quasi um die Ecke, so traf man sich fast jeden Tag», erinnert sich Hans J. Bär, damals VR-Präsident von Julius Bär und heute im Ruhestand. Verbindungsmann war damals Stephan Haeringer, heute Vize-VR-Präsident der UBS. Wie gut die neue Verbindung Bär–UBS funktioniert, ob die nach dem Deal zu erwartende Kundenabwanderung gestoppt werden kann und neue Märkte erschlossen werden, hängt heute freilich davon ab, wie gut das eingespielte Duo Hans de Gier/ David Solo mit Alex Widmer harmoniert.

Die UBS-Connection

Die UBS wird bei Bär nicht nur dank dem 21,5-Prozent-Anteil mitzureden haben, sondern auch dank der Entourage, die de Gier mitbringt: etwa David Solo (40), bisher Chef der UBS-Fondsgesellschaft GAM. Bei SBC Warburg arbeitete der Ziehsohn Ospels schon unter de Gier als COO. Die beiden ergänzen sich: hier der hochintelligente Schnelldenker, dort der bedächtige Stratege und gewiefte Diplomat. Neuer VR-Vize wird Georges Gagnebin, Ex-Private-Banking-Chef der UBS. Er war es, der Ende Mai bei einer Bankierveranstaltung den Kontakt zu Raymond Bär hergestellt hat. Ex-CS-Mann Alex Widmer, eigentlich als CEO vorgesehen, muss sich mit dem Private Banking begnügen. Laut Gerüchten wird er in zwei bis drei Jahren die Nachfolge de Giers übernehmen, hätte er doch sonst die Degradierung nicht in Kauf genommen. Bereits jetzt nimmt er eine Schlüsselrolle ein: Seine Fähigkeit, in Asien neue Klientel anzuziehen, ist für die Entwicklung und damit die Unabhängigkeit der Bank entscheidend. Auch für Antoinette Hunziker mündet der Deal in einer Degradierung. Die Handelschefin scheidet aus der Konzernleitung aus. Ihr Trost: Die Schweizer Börse SWX hat sie eben als VR-Präsidentin nominiert.

Der Loyale

Hans de Gier ist vermutlich der einzige UBS-Topmanager, zu dem Marcel Ospel eine wirklich enge Beziehung geknüpft hat. Ihre Karrieren verlaufen erstaunlich parallel. Wann immer Ospel eine Top-Position erreichte, zog er de Gier mit. Markus Granziol, Joe Grano, Luqman Arnold, Gary Brinson – mit vielen UBS-Kollegen hat sich Ospel irgendwann verkracht, weil sie ihm zu dominant geworden sind. Nicht so de Gier. Er hat, so heisst es, keine grossen Machtansprüche, kann gut zuhören und ist sehr loyal. Für Ospel würde er durch dick und dünn gehen. Jobs hat er nicht aus Karrieregründen angenommen, sondern weil er sich für die Sache interessierte. Darum wurde er nie zu einem Konkurrenten Ospels. Der Schweizer und der Holländer sind zudem wesensverwandte Typen: Beide sind Bonvivants.

Der Naturliebhaber

De Gier studierte in Amsterdam Rechtswissenschaften. Noch heute sitzt er im Advisory Council seiner Alma Mater, zusammen mit dem pensionierten Finanzminister der Niederlande Onno Ruding und Pieter Korteweg, ehemals Präsident und CEO der Robeco Group. De Gier hat zwei erwachsene Kinder. Er ist kein Partygänger, liebt die Natur und besitzt ein Landgut in Südafrika. Er liebt die flämische Malerei (Rembrandt) und ist Gönner der National Gallery in London.

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