Die Hänge sind stotzig, der Talboden ist eng und schattig sowieso. Hier in Schwanden, im Glarner Hinterland, wo knorrige Föhren und schrullige Bergler die Szenerie beherrschen, ist eine Firma zu Hause, deren ­Renommée international anerkannt ist: die Inauen-Schätti AG. Das Familienunternehmen nimmt eine führende Position im Segment der Seilbahnen für bis zu 15 Personen ein. Es projektiert, baut und montiert aber nicht nur Seilbahnen auf der ganzen Welt. «Wir machen auch reine Montagen, die risikoreich und anspruchsvoll sind», sagt Bruno Inauen. Das Unternehmen hat sich überdies in verwandten Bereichen ganz unterschiedliche Geschäfts­fel­­­der aufgebaut.

Inauen-Schätti zählt zu den innovativsten Metallbauern der Schweiz. Sind Sonderlösungen gefragt, so ist Schwanden eine der ersten Adressen. Beispiele gibt es genug. So wollte Papst Johannes Paul II. für die Sixtinische Kapelle eine mobile Orgel – während der Öffnungszeiten der Sixtina sollte das Instrument entfernt werden können. Inauen-Schätti lieferte die massgeschneiderte Lösung und baute dazu ein treppengängiges Orgel-Transportgefährt. Für die Sanierung des Stuttgarter Fernsehturms – eine weitere knifflige Massarbeit – zog Inauen-Schätti das 40 Tonnen schwere Montagegerüst an Drahtseilzügen auf 150 Meter hoch. «08/15-Montagen machen wir nicht», sagt Bruno Inauen, der die Firma mit seinem Bruder Arno besitzt und leitet. Arno, der Ingenieur ETH, fungiert als CEO, und Bruno wickelt die Spezialmontagen und Grossaufträge ab.

AFFINITÄT ZU DRAHTSEILEN. Zum Kerngeschäft, dem Daily Business, zählen vielerlei Bereiche. So baute die Firma für St.  Petersburg Schwerlastwinden, die 20 Tonnen bewegen können. «Es gibt nicht viele Firmen, die solche Apparate bauen», sagt Bruno Inauen. Ein Kabelkran mit einer Traglast von zehn Tonnen ist auf La Réunion in­stalliert. Materialseilbahnen mit bis zu 20 Tonnen Nutzlast im Hochgebirge bis auf 3500 Meter sind eine weitere Spezialität. Eine solche hat Inauen-Schätti etwa zur Erweiterung des Kraftwerks Cleuson-Dixence in Nendaz gebaut.

Die Affinität der Glarner zu Drahtseilen ist unübersehbar. Die Firmenchefs spielen denn auch gern mit diesem Wort. «Inauen-Schätti ist Ihre Seilschaft», kalauert etwa Arno Inauen in der hauseigenen Broschüre. Im harten Tagesgeschäft des Seilbahnbaus erhält dieser Spruch freilich noch eine zusätzliche Dimension. Monteure, die 30 Meter über dem Boden Seilbahnköpfe montieren, müssen sich auf ihre «Seilschaft» absolut verlassen können. Präzision und Durchhaltevermögen auch unter widrigen Umständen werden da gefordert «In der Montage», sagt Bruno Inauen, «haben wir nur Bergler angestellt. Städter können wir dazu nicht brauchen.»

Die Schwandener werken aber nicht nur im Gebirge. Die Masoala-Halle im Zürcher Zoo etwa wurde ebenso von Inauen-Schätti montiert wie das Wembley-Sta­dion in London und die Seilkonstruktion im Flughafen von Singapur. Insgesamt managen Inauens sechs Hauptgeschäftsfelder – neben den Personen- und Materialseilbahnen und der Spezialmontage sind dies Schrägaufzüge, ein entwicklungsfähiges Geschäft im Luxusbereich, der Stahlbau und die Lawinenwächter, mit denen per Knopfdruck kontrolliert Lawinen zum Schutz von Strassen und Skipisten ausgelöst werden können.

«Wir suchen immer auch nach neuen Umsatzchancen», sagt Bruno Inauen. Das Geschäft sei doch recht zyklisch, und Seilbahnen würden nicht zuhauf gebaut. So setzt die Firma immer wieder auf Innovation. Sie entwickelte einen Bergungslift für Vergnügungsbahnen, und in Kanada hat sie den Prototyp eines Rettungslifts für Bohrtürme montiert, in den sich das Personal im Gefahrenfall in Sicherheit begeben kann. Sechs weitere Anlagen sind schon bestellt. Aber auch die unterirdischen Kabelverlegungsanlagen und der jüngste Auftrag der SBB für 550 Antennenmasten unterlegen die Innovationskraft der Glarner.

RASANTES WACHSTUM. Dass es bei diesen Volumen auf den bestehenden 8500 Quadratmetern eng wird, ist evident. «Jetzt projektieren wir eine neue Fabrik», sagt Inauen. Wo diese dereinst stehen wird, ist noch nicht entschieden. Die Personalprobleme im Glarner Hinterland sind jedenfalls alarmierend. «Wir haben zwar eine hervorragende Belegschaft, aber viele werden bald pensioniert», so Inauen. Nun rekrutiert er Stahlbauer im Osten Deutschlands. Die Firma ist in den letzten Jahren schnell gewachsen, sie platzt aus allen Nähten. Erst 1991 ist sie mit 20 Mitarbeitern gestartet – nun sind es 65 bei einem Umsatz von 18 Millionen Franken. 35 Prozent der Produktion gehen ins Ausland. Expandiert hat die Firma auch durch Übernahmen. 1997 wurde die Streiff Seilbahn AG ebenfalls aus Schwanden mit 40 Mitarbeitern integriert. Zehn Jahre später kaufte Inauen-Schätti den Schräglifthersteller NSD Lift AG in Dallenwil NW. Produziert wird an beiden Orten mit minimaler Belegschaft. Am Hauptsitz sind 30 Mitarbeiter in der Montage beschäftigt, 15 in der Arbeitsvorbereitung sowie im Verkauf und 10 in der Planung. In der Fertigung hingegen arbeiten lediglich 12 Fachleute. «Im Sommer», sagt Inauen, «stellen wir für die Montage jeweils 20 bis 30 Freelancer an.» Denn der Ursprung der Firma liegt im Freien.

Inauen-Schätti AG

Firmenname: Inauen-Schätti AG
Hauptsitz: Schwanden GL
Umsatz: 18 Millionen Franken
Angestellte: 65
Produktionsstandort: Schweiz
Exportanteil: 35 Prozent
Produkte: Seilbahnen, Schräglifte, Spezialmontagen, Lawinenwächter

Zum BILANZ-Dossier "KMU"

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