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KMU-Serie: Auf feuerfestem Grund gebaut

Mit klugen Zukäufen und innovativen Produkten hat sich Bernhard Alpstäg ein Baustoffimperium ­gezimmert – und trotzt damit selbst Katastrophen.

Von Harald Fritschi
18.07.2008
Die Pfingsttage des vergangenen Jahres werden Bernhard Alpstäg noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Das ganze Wochenende stand im Zeichen hektischer Schadensbegrenzung, nachdem ein Grossbrand am Freitagabend vor Pfingsten die Swisspor-Gebäude am Standort Stein­hausen in Schutt und Asche gelegt hatte. Herzstück des Geländes, auf dem sich auch die Logistikzentrale des Baustoffherstellers für die Deutschschweiz und das Tessin befand, war eine Produktionshalle, die Alpstäg vor mehr als 30 Jahren hatte errichten lassen. Zuletzt produzierten seine Mitarbeiter dort die bei Bauherren beliebten Dämmplatten aus Styropor. Noch in der Brandnacht verlegte Alp­stäg die Exportlogistik für die Dämmplatten in ein österreichisches Werk und sorgte dafür, dass der Produktionsausfall schon ab Dienstag nach Pfingsten von den sechs übrigen Schweizer Swisspor-Standorten aufgefangen wurde. Die 70 Mitarbeiter, die in Steinhausen beschäftigt waren, wurden mit Shuttle-Bussen dorthin gebracht und übernachteten auf Firmenkosten in Hotels. «Wenn die neue Halle im Frühjahr 2009 fertig ist, können alle wieder in Steinhausen arbeiten», verspricht Bernhard Alpstäg. VON 0 AUF 700 MILLIONEN. Doch auch vor dem Brandunglück hat Swisspor bereits eine beeindruckende Stärke bewiesen. Die Keimzelle der heutigen Gruppe legte Bernhard Alpstäg gemeinsam mit seinem Bruder Georges im Jahr 1971. Die damalige Baukork AG hatte gerade mal 14 Mitarbeiter. Heute sind es über 2000 an insgesamt 24 Fabrikationsstandorten, und das Produktespektrum der Gruppe reicht von Dämmstoffen aus Styropor über Dichtungsbahnen aus Bitumen bis hin zu kompletten Fenstern. Die Gruppe mit dem zeitgeistnahen Leitspruch «Saving Energy» dürfte im laufenden Jahr einen budgetierten und konsolidierten Umsatz von über 700 Millionen Schweizer Franken erwirtschaften. Als besonderen Vorzug von Swisspor sieht Alpstäg neben der Kundenorientierung die ständige Weiterentwicklung seiner Produkte an. Je nach Geschäftsfeld investiert er ein bis fünf Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung – unter anderem in die Entwicklung neuer Öko-Dämmtechnologien. Doch vor allem will er eines: zügig weiterwachsen. «Binnen vier Jahren packen wir die Umsatzmilliarde», gibt er die Marsch­richtung vor. Welche Fähigkeiten braucht einer wie er, dem es gelungen ist, in der schwer umkämpften und margenschwachen Baubranche zu reüssieren? Über unmittelbar unternehmerische Tugenden wie Risikobereitschaft, Einsatzfreude und Hartnäckigkeit hinaus, meint Alpstäg, gehöre in seinem Sektor eine gewisse Bauernschläue einfach dazu. Zudem sei es ganz hilfreich, das Einmaleins zu beherrschen, versichert der Patron und lacht. Dann wird er aber doch noch einmal grundsätzlich: «Mir sind Qualitätsbewusstsein, Fairness und eine gewisse Weisheit enorm wichtig.» Zu Beginn seiner Laufbahn habe er oft mit dem Kopf durch die Wand gewollt und keine Toleranz für Gegner oder Andersdenkende gehabt. Heute sei das völlig anders. «Inzwischen habe ich zum Beispiel Freude daran, wenn auch meine Mitbe­werber gute Geschäfte machen», sagt Alpstäg. «Die beschäftigen schliesslich auch Mitarbeiter und kommen damit ihrer sozialen Verantwortung nach.» Die anvisierte Umsatzmilliarde ist daher die Marke, bei der selbst der Patron altbewährte Rezepte in Frage stellt. Die bisherigen Strukturen und das patronale Durchgriffsrecht dürften kaum mehr ausreichen, um den Swisspor-Konzern mit seinen Tochterunternehmen zu steuern. Also macht sich Unternehmer Alpstäg Gedanken darüber, wie viele Stabsstellen er brauche, wie viele Stellvertreter, Buchhalter und Sekretärinnen – «der ganze Wasserkopf halt». EXPANSION IN DEN OSTEN. Und was passiert, wenn das selbst ernannte «Mädchen für alles», der Alleinherrscher Alp­stäg, eines Tages nicht mehr selbst regieren will? Eine Stiftung, so schwebt ihm derzeit vor, solle dann dafür Sorge tragen, dass der Gedanke der Vereinbarkeit von sozialer Gerechtigkeit und gesundem Wachstum nicht verloren gehe. «Am Geld an sich habe ich kein gesteigertes Interesse», sagt er, und das muss man ihm wohl glauben. Aber darauf, dass sein unternehmerisches Lebenswerk fortbesteht, legt er durchaus grossen Wert. Zunächst kümmert sich der Unternehmer Alpstäg allerdings noch höchstpersönlich darum, dass es mit Swisspor weiter vorangeht. An seiner Strategie, mit klugen Zukäufen das Portfolio des Unternehmens auszubauen und die Präsenz in Osteuropa zu vergrössern, will er nicht rütteln. In Polen ist Swisspor jetzt schon sehr erfolgreich, und weitere vielversprechende Märkte hat Alpstäg in Rumänien, Bul­garien und der Ukraine ausgemacht. Weil ihm in Rumänien nicht mehr genug Zeit bleibt, den Markt selbst aufzubauen, will er kleinere Wettbewerber aufkaufen und mit dem eigenen Know-how auf Trab bringen. Die Aufbauarbeit ist anfangs Chefsache, aber wenn die Betriebe einmal funktionieren, überlässt Alpstäg seinen Bereichsleitern das Feld. Lehrgeld hat er in Osteuropa schon viel bezahlt, doch das schreckt ihn nicht. «Jetzt müssen wir eben lernen, in Rumänien und Bulgarien zurechtzukommen. In Polen haben wir es schliesslich auch geschafft.»

Swisspor

Hauptsitz: Steinhausen ZG Umsatz: 700 Millionen Franken Mitarbeiter: 2000 Produktionsstandorte: 13 in der Schweiz, 11 im euro­päischen Ausland Produkte: Dämmstoffe, Fenster, Eternitfassaden, Eternitdachziegel Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Artikel.
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