Einen Blick auf die Vergangenheit von Swatch bietet eine Auktion heute in Genf. Versteigert werden poppige Entwürfe, Prototypen und Uhren des Duos Schmid und Muller, Swatch-Designer der ersten Stunde.
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Die grosse Uhrenauktion von Sotheby's in Genf wird heute zum Mekka für Swatch-Liebhaber. Die Sammlung des Designer-Duos Marlyse Schmid und Bernard Muller erlaubt Einblick in die frühen Jahre von Swatch und die Entwicklung des Schweizer Uhrenkonzerns zur weltbekannten Marke.RMSMarlyse Schmid und Bernard Muller waren zwischen 1981 und 1986 als Swatch-Designer der ersten Stunde tätig. Nun kommt ihre Sammlung von 1000 Uhren in Genf unter den Hammer. Bei 380 davon handelt es sich um Prototypen, die nie auf dem Markt zu kaufen waren und für Liebhaber dementsprechend wertvoll sind. Diese Modelle werden unter anderem versteigert:RMS1986 kollaborierte Swatch mit dem wohl bekanntesten Künstler dieser Zeit, Keith Haring. Insgesamt hat der Amerikaner für die Swatch-Serie in zweijähriger Arbeit sechs verschiedene Designs beigesteuert. Darunter auch das Modell «Serpent». Dass die Kollektion nur in den USA erhältlich war, macht die Uhren umso begehrter.RMS1983 hat Marlyse Schmid die erste transparente Uhr für Swatch entworfen: «The Original Jelly Fish». Eine limitierte Auflage von nur 200 Stück kam in den Handel. Die Uhr war gleichzeitig das erste Spezial-Modell von Swatch.RMSFür die Frühling/Sommer-Kollektion 1984 liessen sich Swatchs Designer von der Seefahrt inspirieren. Zwölf nautische Flaggen zieren den Rand dieser Uhren. In der Seefahrtssprache buchstabieren sie «swatch quartz».RMSAnlass für diese farbige Serie waren die ersten Breakdance-Weltmeisterschaften in New York 1984. Eine Premiere waren auch die fluoreszierenden Farben, die dafür in Einsatz kamen. Die 9999 Exemplare der poppigen Uhren waren ausschliesslich für den amerikanischen Markt bestimmt.RMSBesonders beliebt war die «Swatch Art Special»-Serie, die 1985 lanciert wurde. Das erste Modell wurde in Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Kiki Picasso erarbeitet. Die Korrespondenz zwischen dem Designer-Duo und dem Künstler gibt Auskunft über den künstlerischen Entwicklungsprozess.Bilder: Sotheby'sRMS
Marlyse Schmid und Bernard Muller, Swatch-Designer der ersten Stunde, verkaufen am 10. November bei Sotheby's ihre Sammlung von Swatch-Uhren und Entwürfen. Die Versteigerung kommt zur richtigen Zeit, denn das Interesse an diesen Uhren ist wieder erwacht.
«Wir sind das lebende Gedächtnis dieses Produkts und jetzt haben wir die Gelegenheit diese Zeitzeugen weiterzugeben», sagte Bernhard Muller auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Versteigerung umfasst dabei nicht weniger als 1000 Uhren, wovon rund 380 Prototypen sind. Dazu kommen Entwurfszeichnungen und Modellstudien unter den Hammer, wie Sothebeys im Oktober mitteilte.
Für den Abfall bestimmt
Diese Zeugen der Entstehung der Swatch hätten jedoch eigentlich gar nie vom Estrich des Neuenburger Designerpaars in eine Auktionsstube wechseln sollen. Marlyse Schmid und Bernard Muller beabsichtigen vielmehr, die umfangreiche Sammlung irgendwann zu entsorgen. Zur Freude vieler Amateur-Uhrmacher haben sie diesen Plan jedoch nie ausgeführt.
Zum guten Glück, sagt auch Pedro Reiser von Sotheby's in Genf. Denn Sammlungen, die wie im vorliegenden Fall die Entstehungsgeschichte einer Marke nachzeichne, seien «extrem selten«. «Die Sammlung gewährt einen Einblick in die ersten Jahre von Swatch – eine Periode, in der die Schweizer Uhrmacherkunst eine unerwartete Renaissance erlebt und Erfindergeist zeigt», sagt Reiser.
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Vintage ist auch bei Uhren im Kommen
Als Swatch-Designer zwischen 1981 und 1986 waren Marlyse Schmid und Bernard Muller Teil dieses kreativen Schubs in der Schweizer Uhrenindustrie, die bei Swatch vom Ingenieur Jacques Müller (dem Bruder von Bernard) und Elmar Mock eingeleitet wurde.
In jüngster Zeit hat das Interesse an dieser Pionierphase wieder zugenommen. Das bestätigt auch Reiser. «Wir stellen allgemein eine grosse Nachfrage nach Vintage-Uhren und ein Wachstum dieses Marktes fest», sagt er. Neben den traditionellen Luxusmarkenuhren wie Rolex, Patek Philippe oder Cartier haben es laut Reiser auch einige anderen Uhrenhersteller geschafft, sich auf diesem Markt zu etablieren. Swatch zählt dabei zu den besonders attraktiven Marken, die auch stark emotional besetzt sei.
Gesamtheit der Kollektion bleibt erhalten
Für den Uhrenexperten bei Sotheby's macht das Design der Swatch ein beträchtlicher Teil dieser Attraktivität aus. Insbesondere weil auch so bekannten Künstlern wie Kiki Picasso oder Keith Haring bei der Gestaltung mitgewirkt hätten.
Um den zeitgeschichtlichen Aspekt der Sammlung zu bewahren, werden die rund 4000 zur Versteigerung stehenden Objekte nicht einzeln verkauft. «Ich wollte verhindern, dass nur die besonders begehrten Stücke ersteigert werden. Ein Käufer soll die ganze Design-Entwicklung kaufen», sagte Muller.
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Zweite umfangreiche Swatch-Versteigerung dieses Jahr
Sotheby's hatte im April in Hongkong mit der Sammlung Dunkel die bisher wertvollste und umfangreichste Swatch-Serie versteigert. «Herr Dunkel hatte wohl die wichtigste aber nicht für die Entwicklung der Uhr bedeutendste Sammlung», sagte Muller dazu. Vor der Versteigerung in Genf wird die Sammlung in Hongkong, New York und London gezeigt. Ihr Wert wird auf mehr als eine Million Franken geschätzt.