Irgendwie lag es in der Luft: Die Schweizer Schuhmarke Navyboot serbelt schon länger vor sich her und kommt nicht aus den roten Zahlen heraus. Nun zieht Denner-Erbe und Eigner Philippe Gaydoul anscheinend Konsequenz. Er steht vor dem Verkauf der Marke Navyboot, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Bereits nächste Woche soll Navyboot an einen neuen Besitzer gehen. Das auch, weil das Unternehmen in den letzten Jahren ständig Verluste schrieb. Dieser Geldabfluss habe auch laut Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zu Diskussionen innerhalb der Familie geführt, sie war nicht mehr bereit, die Verluste zu tragen.

Gegenüber der «Schweiz am Wochenende» wollte sich die Familienholding Gaydoul-Schweri aber nicht äussern: «Zu Gerüchten nehmen wir grundsätzlich keine Stellung», sagte eine Sprecherin.

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Seit zehn Jahren ein Problemkind

Nach dem Verkauf von Denner an die Migros 2007 wollte Philippe Gaydoul Luxusmarken aufbauen. Vor zehn Jahren übernahm er die Marke Navyboot von den Gebrüdern Bencivenga, die daraufhin «Benci Brothers» gründeten. Danach nahm Gaydoul auch Fogal und Jetset in sein Portfolio auf. Anscheinend stand dieses Unternehmen aber nicht unter einem guten Stern.

Denn mit Luxusmode haderte Gaydoul nun schon seit Jahren. Vor drei Jahren ging Fogal an einen neuen Besitzer über. Jetzt folgt Navyboot. Überraschend ist dieser Schritt nicht – seit Jahren wird spekuliert, dass es bei Navyboot nicht gut läuft. 

Das Imperium von Philippe Gaydoul

Philippe Gaydoul hat nach dem Verkauf von Denner an die Migros im Jahre 2007 angefangen, ein weitreichendes Portfolio aufzubauen. Ein Überblick: 

2008: Philippe Gaydoul übernimmt Navyboot von den Gebrüdern Bencivenga.

2009: Die Gaydoul Group holt sich die Schweizer Strumpfmoden-Kette Fogal.

2010: Der ehemalige Denner-Chef übernimmt das Sportmodelabel Jet Set. Es ist nun seine dritte Übernahme im Luxus-Segment. Dazu beteiligt er sich auch beim Uhrenhersteller Hanhart. 

2011: Zusammen mit zwei Partnern kauft Gaydoul den Kursaal Arosa.

2012: Philippe Gaydoul wird neuer Mehrheitsaktionär der Kloten Flyers. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, tritt er als Präsident des Swiss-Ice-Hockey-Verbands ab. Im gleichen Jahr gibt Gaydoul das Präsidium bei Denner ab. 

2015: Die Gaydoul Gruppe trennt sich vom Strumpf-Label Fogal. Die Käuferin ist der Bademodehersteller Lahco. 

Dafür gab es diverse Hinweise: Vor zwei Jahren hat Philippe Gaydoul überraschend wieder die Führung des Unternehmens übernommen, nachdem CEO Marcus Meyer nach nur fünf Monaten von Bord gegangen war. Obwohl Gaydoul eigentlich nicht mehr im operativen Geschäft tätig sein wollte. Damals sagte Gaydoul auch optimsitsch, er wolle weitere Läden eröffnen.

Vermögen steckt in Immobilien

Dem Denner-Erbe bleibt noch die in St.Moritz beheimatete Marke Jetset oder etwa auch seine 9,5-Prozent-Beteiligung an der Helvetischen Bank. Zudem investiert Gaydoul in rund ein Dutzend Startups.

Die Familie besitzt rund 25 Liegenschaften an bester Lage. 2016 ging das bekannte «Franz-Carl-Weber-Haus» an der Bahnhofstrasse in Zürich für über 200 Millionen Franken an den Versicherer Swiss Life. Die «Bilanz» schätzt das Vermögen der Familie Gaydoul-Schweri auf rund 1,25 Milliarden Franken.

(tdr)