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Hier schreibt der Chef Hanspeter Danuser: Top of the World

St. Moritz ist die bekannteste Ferienmarke der Welt – und von jeher ein touristischer Anziehungspunkt. Wie der Kur- und Verkehrsdirektor Hanspeter Danuser die Marke im GesprΓ€ch hΓ€lt.

red

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In der Januar-Ausgabe 2005 der BILANZ erschien ein gehaltvoller Beitrag ΓΌber die Β«wertvollsten Marken der SchweizΒ». St. Moritz fehlte auf der Liste, obwohl es sich um einen Global Brand handelt und die Marke St. Moritz weltweit ΓΌber hΓΆhere Bekanntheit, Markenstatur und Substanz als manche der aufgefΓΌhrten Schweizer Produkt- und Dienstleistungsmarken verfΓΌgt. Das Engadiner Weltdorf hat zwar nur 5500 Einwohner und kann jΓ€hrlich fΓΌr Marketing und Markenpflege hΓΆchstens drei Millionen Franken aufwenden – ein lΓ€cherlicher Betrag fΓΌr eine Weltmarke.
Trotzdem ist laut einer Studie der UniversitÀt Wien St. Moritz die bekannteste (Ferien-)Destinationsmarke überhaupt, gemÀss Marktforschung in Deutschland der mit Abstand bekannteste Winterferienort, der auch in Übersee Messwerte aufweist, von denen manche stark beworbenen QualitÀtsmarken nur trÀumen kânnen.
Was steckt hinter dem Markenwunder St. Moritz? Nichts weiter als langfristiges Beherzigen einiger Grundprinzipien professionellen Brandings:
– gute QualitΓ€t in Angebot, Design und Kommunikation,
– langfristige Strategien,
– innovative und nachhaltige Produkt- und Kommunikationspolitik,
– einzigartiger und unverwechselbarer Auftritt im Markt mit langfristig glaubwΓΌrdiger, klarer Positionierung,

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– einfache, aber starke IdentitΓ€t.
Ferienentscheide sind Bauchentscheide. Ferienangebote mΓΌssen entsprechend emotional verpackt und kommuniziert werden, sich an denselben GesetzmΓ€ssigkeiten orientieren wie vergleichbare Produkte der KonsumgΓΌterindustrie, etwa Kosmetika, Haute Couture, Zigaretten oder Uhren.
Basis des Markenmythos St. Moritz war und ist die langfristige, konsequente und konsistente Umsetzung klarer Marketingstrategien, die zum Teil seit 140 Jahren darauf abzielen, St. Moritz weltweit zur klaren Nummer eins aller Bergferienorte zu machen.
Dies kann mangels grosser Finanzmittel nicht ΓΌber konventionelle Kampagnen erreicht werden, sondern geschieht seit rund 120 Jahren durch innovatives Event-Marketing, in dessen Rahmen und auf dessen Plattformen der Brand St. Moritz virtuos und Γ€usserst wirk-sam inszeniert wird. Mittlerweile gibt der Kur- und Verkehrsverein St. Moritz gut die HΓ€lfte seiner operativ verfΓΌgbaren Mittel fΓΌr Event-Marketing in diesem Sinne aus und nimmt dank Lizenzierung seiner Marke jΓ€hrlich netto einen sechsstelligen Betrag ein, der in Teilen wiederum der Brand-Inszenierung zufliesst.
St. Moritz ist ein sehr alter und traditionsreicher Ferienort im abgelegenen Hochtal Engadin, 1856 Meter ΓΌber Meer, auf der AlpensΓΌdseite im SΓΌdosten von GraubΓΌnden und der Schweiz. Seine Mineralquellen sind seit bald 3500 Jahren bekannt, der Name Mauritius (St. Moritz) seit rund 1700 Jahren. Der Ort wurde unter dieser Bezeichnung im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwΓ€hnt, war aber bis vor 140 Jahren, bis ins Jahr 1864, recht unbedeutend.

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Dies Γ€nderten der damalige Hotelpionier Johannes Badrutt und seine Mitstreiter innert weniger Jahre und Jahrzehnte fundamental. Sie Β«erfandenΒ» die Wintersaison in den Bergen, grΓΌndeten den ersten Β«VerschΓΆnerungsvereinΒ» der Schweiz und formulierten schon damals einige Grundstrategien, die sie in der Folge konsequent und kontinuierlich umsetzten und an denen St. Moritz ungeachtet aller Krisen, Kriege und KonjunkturrΓΌckschlΓ€ge bis heute festgehalten hat und weiter festhΓ€lt:
– die Strategie der hohen QualitΓ€t (Β«gleicher Komfort wie in Paris, London und New York, aber auf 1800 Metern ΓΌber MeerΒ»);
– die Strategie der Innovation – Erfindung der Winter- ferien in den Bergen, erster Verkehrsverein, erstes elektrisches Licht, erster Motorflug in der Schweiz, erste Curling- und Golf-Turniere auf dem Kontinent beziehungsweise in den Alpen. SpΓ€ter folgten die ersten Olympischen Winterspiele, die einzigen der Schweiz, die erste alpine Ski-WM in der Schweiz;
– seit 1880 wird eine klare Strategie des Event-Marketings verfolgt;
– hinzu kommt die Strategie der globalen Ausrichtung, da die Schweiz fΓΌr solche Angebote von Beginn an ein zu kleiner Markt war.
Diese Strategien wurden im Laufe der Zeit ergΓ€nzt durch:

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– Konzentration auf die Erfolgsfaktoren (seit 1900), sorgfΓ€ltige Markenpflege (seit 1930),
– offensive Marktbearbeitung und offene Kommunikation (seit 1978),
– Zusammenarbeit mit starken Partnern im Markt (seit 1980).
Die St. Moritzer Markenzeichen Sonne und Schriftzug, die Γ€ltesten noch verwendeten touristischen Markenzeichen ΓΌberhaupt, dienen seit bald 75 Jahren der Erkennung und Identifikation des weltweit wohl bekanntesten Bergferienorts. Die Sonne wurde 1937 in vier Varianten gesetzlich geschΓΌtzt, der Name 50 Jahre spΓ€ter, als erste Ortsmarke der Welt. 1987 kamen zu Sonne und Schriftzug die heraldischen St. Moritzer Ferienfarben Gelb und Blau sowie der Positionierungsslogan Β«Top of the WorldΒ» hinzu. Das komplette Signet ist heute in ΓΌber 50 LΓ€ndern fΓΌr bis zu 15 Warenklassen als QualitΓ€tsmarke eingetragen.
St. Moritz pflegt und schΓΌtzt seinen Namen zusammen mit Lizenznehmern, die mit LizenzbeitrΓ€gen, Event-Sponsoring und dem Marketing fΓΌr ihre St.-Moritz-Produkte die Marke als Global Brand stΓ€rken. Strategische Partnerschaften mit Omega, RΓ€tia Energie, MG Deutsche Augenoptiker sorgen dafΓΌr, dass der gute Name St. Moritz auch in Zukunft den hohen Erwartungen der GΓ€ste aus aller Welt entspricht.

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2003 brachte der Orell FΓΌssli Verlag ein Buch ΓΌber zwΓΆlf Β«Bildmarken – Meilensteine der MarkengeschichteΒ» heraus, das mittlerweile in mehrere Sprachen ΓΌbersetzt wurde und auf grosses Interesse stΓΆsst. Der Autor, RenΓ© LΓΌchinger, heute Chefredaktor der BILANZ, hat die Sonne von St. Moritz als einzige touristische Bildmarke fΓΌr den Β«exklusiven ZwΓΆlfer-ClubΒ» ausgewΓ€hlt, neben dem Nest von NestlΓ©, der Muschel von Shell, dem Apfel von Apple, dem Krokodil von Lacoste, dem Panda des WWF und dem SchlΓΌssel von UBS.
Wie in anderen Wirtschaftsbereichen wird professionelles Branding auch im Destinationsmanagement immer wichtiger. Dies verlangt von den verantwortlichen Chefs und Strategiegremien nicht nur hohe Kompetenz, persΓΆnliches Commitment und Überzeugung, sondern auch personelle KontinuitΓ€t. Das sind die besten Voraussetzungen fΓΌr eine wirksame Markenstrategie, schaffen sie doch gleichzeitig – wie eine gut gefΓΌhrte Marke selbst – Vertrauen, Sympathie und Goodwill im Markt.
In St. Moritz decke ich zusammen mit meinen beiden letzten VorgΓ€ngern 75 Jahre Tourismusgeschichte ab und erlebe seit meinem Start 1978 bis heute erst den zweiten KurvereinsprΓ€sidenten, GemeindeprΓ€sidenten, BΓΌrgermeister, Polizeichef, Gemeindeschreiber, Bauchef, FΓΆrster. Diese personelle KontinuitΓ€t ist wenig spektakulΓ€r, bildet fΓΌr St. Moritz aber ein optimales personelles Umfeld zur Erstellung von qualitativ hoher Leistung, Kommunikation und eben auch Markenpflege. Auf diese Weise kΓΆnnen in jedem Bereich Erfahrung und persΓΆnliche Netzwerke ΓΌber Jahre hinaus optimiert werden.

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Dies zeigt sich auch bei der Bildung und Pflege strategischer Partnerschaften mit Lizenznehmern, touristischen und anderen Partnern, deren Erfolg auf Vertrauen und langfristig angelegten Interessenkongruenzen basiert.
Das stΓ€rkt auf die Dauer die Finanzen des Β«Unternehmens St. MoritzΒ», die Marke sowie die Event-Plattformen, auf denen die Marke und die St.-Moritz-Produkte der Partner glaubwΓΌrdig und Γ€usserst wirksam inszeniert werden kΓΆnnen.
Wenn heute im abgelegenen Engadiner Hochtal auf gut 1800 Metern mit Spitzenpreisen von mehr als 30 000 Franken pro Quadratmeter WohnflΓ€che die hΓΆchsten Preise der Schweiz bezahlt werden, geschieht dies nicht allein wegen der wunderschΓΆnen Seenlandschaft, der hohen Schneesicherheit, Angebots- und ServicequalitΓ€t, sondern auch wegen der hohen Bekanntheit und Substanz der Marke St. Moritz.
Nur so ist erklΓ€rbar, dass in diesem Ort auf 1000 Einwohner im Schnitt ein Luxushotel und zwei ErstklasshΓ€user zu stehen kommen – die weltweit hΓΆchste Dichte an Luxushotels. Das zeigt, dass die Investoren an die Zukunft des Ortes glauben und der Marke St. Moritz vertrauen.
Kaum vorstellbar: St. Moritz ohne Hanspeter Danuser (57). Seit ΓΌber einem Vierteljahrhundert prΓ€gt der rΓΌhrige Kur- und Verkehrsdirektor das Image des Nobelferienortes. Er hat zahlreiche touristische Pioniertaten initiiert und versteht es, St. Moritz mit ΓΌberraschenden Marketingideen aktuell zu halten. Kein Wunder, bekam er fΓΌr seine Verdienste mehrere Auszeichnungen. Hanspeter Danusers Hobbys sind unter anderem Windsurfen, Snowboarden, Skaten, Alphornblasen und Palmen- zΓΌchten. Er ist geschieden und Vater zweier SΓΆhne.

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