Wir haben ein Faible für den Islam», bekennt Stefan Heidenreich, der die Konzernholding Hero in Lenzburg steuert. Voraussichtlich diesen Sommer wird Hero mit dem türkischen Nahrungsmittelkonglomerat Ülker ein Gemeinschaftsunternehmen in der Nähe von Istanbul gründen. Das Joint Venture soll zukunftsträchtige Produkte für gesunde Ernährung (Fachwort: Nutrition) herstellen. Es wäre das zweite Unternehmen, das Hero in der Türkei nach der grössten und einzigen Babynahrungsfabrik des Landes bei Ankara betreibt. Parallel wird Hero 2006 in die Säuglingsverpflegung in Ägypten einsteigen. Dazu will Hero sich in der Nähe von Kairo finanziell engagieren. Dort stellen Ägypter mit Beteiligung des Staates bereits Babymilchnahrung her. Beide Projekte sollen dazu beitragen, dass sich der Anteil des Hero-Umsatzes in der Türkei und im Nahen Osten bis 2009 mindestens verdoppelt. Genauere Zahlen hierzu nennt Hero traditionell nicht.

Seit 1995 wird Hero von Arend Oetker kontrolliert, einem der grössten deutschen Hersteller von Marmeladen (Schwartauer Werke) und Körnerriegeln (Marke Corny). Bei der Expansion kann sich Heidenreich auf Oetkers blendende Kontakte stützen. An der Spitze rangiert der Türke Murat Ülker. Der polyglotte Hobbysegler und -jäger lenkt das Nahrungsmittelkonglomerat Ülker, das neben Koç (Marke Beko) zu den grossen Familienkonzernen der Türkei zählt. Beste Beziehungen unterhält Oetker auch zum Istanbuler Geschäftsmann Cüneyd Zapsu, dem die landesweite Discounterkette BIM mitgehört. Zapsu berät Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in europäischen Fragen und sitzt der mächtigen türkischen Vereinigung der Haselnussproduzenten vor.

In Ägypten ist Oetker durch den Erwerb eines Konfitüreherstellers zum grössten Marmeladeproduzenten Afrikas aufgestiegen und bestens verdrahtet. Am Unternehmen namens Vitrac war Ahmed al-Maghrabi beteiligt. Der Ägypter ist heute Tourismusminister seines Landes und berät Oetker im Beirat von Hero.

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