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Die Neue Holzbau produziert Akustikelemente für den Innenausbau. Die Wand- und Deckenverkleidungen sind ein Exportschlager.

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Wer regelmässig in deutsche Fernsehnachrichtensendungen zappt, hat die Akustikelemente der Obwaldner Firma Neue Holzbau schon Dutzende Male gesehen. Denn die Holzverkleidung hinter der Rednertribüne des Deutschen Bundestages in Berlin ist mit raumakustischen Elementen aus Lungern verkleidet. Das Gleiche gilt für die Wände im Plenarsaal des Deutschen Bundesrates und für die Sitzungsräume im neuen Bundeskanzleramt.
Solche Prestigeaufträge haben dem Unternehmen von Geschäftsführer und Mehrheits- aktionär Arthur Fries den Weg auf die internationalen Märkte geebnet. 60 Prozent der Produktion gehen heute ins Ausland. Die Kunden kommen unterdessen auch aus den USA und Fernost. Der Markenname Topakustik ist zum internationalen Begriff geworden.
Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte auf dem Notizblock von Arthur Fries: Er war gerade bei der Neuen Holzbau als Aktionär eingestiegen und machte Skizzen für die Deckenverkleidung in seinem neuen Büro. «Das sah zwar gut aus», sagt Fries rückblickend, «aber mir fehlte noch der Zusatznutzen.» Den fand er im Bereich der Akustik. Als erfahrener Innenausstatter war er mit den Herausforderungen der Raumakustik vertraut, und er entwarf eine Verkleidung, die auf der Sichtseite mit Rillen, auf der Rückseite aber mit Bohrungen ausgerüstet war. Je nach Lage, Anzahl und Dimension der Rillen und Bohrungen, war Fries überzeugt, würde sich so auf einfache Weise eine breite Palette von Absorptions- und Reflexionseffekten erzielen lassen.

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Er zeichnete einen Prototyp, überschlug die Produktionskosten, kalkulierte den Endverkaufspreis und verglich ihn mit vergleichbaren Angeboten. Die Rechnung ging auf, und innert 30 Tagen reichte er in Bern eine Patentschrift ein. Wenige Wochen später fanden an der Empa in Dübendorf die erfolgreichen Akustiktests statt, ab Juli 1991 wurden die Schallabsorber von der eigens dazu gegründeten n’H Akustik + Design AG vertrieben.
Der Start verlief günstig, und Fries setzte nun auf Fokussierung. Den klassischen Innenausbau gab er auf und konzentrierte sich stattdessen auf zwei Nischenbereiche: auf den bereits bestehenden Ingenieurholzbau mit Brettschichtholz sowie auf die neuen Akustikelemente. Von den insgesamt 80 Mitarbeitern beschäftigen sich heute gut 30 mit dem Ingenieurholzbau und knapp 50 mit den Akustikelementen. Um den teuren Maschinenpark auszulasten, werden die Wand- und Deckenverkleidungen im Dreischichtbetrieb produziert.
Zu den Kunden der n’H Akustik + Design in Lungern zählen neben Generalunternehmungen vor allem Architektur- und Planungsbüros. Mario Botta beispielsweise ist ein treuer Kunde der n’H Akustik: Die Decken in Bottas Basler Tinguely-Museum sind mit Topakustik-Elementen verkleidet. Noch wird ein Grossteil der Akustikelemente in Geschäftssitze und öffentliche Bauten montiert. Doch Fries sieht auch im privaten Hausbau Perspektiven, vor allem bei Kunden, die hohe Anforderungen stellen und entsprechend zahlungskräftig sind. Für das laufende Jahr ist eine Umsatzsteigerung von 23,5 auf über 25 Millionen Franken budgetiert.

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Arthur Fries, der heuer seinen Sechzigsten feiert, hat sein Unternehmen in zehn Jahren vom traditionellen Holzbaubetrieb zu einem Nischenplayer mit internationaler Reputation umgeformt. Gratulationen nimmt er aber nur zum runden Geburtstag entgegen: «Es ist meine Aufgabe als Unternehmer, neue Ideen zu verwirklichen.»

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