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Schweizer Warenhausgruppe restrukturiert

Globus streicht jede dritte Stelle am Hauptsitz

Die Globus-Warenhäuser hatten ein erfolgreiches Jahr. Trotzdem werden Hauptsitzaufgaben nach Italien verlagert. 48 von 150 Jobs fallen weg. 

Andreas Güntert

<p>Globus-Warenhaus an der Zürcher Bahnhofstrasse: Das Unternehmen bezieht künftig Management-Leistungen der Firmenmutter Central Group im europäischen Ausland. </p>

Globus-Warenhaus an der Zürcher Bahnhofstrasse: Das Unternehmen bezieht künftig Managementleistungen von der Firmenmutter Central Group im europäischen Ausland. 

Andreas Güntert

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Seit vier Monaten führt Lucia Guagliardi die Schweizer Warenhausgruppe Globus. Das Geschäftsjahr 2025, sagt die neue Globus-Chefin, die in Personalunion als Managing Director und Einkaufschefin wirkt, sei gut gelaufen: «Im vergangenen Jahr haben wir sowohl beim Umsatz als auch bei den Margen ein positives Wachstum erreicht.» Zudem sei es gelungen, die Basis des Loyalitätsprogramms «Pluscard» zu erweitern: «2025 konnten wir 180’000 neue Kundinnen und Kunden gewinnen; Stand heute sind es 1,5 Millionen Kundenkarten.» 

Zu Umsatzzahlen mag sich Guagliardi nicht äussern. Gemäss Marktbeobachtern brachte 2025, auch durch die Wiedereröffnung des Hauses in Basel, ein Umsatzplus von 8 Prozent; flächenbereinigt dürften es 5 Prozent gewesen sein. Damit hat sich der Umsatz von vormals geschätzt 530 Millionen auf 570 Millionen Franken erhöht.

Globus fährt jährlich 30 Millionen Franken Verlust ein

Trotz dem erfolgreichen Jahr kann auch Guagliardi nicht darüber hinwegsehen, dass Globus harte Zeiten erlebt. Der traditionsreichen Schweizer Warenhausgruppe muss der Spagat zwischen einem glitzernden Aussenauftritt und einem Sparregime hinter den Kulissen gelingen. 30 Millionen Franken Verlust fährt die Warenhausgruppe jährlich ein, wie der neue Globus-Präsident Pierluigi Cocchini jüngst der «NZZ am Sonntag» sagte. 

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Unter anderem auch deshalb, weil hohe Mieten Bremsspuren in der Erfolgsrechnung verursachen. Eine Folge aus der Zeit, als Globus hälftig dem mittlerweile fallierten österreichischen Immo-Mogul René Benko gehörte. Die andere Hälfte hielt damals schon die thailändische Central Group, die seit Ende 2024 die ganze Kontrolle über das operative Globus-Geschäft hat.

Abbau am Hauptsitz, Belegschaft in Warenhäusern bleibt

Jetzt bündelt die Globus-Chefin Tätigkeiten innerhalb der Central Group, zu deren europäischem Geschäft unter anderem auch die italienische Warenhausgruppe Rinascente und die deutsche Kadewe-Group gehören. «Als Teil der europäischen Warenhausgruppe von Central Group können wir unsere Effizienz stärken, indem wir Dienstleistungen wie Einkauf, Marketing und IT von einer zentralen Organisation unserer Mutterfirma Central Group in Mailand beziehen», sagt Guagliardi.

Das führt zu einem Abbau am Globus-Hauptsitz in Zürich, den die Chefin so beziffert: «48 unserer 150 Stellen am Zürcher Hauptsitz werden abgebaut; die 1200 Mitarbeitenden in der Logistik und in den Warenhäusern sind davon nicht betroffen.» Wie viele der 48 betroffenen Personen entlassen werden, sagt die Globus-Chefin nicht genau: «Für einige konnten wir eine Frühpensionierung einleiten, für alle anderen besteht ein Sozialplan.»

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Mit dem Abbau optimiert Globus seine Kostenbasis. Sparen ist auch deshalb wichtig, weil ein grosser Plan und zwei grosse Zahlungen anstehen. Zum einen will das Unternehmen per 2027 wieder in die schwarzen Zahlen kommen, zum anderen werden bald schon die Rückzahlung eines 125-Millionen-Kredits an die einstige Besitzerin Migros sowie eine Zahlung von 172 Millionen an die Basler Kantonalbank fällig. Guagliardi bestätigt all dies. Zum Erreichen der schwarzen Zahlen 2027 heisst es: «An diesem Ziel halten wir fest.» Und zu den Migros- und BKB-Zahlungen: «Wir kommen unseren Verpflichtungen nach. Fristgerecht.»

«Mit der Stadt, für die Stadt, in der Stadt»

Wenn Globus Marketing und Einkauf an eine zentrale ausländische Organisation vergibt – wird dann darunter nicht die Globus-Swissness bei Sortiment, Auftritt und Kundenansprache leiden? Guagliardi verneint entschieden: «Insbesondere mit der Bündelung unseres Einkaufs stärken wir unsere Beziehungen zu internationalen Marken und unsere Position als House of Brands. Die Entscheidungsverantwortung und der strategische Einkauf bleiben in der Schweiz.» Jedes der neun Schweizer Häuser werde seine Marken und Spezialitäten behalten, sagt die Globus-Chefin. 

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Damit werde es möglich, Kooperationen, Markenaktionen und Events noch stärker auf die Vorlieben der lokalen Kunden abzustimmen, verspricht die Globus-Chefin. Und gibt ein nationales Credo aus: «Mit der Stadt, für die Stadt, in der Stadt.» Wie sich das konkret zeigen wird, bleibt vorderhand noch das Geheimnis der Globus-Chefin.

Globus Bellevue soll bleiben

An der Zahl der Schweizer Häuser werde sich durch die jüngste Restrukturierung nichts verändern, versichert Guagliardi. Dies ist insofern interessant, als die Globus-Filiale am Zürcher Bellevue zuletzt bezüglich Preisen, Angebot und Infrastruktur in grosser Kritik stand – auch intern: «Das ganze Konzept ist ein Fehler», schnaubte Globus-Präsident Cocchini.

So sehr baute sich externe und interne Kritik auf, dass es schon denkbar erschien, dass sich Globus von diesem Standort trennen könnte. Solche Überlegungen scheinen gemäss Guagliardi nun jedoch vom Tisch zu sein: «Wir behalten Globus Bellevue.» Sollte der Standort aber ein Update erfahren, würde dies wohl erneut in die Kosten gehen. Dessen ungeachtet plant Guagliardi im laufenden Jahr eine weitere Vorwärtsbewegung: «Globus verfolgt 2026 einen klaren Wachstumsplan, sowohl beim flächenbereinigten Umsatz als auch bei den Margen.»

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